Sonntag, 21. Juli 2019

Billiges Öl Der Anfang vom Ende

Ölpreisverfall: Die Energiewelt fährt Achterbahn
DPA

2. Teil: Absatz von Elektroautos wächst munter weiter

Mit anderen Worten: Wenn künftig so viel Öl wie heute gefördert werden soll oder sogar noch mehr, muss der Preis wieder deutlich steigen. Lediglich eine technische Revolution bei der Exploration oder riesige, leicht zugängliche Ölfunde könnten daran etwas ändern. Doch trotz der legendären Innovationskraft der Ölingenieure ist beides weit und breit nicht in Sicht.

Viel spricht dafür, dass sich die Lage der Ölindustrie erst verbessert, wenn die Fördermenge zurück geht - sei es durch eine Intervention der Opec oder den schmerzhaften Niedergang der Industrie in den anderen Förderstaaten. Schon jetzt rechnen Branchenkenner damit, dass die Ölproduktion in den USA noch in diesem Jahr zu sinken beginnt.

Auf eines sollten die Konzerne jedenfalls nicht hoffen: Eine stark steigende Ölnachfrage, ausgelöst durch den niedrigen Preis. Dies zeigt sich nicht zuletzt in den USA. Dort entscheiden sich Autokäufer zwar vermehrt für große SUVs und Geländewagen. Trotzdem sinkt der durchschnittliche Verbrauch der Autos im Jahresvergleich weiter, weil die Wagen effizienter werden.

Strenge Verbrauchsregeln in den USA

Bis zum Jahr 2025 sollen ihre Fahrzeuge im Schnitt deutlich weniger schlucken als bisher, hat die US-Regierung festgelegt. So sinkt der gesetzliche Durchschnittsverbrauch für kleine Geländewagen von derzeit 7,1 Liter auf 100 Kilometer in den kommenden zehn Jahren auf 4,7 Liter.

Gleichzeitig fahren die Amerikaner weniger Auto als noch vor einigen Jahren. Bisher gibt es keine Anzeichen, dass sich an diesem Trend grundlegend etwas ändert.

Auch wächst der Absatz von Elektroautos trotz des billigen Öls munter weiter. In den USA in diesem Jahr um gut 20 Prozent auf etwa 120.000, schneller als der Gesamtmarkt. Es kann weiterhin günstiger sein, mit Strom zu fahren als mit Benzin - erst recht wenn Hersteller wie Tesla Börsen-Chart zeigen, Nissan Börsen-Chart zeigen oder BMW Börsen-Chart zeigen kostenloses Aufladen anbieten oder Menschen ihren Strom zu Hause selbst erzeugen und damit ihr Auto betanken.

Zudem macht die Batterietechnik schnelle Fortschritte. Kommt es zum von der Rohstoffindustrie dringend benötigten Ölpreis-Comeback, hat der Verbrennungsmotor in absehbarer Zeit womöglich keine Chance mehr.

In Europa und China tun die Regierungen ebenfalls viel, um den Ölverbrauch zu drosseln - die Volksrepublik will nicht zuletzt die verheerende Luftverschmutzung eindämmen. Die Regierungen von Schwellenländern wie Indien und Indonesien nutzen den Ölpreisrückgang derweil dazu, ihre Subventionen für Benzin und Diesel deutlich zurückzufahren.

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