Auf Rekordhoch Iranische Öl-Exporte erreichen trotz Sanktionen Höchststände

Unter Ex-Präsident Donald Trumps hatten die USA Sanktionen gegen den Iran verhängt, die den Ölsektor des Landes treffen sollten. Die Restriktionen gelten immer noch – dennoch boomen derzeit die Öl-Exporte des Iran. Die USA warnen vor Konsequenzen.
Eine Ölförderstätte in der Wüste: Irans Exportgeschäft mit dem Rohstoff boomt, obwohl die USA immer noch Sanktionen gegen die iranische Ölindustrie verhängt haben

Eine Ölförderstätte in der Wüste: Irans Exportgeschäft mit dem Rohstoff boomt, obwohl die USA immer noch Sanktionen gegen die iranische Ölindustrie verhängt haben

Foto: Hasan Jamali/ AP

Der Iran exportiert trotz Sanktionen der USA Öl in neuen Höchstmengen. Das geht aus von Reuters am Sonntag veröffentlichten Branchen-Daten hervor. Im vergangenen Dezember exportierte die Islamische Republik nach Angaben des Energieberatungsunternehmen SVB International durchschnittlich 1,14 Millionen Barrel (à 159 Liter) pro Tag, so viel wie in keinem anderen Monat des abgelaufenen Jahres. Auch im Januar zeichnet sich demnach ein neues Ausfuhr-Hoch ab.

Erst kürzlich war bekannt geworden, dass auch Russland offenbar westliche Ölsanktionen umgeht  und dabei auf ähnliche Praktiken wie der Iran und Venezuela setzt. Dazu gehört unter anderem der Aufbau einer sogenannten Schattenflotte, also eine Flotte aus alten schrottreifen Tankschiffen, mit der sich die Länder unabhängig vom Westen machen.

Die USA hatten unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump (76) 2018 einseitig das internationale Atomabkommen mit dem Iran von 2015 aufgekündigt und Restriktionen erlassen, die den Ölsektor des Landes treffen sollten. Das zwischen dem Iran und der sogenannten Sechser-Gruppe (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland) geschlossene Abkommen sah internationale Kontrollen iranischer Atomanlagen vor. Im Gegenzug wurden Handelsblockaden gelockert. Hintergrund des Streits über das iranische Atomprogramm sind Befürchtungen, die Regierung in Teheran treibe den Bau von Atombomben voran. Iran bestreitet das, lässt aber keine UN-Kontrollen der Anlagen zu.

Biden will Abkommen wiederbeleben

Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden (80), der eine Wiederbelebung des Abkommens von 2015 anstrebte, sind die iranischen Öl-Exporte gestiegen und haben nach Angaben der Beratungsfirma Petro-Logistics einen neuen Höchststand seit März 2019 erreicht. "Im Vergleich zur Trump-Regierung hat es keine ernsthaften Maßnahmen gegen die iranischen Ölexporte gegeben", sagte SVB-Expertin Sara Vakhshouri.

China ist nach Angaben der Beratungsfirma FGE der Hauptkunde für iranisches Öl. Die meisten Importe würden allerdings als aus anderen Ländern stammend umdeklariert, erklärten FGE-Experten. Die iranische Regierung reagierte nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme zu den Angaben.

Öl ist Irans wichtigste Einnahmequelle

Nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Fars aus der abgelaufenen Woche rechnet die Regierung im aktuellen Haushaltsentwurf mit Öl-Exporten von 1,4 Millionen Barrel pro Tag. Damit würde der Export noch über den Branchen-Angaben liegen. Öl gilt als wichtigste Einnahmequelle der Regierung.

"Wir haben nicht gezögert und werden nicht zögern, Maßnahmen gegen Sanktionsbrecher zu ergreifen", sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates in den USA, Adrienne Watson. Ihren Angaben nach ist dies auch in den makroökonomischen Daten Irans abzulesen.

Die Ölpreise sind zuletzt wieder gestiegen. In der laufenden Woche haben die Erdölpreise ihren schwachen Jahresstart fast wettgemacht. Seit Montag ist der Brent-Preis um etwa sechs Dollar je Barrel gestiegen. Gründe für die Preisaufschläge sind unter anderem Hoffnungen auf eine konjunkturelle Stabilisierung in China. Mit der konjunkturellen Belebung nach dem Ende der harten Corona-Maßnahmen rechnen Experten mit einem Anstieg des Ölverbrauchs in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

dri/Reuters
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