Flüssiggas RWE wird LNG-Terminal vor Lubmin betreiben

Der Energiekonzern RWE und das norwegische Unternehmen Stena-Power sollen zusammen das vom Bund geplante LNG-Terminal vor Lubmin betreiben. Das Terminal wird allerdings frühestens Ende 2023 starten.
Energeistandort Lubmin: Hier befindet sich auch die Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1

Energeistandort Lubmin: Hier befindet sich auch die Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1

Foto: Stefan Sauer / dpa

Am Standort Lubmin bei Greifswald, an dem auch die deutsch-russischen Gasleitungen Nord Stream 1 und 2 ankommen, steht der Betreiber für das vom Bund geplante Flüssiggas-Terminal nun fest. Der Energiekonzern RWE wird das LNG-Terminal gemeinsam mit der norwegischen Stena-Power betreiben, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium am Montag auf Anfrage. Zu einer Inbetriebnahme wird es demnach jedoch frühestens Ende 2023 kommen.

Im Norden sollen nach dem Willen der Bundesregierung vier LNG-Terminals entstehen, um unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu werden. Das erste soll zum Jahreswechsel in Brunsbüttel in Betrieb gehen. Zwei weitere Anlande- und Umwandlungsstellen, die Flüssigerdgas von Tankern aufnehmen und gasförmig machen, sind in Stade und Wilhelmshaven vorgesehen.

In Lubmin soll es nach den Planungen letztlich zwei Terminals für Flüssiggas geben. Ein erstes, privates Terminal der Firma Regas soll bereits am 1. Dezember 2022 den Betrieb aufnehmen. Das Unternehmen will jährlich 4,5 Milliarden Kubikmeter von Tankern angeliefertes Erdgas in das deutsche Netz einspeisen. Dazu will das Unternehmen ein sogenanntes Regasifizierungsschiff im Industriehafen Lubmin stationieren und dort das Flüssig- in Erdgas umwandeln. Vom Liegeplatz seien es nur 450 Meter bis zum Fernnetz mit den Leitungen Eugal und Nel, so das Unternehmen.

Eine Herausforderung ist allerdings die geringe Wassertiefe der Ostsee vor Lubmin. Die LNG-Tanker sollen deshalb vor dem Greifswalder Bodden in der Ostsee ankern. Dort wird das LNG den Regas-Plänen zufolge in kleinere Tanker umgeladen und nach Lubmin gebracht. Drei Shuttle-Schiffe seien dafür vorgesehen. Umweltbeeinträchtigungen gebe es den Angaben zufolge praktisch keine, da unter anderem die bestehende Infrastruktur genutzt würde.

Kritik an 55-Kilometer-Pipeline ab Brunsbüttel

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat unterdessen den geplanten Bau einer 55 Kilometer langen Pipeline kritisiert, die das künftige Terminal für Flüssiggas in Brunsbüttel an der Elbmündung mit dem Gas-Fernleitungsnetz bei Hetlingen im Kreis Pinneberg verbinden soll. Der Antrag für die Pipeline sei der Versuch, eine auf Dauer angelegte Infrastruktur für Flüssigerdgas-Importe vorzubereiten, kritisierte die DUH am Montag. Man habe eine entsprechende Stellungnahme zum Genehmigungsverfahren abgegeben.

Hintergrund ist zum einen der seit längerer Zeit geplante und von der DUH abgelehnte Plan zum Bau eines Terminals für Flüssigerdgasimporte an Land in Brunsbüttel. Auf der anderen Seite hatte die DUH angekündigt, wegen der aktuellen Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, den Bau von schwimmenden Terminals in Brunsbüttel und Wilhelmshaven nicht mutwillig zu verzögern.

Das schwimmende Terminal, das bereits zum Jahreswechsel einsatzbereit sein soll, wird nach Angaben des schleswig-holsteinischen Energiewendeministeriums zunächst über eine drei Kilometer lange Pipeline ans Gasnetz angeschlossen. Die maximale Kapazität des Terminals soll etwa fünf Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr aufnehmen. Diese werde aber erst mit der 55 Kilometer langen Gasleitung erreicht, die Ende 2023 fertig sein soll. Bis dahin betrage die Jahresdurchschnittskapazität 3,5 Milliarden Kubikmeter, was etwa vier Prozent des deutschen Gasbedarfs entspreche.

Aus Sicht der DUH wirkt die Begründung für die größeren Pipeline vorgeschoben. Denn das notwendige zwei Kilometer lange Verbindungsstück zwischen beiden Leitungen sei gar nicht Teil der aktuellen Anträge. 2026 soll das schwimmende Terminal durch ein Terminal an Land ersetzt werden. Dann steigt die Kapazität in Brunsbüttel auf zehn Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. Die Anlagen sind auch für die spätere Aufnahme von Wasserstoff vorgesehen.

hr/dpa-afx
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