Sonntag, 26. Mai 2019

Kommentar: Eon spaltet sich auf Künftig ohne Kernkompetenz

An der Energiewende gescheitert: Eon-Chef Johannes Teyssen

Der Energiekonzern vollzieht einen radikalen Strategieschwenk - eine Kapitulation vor den Zwängen des Energiemarktes und ein Eingeständnis des Scheiterns.

Das alte Geschäftsmodell ist tot, es lebe das neue? Schön wär's, aus Sicht des maladen Düsseldorfer Energieanbieters Eon Börsen-Chart zeigen, der heute eine neue Konzernstrategie verkündete. Das Unternehmen soll aufgespalten werden. Fortan will sich Eon auf das Geschäft mit Erneuerbaren Energien, Netzen und Vertrieb beschränken. Alles Übrige, vor allem das Geschäft mit Atom-, Gas und Kohlekraftwerken, soll mehrheitlich als Spin-off zunächst den Aktionären angeboten, der Rest dann nach und nach an die Börse verkauft werden.

Der Schwenk ist eine Kapitulation vor den Zwängen des Energiemarktes und ein Eingeständnis des Scheiterns. Es gab keinen Ausweg aus dem Teufelskreis sinkender Großhandelspreise, nicht auskömmlicher Kraftwerkserträge und hoher Wertberichtigungen. Dem Konzern gelang es nicht, so schnell neues Geschäft zu entwickeln wie das tradierte wegbrach. Die Verschuldung ist immer noch hoch, Managementfehler, vor allem im Ausland, verschlimmerten die Lage. Am Ende reifte obendrein die Erkenntnis, dass man mit Kostenprogrammen nicht gegen einen fundamentalen Trend ansparen kann, genauso wenig, wie morgendliche Turnübungen gegen einen Bandscheibenvorfall helfen.

Zuletzt wurde den Stromprotagonisten zudem klar, dass von der Politik vorerst keine große Unterstützung zu erwarten sein wird. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel wird bestenfalls für vereinzelte Reservekraftwerke finanzielle Hilfen gewähren. Ein Kapazitätsmarkt light, mehr ist nicht drin - zu wenig für die Energieunternehmen.

Die Methode Wenning

Die Lösung eines Spin-offs trägt die Handschrift des Eon-Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Wenning. Der frühere Bayer-Chef hat Erfahrung mit derlei Konzepten, seit der Abspaltung von Lanxess. Nur: Damals gab Bayer Randgeschäfte ab, im Falle Eon, und das macht den Schwenk so fundamental, wird der Kern heraus gelöst. Um den Eindruck zu vermeiden, die neue Gesellschaft sei nicht viel mehr als eine Abwicklungsanstalt für konventionelle Kraftwerke, soll sie zusätzlich den Energiehandel und das Explorationsbusiness bekommen. Eine Lösung, für die sich Wenning stark gemacht hat; das Eon-Management hätte zumindest den umsatzträchtigen Handel gern behalten.

Bei Eon verbleiben 40.000 Mitarbeiter und ein Zukunftsgeschäft, das erst einmal richtig entwickelt werden muss: niedrige Margen und wachsende Konkurrenz im Vertrieb, steigender Investitionsbedarf in die Netze (Stichwort: Smart grid); das Geschäft mit Wind und Sonne kostet viel Geld und ist noch nicht ausreichend profitabel.

Die Eon-Spalter haben den noch maladeren Konkurrenten RWE nun unter Handlungszwang gesetzt. Hat der frühere EDF-Chef Henri Proglio am Ende doch Recht mit seiner Einschätzung? Von den zwei großen Energiekonzernen in Deutschland, so hat er gesagt, sei einer mehr oder weniger tot, einer sei in einer sehr schwierigen Situation. Der mit den enormen Problemen hat jetzt, als first mover, gehandelt.

Zum Nachlesen: Protokoll der Eon-Pressekonferenz zur Aufspaltung

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