Dienstag, 19. November 2019

Windenergie in der Kritik Die fünf größten Risiken der Himmelsstürmer

6. Teil: Grenzen des Wachstums: Wie viel Windkraft verträgt unser Stromsystem?

Mehr Windräder, mehr Stromtrassen: Investoren bauen Windparks - um den Rest kümmern sich andere
Noch immer funktioniert der Windkraft-Ausbau in Deutschland nach dem Muster: Viel hilft viel. Wie im Schlussverkauf reißen sich Investoren um die verfügbaren Flächen. Geld gibt es ja weiterhin für (fast) jede produzierte Kilowattstunde über die feste Einspeisevergütung - ganz gleich wie sehr sie in dem Moment benötigt wird. "Produce and forget" nennen Energiefachleute dieses Prinzip etwas abschätzig.

Bisher ist das gutgegangen. Auch bei heftigstem Orkan wurde noch nicht mehr Windstrom erzeugt als in Deutschland verbraucht wird. Allerdings fließt in solchen Stunden viel Strom für wenig Geld ins Ausland, weil unflexible Großkraftwerke weiterlaufen. Auch müssen Netzbetreiber Windparks dann oft zwangsabschalten. Doch die Kosten halten sich in Grenzen, und viele Hundert Kilometer neuer Trassen sind im Bau.

Netzwarte von Amprion: Mehr Windstrom, mehr Arbeit
Mit jedem neuen Windpark wachsen allerdings die Herausforderungen. Wenn es von der Nordsee auffrischt, drückt der Wind die Stromproduktion immer schneller in die Höhe. "Die Rampen werden steiler", heißt es im Fachjargon.

Neue Leitungen, flexiblere Kraftwerke, freiwilliges Zu- und Abschalten von großen Industriebetrieben - das sind nur einige Antworten auf die rasanten Änderungen im Stromsystem. Zudem zapfen die ersten Stadtwerke überschüssigen Ökostrom aus dem Netz, um damit Wasser für ihre Fernwärmesysteme zu erhitzen.

Als heiliger Gral zur Lösung der Probleme gelten Speicher, die aber noch teuer sind. Wann sie in großer Zahl benötigt werden, ist umstritten. Der Think Tank Agora Energiewende geht davon aus, dass der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland noch zehn bis 20 Jahre ohne neue Speicher auskommt.

Energiegroßspeicher in Magdeburg: Batterien sollen Schwankungen im Stromnetz vermindern
Doch gerade Batterien sind schon heute ökonomisch interessant, beispielsweise für Privathaushalte, Netzbetreiber und Energiedienstleister. Und dann sind da ja noch die Elektroautos, die ebenfalls überschüssigen Strom aufnehmen und wieder abgeben könnten. Intelligent kombiniert, könnten diese Speicher auch überschüssigen Windstrom aufnehmen.

Risikofaktor: Beherrschbar. Warnungen vor zu viel Ökostrom haben sich bisher meist als Panikmache erwiesen. Wenn Windenergie künftig noch billiger und im Überfluss vorhanden sein sollte, wird sich der Rest des Stromsystems darauf einstellen. Allerdings müssen die Windmüller sich dann auch zügig von der bedingungslosen Subventionierung verabschieden.

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