Mittwoch, 24. Juli 2019

Billiges Öl Der Anfang vom Ende

Ölpreisverfall: Die Energiewelt fährt Achterbahn
DPA

3. Teil: Der mächtigste Feind der Ölindustrie ist der technische Fortschritt

Das alles wissen die Topmanager in den Ölkonzernen, und sie reagieren bereits: Seit Jahren spielt Gas eine wachsende Rolle bei ihren Aktivitäten, ihre Ölproduktion geht kontinuierlich zurück. Nach außen verkaufen sie dagegen die Botschaft, dass dem Öl eine rosige Zukunft beschert ist.

Das wichtigste Mantra: Der weltweit wachsende Energiebedarf werde schon dafür sorgen, dass Benzin und Diesel noch an Bedeutung gewinnen. So ist es doch schon immer gewesen.

Die Bibel dieses Glaubenssatzes ist der jeweilige Energy Outlook der Unternehmen. Darin weisen die einschlägigen Kurven immer weiter nach oben - als ob sich Energiebedarf nicht auch anders decken oder trotz Wirtschaftswachstum reduzieren ließe. Als ob es sparsamere Autos, alternative Antriebe und den politischen Kampf gegen den Klimawandel gar nicht gäbe.

Öl gibt es genug, doch wer will es haben?

Die größte Bedrohung der Branche sind dabei aber nicht Gesetze, Öko-Quoten oder CO2-Steuern. Der mächtigste Feind der Ölindustrie ist der technische Fortschritt. Effizientere Motoren und der Einsatz von Erdgas in Lastwagen und Schiffen sind dabei nur die Spitze des Eisberges.

Richtig brenzlig wird es, wenn beispielsweise Solarenergie (auf Kosten von Ölkraftwerken und Kerosinlampen), Batterien oder Wasserstoff den Durchbruch schaffen. Aufgrund sinkender Preise ist dieser Punkt im Solarbereich bereits seit einer Weile erreicht.

Was das bedeuten kann, erfährt bereits die Kohlebranche. Der Preis für Steinkohle fällt immer tiefer, und doch sinkt der Absatz in weiten Teilen des Globus. In der industrialisierten Welt werden schon jetzt so gut wie keine neuen Kohlekraftwerke mehr gebaut, weil sie zu teuer, zu dreckig und schlecht mit erneuerbaren Energien kombinierbar sind.

Gut möglich, dass die Ölwirtschaft bald ähnliche Erfahrungen macht und feststellt: Öl gibt es zwar genug. Aber niemand will es mehr haben.

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