Mittwoch, 18. September 2019

Hype um Alkalimetall für Batterien "Lithium wird Öl überholen"

Lithium: Das weiße Gold
REUTERS

2. Teil: Lithium-Rausch im Erzgebirge?

Schon zuletzt ging es nach Angaben der US-Rohstoffbehörde USGS steil aufwärts. Im vergangenen Jahr produzierten Bergbauunternehmen demnach weltweit etwa 36.000 Tonnen des Metalls, 2009 waren es erst 19.000.

Rohstoffbaron alter Schule: David Lenigas setzt auf Lithium
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Rohstoffbaron alter Schule: David Lenigas setzt auf Lithium
Klassischerweise verwenden Hersteller von Keramik- und Glasprodukten Lithiumverbindungen, zum Beispiel für Thermoskannen. Diese Industrie benötigt etwa 35 Prozent des Lithiumaufkommens. Schon in diesem Segment steigt der Bedarf, weil Menschen in Schwellenländern mehr derartige Waren kaufen.

Glänzende Augen bekommen Investoren wie Lenigas aber angesichts der Aussichten im Batteriebereich, auf den inzwischen 31 Prozent des Lithiumaufkommens entfallen. Dabei geht es nicht nur um Elektroautos. Auch Smartphones, Laptops, Gartengeräte und große Stromspeicher für den Hausgebrauch sind zunehmend mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet.

Deutsche Industrie sieht Lithium-Hype mit gemischten Gefühlen

Die deutsche Industrie beobachtet den Lithium-Hype mit gemischten Gefühlen. Gewinnen Batterien an Bedeutung, etwa in der Auto- und Energiebranche, sind Unternehmen langfristig zwar weniger auf Importe von Kohle und Öl angewiesen. Doch Lithium und andere für die Akkuherstellung benötigte Metalle sind in Europa noch seltener.

"Die Industrie gerät von einer Abhängigkeit in die andere", sagt Dera-Mann Buchholz. "Es gibt für Lithium weniger Lieferländer als für Erdöl."

Immerhin seien die wichtigsten Lithium-Förderländer aber "unproblematisch": Größter Produzent war 2014 Australien, knapp vor Chile. Mit Abstand folgten China und Argentinien. Mexiko, wo Investor Lenigas auf die Bonanza hofft, käme neu auf die Landkarte der bedeutendsten Förderer.

"Das Länderrisiko kann sich im Fall neuer Anbieter allerdings deutlich erhöhen", warnt Buchholz. So hat Bolivien große Pläne mit dem Metall. Der Lithium-Export werde die Bevölkerung aus der Armut befreien, hofft Präsident Evo Morales. In dem südamerikanischen Land gibt es mehrere Salzseen, aus denen sich eine stark lithiumhaltige Sole an die Oberfläche pumpen lässt (siehe Bildergalerie).

Um Förderprojekte im Erzgebirge und in Österreich wird es still

Von solchen Vorkommen kann Europa nur träumen. Portugal taucht als einziges Land auf der USGS-Liste der wichtigsten Lithium-Produzenten auf - an vorletzter Stelle. Um geplante Förderprojekte im sächsischen Erzgebirge und in Österreich ist es still geworden - einen Lithium-Rausch wird es dort vorerst wohl nicht geben.

Wie erbittert einzelne Regionen bereits um die beste Position im Rennen um die Lithium-Vorherrschaft kämpfen, zeigt auch das Beispiel Tesla. Mit etwa einer Milliarde Dollar fördert der Bundesstaat Nevada den Bau der "Gigafactory".

Umso empörter reagierten Politiker, als der Autobauer das Geschäft mit Rohstoff-Haudegen Lenigas verkündete. "Tesla bezieht Lithium aus Mexiko - wo ist Donald Trump, wenn man ihn braucht?", twitterte Senator Tick Segerblom und spielte auf die Verbalausfälle des Präsidentschaftskandidaten gegen das südliche Nachbarland an.

Elon Musk persönlich kühlte die Gemüter schließlich ab. "Definitiv", so twitterte der Tesla-Chef, sei sein Unternehmen auch an Lithium aus Nevada interessiert. Die "angst" um das Lithiumgeschäft, bemerkte die "Las Vegas Sun" erleichtert, sei in dem Bundesstaat nun fürs erste verflogen.

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