Donnerstag, 25. April 2019

Niedriger Strompreis RWE will Atommeiler vorzeitig abschalten

Eon, RWE, EnBW: Der Umbau der Branchenführer
DPA

RWE will Atomkraftwerke, die kein Geld verdienen, zur Not auch frühzeitig vom Netz nehmen. Konzernchef Peter Terium forderte von Energieminister Sigmar Gabriel eine Reform des Strommarkts.

Düsseldorf - Der Chef des größten deutschen Stromversorgers RWE, Peter Terium, hält bei fallenden Strompreisen ein vorzeitiges Aus von Kernkraftwerken für möglich. "Bei den jetzigen Strompreisen inklusive Brennelementesteuer sind die operativen Kosten für den Betrieb eines Kernkraftwerks so hoch, dass die Margen minimal geworden sind", sagte Terium dem "Handelsblatt".

Bei einem weiteren Verfall des Strompreises seien auch die Kernkraftwerke "im roten Bereich". "Es wäre nicht zu verantworten, ein Kraftwerk weiter laufen zu lassen, wenn ich damit jeden Tag Geld verliere", sagte Terium. "Dieses Geld habe ich nicht. Und meine Aktionäre geben es mir auch nicht."

Auf dem Dax-Konzern lasten Schulden von mehr als 30 Milliarden Euro. Zudem machen RWE Börsen-Chart zeigen wie der gesamten Branche die gesunkenen Strom-Großhandelspreise zu schaffen.

Der RWE-Chef begrüßte zwar, dass Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) so zügig eine Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) angehe. Allerdings forderte er wie andere Betreiber von Großkraftwerken auch eine Reform des Strommarktes, weil die Renditen der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke dramatisch gesunken sind. "Wir brauchen Reservekapazitäten, um die Schwankungen bei Solar- und Windstrom abzufangen", forderte Terium.

Und dafür müssten die Betreiber entlohnt werden: "Da die energiepolitische Debatte oft etwas verworren ist, nehme ich ein Bild aus dem Fußball: Wer Meister werden will, braucht eine starke Ersatzbank. Die Leute auf der Ersatzbank werden auch bezahlt, obwohl sie nicht immer spielen."

ts/dpa-afx/rtr

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