Lukoil-Chef Maganow Noch ein weiterer plötzlicher Tod eines russischen Oligarchen

Mit Ravil Maganow, Aufsichtsratschef des russischen Ölkonzerns Lukoil, stirbt ein weiterer russischer Oligarch auf verdächtige Weise. Es ist mindestens der zehnte tote russische Superreiche mit Verbindungen zum Kreml. Die Todesserie wirft Fragen auf.
Oligarch mit Verbindungen zum Kreml: Der Tod von Lukoil-Chef Rawil Maganow wirft Fragen auf

Oligarch mit Verbindungen zum Kreml: Der Tod von Lukoil-Chef Rawil Maganow wirft Fragen auf

Foto: Mikhail Metzel / TASS / /dpa / picture alliance

Die Liste toter russischer Oligarchen wächst. Nachdem bereits in den vergangenen Monaten zahlreiche russische Superreiche mit Verbindungen zu Russlands Energieriesen auf verdächtige Weise gestorben waren, folgt nun ein weiterer plötzlicher Tod. Der Aufsichtsratschef des russischen Ölkonzerns Lukoil, Rawil Maganow (67), ist beim Sturz aus dem Fenster eines Moskauer Krankenhauses ums Leben gekommen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag.

Die Polizei hat Ermittlungen eingeleitet, als wahrscheinlichste Ursache gilt laut Medienberichten ein Suizid. Bei Maganow sei im Krankenhaus neben Herzproblemen eine Depression diagnostiziert worden, heißt es. Lukoil, zweitgrößter russischer Ölproduzent, bestätigte den Tod nach schwerer Krankheit. Das Unternehmen würdigte Maganow als eine Schlüsselfigur "nicht nur für den Konzern, sondern für die gesamte russische Öl- und Gasbranche ".

Lukoil hatte sich einst kritisch gegenüber dem Kreml geäußert und sich öffentlich für ein Ende des Kriegs in der Ukraine ausgesprochen. Das Unternehmen war der einzige russische Ölproduzent , der Anfang März kurz nach dem Einmarsch Moskaus in das Nachbarland eine "schnelle Lösung des militärischen Konflikts" forderte.

Es ist nicht der erste Todesfall unter Russlands Topmanagern, seit sich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zuspitzte. Zuvor waren bereits mindestens zehn weitere russische Oligarchen unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen – teils mit ihren Familien. Die meisten von ihnen hatten Verbindungen zum Öl- und Gassektor.

Zuletzt sorgte der Tod von Multimillionär Juri Voronov für Aufsehen. Voronov war Inhaber eines Transport-Unternehmens, das mit Russlands größtem Gaskonzern Gazprom Geschäfte in der Arktis gemacht hat. Anfang Juli wurde er tot im Pool seines Hauses gefunden. Nach Medienberichten hatte er eine Schusswunde am Kopf.

Ist der Kreml involviert?

Auch Lukoil-Manager Alexander Subbotin starb nach Medienberichten – angeblich bei einer okkulten Behandlung gegen Alkoholsucht. Zahlreiche andere sollen sich das Leben genommen haben. Zu den toten russischen Oligarchen zählen auch Sergey Protosenya, Ex-Manager von Novatec, dem größten privaten russischen Energiekonzern, Aleksandar Tyulyakov, stellvertretender Generaldirektor von Gazprom und Vladislav Avaev, ehemaliger stellvertretender Präsident der Gazprombank.

In einem Video-Interview, das Ende April auf Youtube veröffentlicht wurde, bezweifelte der langjährige Vizechef der Gazprombank, Igor Wolobujew, dass es sich bei den toten Managern jeweils um Suizid handelte. Wolobujew ist inzwischen in die Ukraine geflohen und kämpft dort eigenen Angaben zufolge gegen die russischen Truppen.

Die Todesfälle werfen Fragen auf, welche Rolle der Kreml bei den angeblichen Todesfällen spielt. So wird etwa eine direkte Beteiligung von Kreml-Chef Wladimir Putin (69) als Auftraggeber der gut getarnten möglichen Morde vermutet .

Maganow war seit fast 30 Jahren für Lukoil tätig

Maganow war seit 1993, kurz nach der Gründung des Unternehmens, bei Lukoil tätig und leitete die Bereiche Raffinerie, Produktion und Exploration. 2020 wurde er Chairman des Unternehmens. Sein Bruder Nail Maganow (64) ist Chef des mittelgroßen russischen Ölproduzenten Tatneft.

Der Oligarch war ein enger Mitarbeiter von Vagit Alekperov (72), dem Gründer von Lukoil. Alekperov, ehemals stellvertretender sowjetischer Ölminister, trat im April als Präsident von Lukoil zurück, nachdem Großbritannien im Rahmen der Sanktionen gegen Russland wegen der Militäraktionen in der Ukraine ein Einfrieren seiner Vermögenswerte und ein Reiseverbot gegen ihn verhängt hatte.

dri/Reuters, dpa
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