Samstag, 25. Mai 2019

Energie "Viele Faktoren sprechen dauerhaft für die USA"

Fracking in den USA (Wyoming): Dauerhaft billiges Öl und Gas?
Bruce Gordon / EcoFlight
Fracking in den USA (Wyoming): Dauerhaft billiges Öl und Gas?

3. Teil: "Die USA haben bei der Solarenergie einen riesigen Vorteil"

mm: Wie steht es um die großen industriepolitischen Träume, die Deutschland mit der Energiewende verbunden hat? Immerhin ist Solarworld noch nicht pleite gegangen…

Vahlenkamp: Solarmodule sind heutzutage fast austauschbare Massenware. In China wird nun mal billiger produziert.

Peters: Mit der Förderung der Solarenergie hat Deutschland eine Technik gewählt, bei der das Land Standortnachteile hat. Da geht es beispielsweise um Energiepreise und Arbeitskosten, die in China niedriger sind. Zweitens wäre es ökonomisch sinnvoller gewesen, die Lerneffekte im Bereich der Solartechnologie durch Zubau in sonnenreichen Regionen der Welt, etwa dem Südwesten der USA zu generieren, da dort die Erzeugungskosten etwa 50 Prozent unter dem deutschen Niveau liegen.

mm: Gewinnt China das Endspiel um die Energiegewinnung der Zukunft?

Peters: Vergessen wir nicht die USA. Das Land hat einen großen Heimatmarkt mit attraktiven Sonnen- und Windressourcen. Dort haben heimische Unternehmen Vorteile und können schnell wachsen.

mm: Und Deutschland darf sich rühmen, mit Milliardensummen diese Entwicklung angeschoben zu haben. Profitieren tun andere. Keine schöne Aussicht.

Vahlenkamp: Ja, aber es gibt Ausnahmen insbesondere dort, wo es um technische Differenzierung geht: Die Hersteller von Wechselrichtern für Solaranlagen stehen beispielsweise weiter vergleichsweise gut da.

mm: Wie kann Deutschland so viel wie möglich von seiner Vorreiterrolle in die Zukunft retten?

Vahlenkamp: Über einen Preiskampf wird es nicht gehen. Da wir ein Technik-Land sind, müssen wir in diesem Bereich unsere führende Rolle verteidigen. Bei der Energiewende sollten wir verstärkt auf Systemintegration, Versorgungssicherheit und Kosten achten, damit die Energiewende gelingt.

mm: Welche Unternehmen können mittel- bis langfristig von der Energiewende in Deutschland profitieren?

Vahlenkamp: Die Dezentralisierung der Energiewirtschaft bietet vielen Firmen Chancen, da wird sich viel Positives entwickeln. Private Energieverbraucher (Consumer) werden zu Produzenten (Prosumer), unsere Häuser werden intelligent im Energiemanagement und unser Energiesystem wird insgesamt umgebaut. Beispielsweise werden Hersteller von energieeffizienter und intelligenter Heizungstechnologie profitieren. Auf der anderen Seite werden energieintensive Industrien und Branchen große Probleme bekommen, wenn wir die Kosten nicht im Griff halten.

mm: Wann zahlt sich die Energiewende in Euro und Cent aus? Wann wird Strom wieder billiger?

Vahlenkamp: Bis zum Jahr 2025 steigen unseren Berechnungen zufolge die Gesamtkosten weiter, denn der Anteil erneuerbarer Energien wächst bis dahin stark. Die Kosten für den Strom aus neuen Anlagen sind zwar günstiger als aus den alten, aber zunächst gehen nur wenige Altanlagen aus dem System heraus. Bis zum Jahr 2025 nehmen die Kosten nicht ab.

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