Donnerstag, 23. Mai 2019

Energie "Viele Faktoren sprechen dauerhaft für die USA"

Fracking in den USA (Wyoming): Dauerhaft billiges Öl und Gas?
Bruce Gordon / EcoFlight
Fracking in den USA (Wyoming): Dauerhaft billiges Öl und Gas?

2. Teil: "Die Energieversorgung wird sich umstellen"

mm: Sollte der Gaspreis in den USA wieder steigen, steigt auch der Strompreis. Dann wäre der Vorteil schnell dahin - und Deutschland würde von seinen erneuerbaren Energien profitieren.

Vahlenkamp: Dann käme in vielen Regionen der USA die Kohle wieder ins Spiel. Kohleproduzenten leiden momentan massiv. Die Nachfrage im Inland ist wegen der niedrigen Gaspreise sehr gering, nur der Export rettet manche Minenbetreiber. Doch sobald die Gaspreise steigen, kommt die Kohle Stück für Stück wieder ins Geschäft. Dieser Mechanismus wirkt dämpfend auf die US-Strompreise.

mm: Demnach könnten Deutschland und Europa den Energiepreis-Wettstreit mit den USA gar nicht gewinnen.

Peters: Viele Faktoren sprechen beim Preis dauerhaft für die USA, bei der fossilen, aber auch bei erneuerbarer Energie. Gas und Kohle sind günstiger in den USA und werden es voraussichtlich über die nächsten Jahre bleiben, weil es heimische Rohstoffe sind. Die USA verfügen aber auch über mehr natürliche Ressourcen, wie die Sonnenenergie. Die einzelne Kilowattstunde Strom aus Photovoltaikanlagen wird in den USA immer billiger sein als in Deutschland. Dasselbe gilt für die Windenergie und auch die Biomasse. Die USA haben mehr Land zur Verfügung und eine bessere Sonneneinstrahlung, daher wächst mehr Biomasse. Das sind Faktoren, die Bestand haben werden, das können wir nur mit höherer Produktivität in anderen Bereichen ausgleichen.

mm: Das heißt, Deutschland hat die erneuerbaren Energien mit Milliardenaufwand zum Leben erweckt, nur um dadurch einen neuerlichen Ressourcen-Nachteil zu bekommen? Wie wichtig werden Sonne und Wind für den Industriestandort der Zukunft langfristig tatsächlich sein?

Vahlenkamp: Deutschland bezahlt ohne Zweifel einen erheblichen Teil der Entwicklungskosten für erneuerbare Energien, insbesondere Solar -Photovoltaik. Die Energieversorgung wird sich über die Jahrzehnte umstellen. Wir reden auf keinen Fall über ein Mittelfristszenario.

mm: Geht es nicht eventuell schneller? Wind und Sonne sind beim Vergleich von Kraftwerks-Neubauten schon heute die billigsten Energiequellen in vielen Teilen der USA, etwa in Texas und Kansas.

Vahlenkamp: Hier und dort mag es schneller gehen. Doch weltweit steigt der Energieverbrauch um etwa 25 Prozent bis 2030, und deshalb sind in der Regel noch konventionelle Energiequellen gefragt. Würde sich heute ein Unternehmen oder ein Land darauf verlassen, dass es den nur Strom aus Windkraftanlagen bezieht? Niemals. Die Rechnung geht für Gas viel besser auf, da kann man sich für 20 Jahre sicher sein, den Strom zu bekommen, den man braucht.

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