Donnerstag, 14. November 2019

Windenergie in der Kritik Die fünf größten Risiken der Himmelsstürmer

5. Teil: Wenn der Wind nicht weht: Der Gau der Rotorenbranche

Flaute: Der Wind weht in Deutschland schwächer als erwartet
Eine altbekannte Polemik gegen die Windenergie geht ungefähr so: "Und wenn der Wind mal nicht weht, gehen die Lichter aus." Das ist natürlich Unsinn - wie immer kommt es im Stromsystem darauf an, verschiedene Energiequellen (und Speicher) intelligent miteinander zu verknüpfen.

Völlig trivial ist die Sache mit dem Wind für die Windindustrie aber naturgemäß nicht. Denn trotz aller Subventionen gilt: Nur wenn es ordentlich weht, gibt es gutes Geld zu verdienen.

Allerdings hat es an kräftigem Wind in Deutschland zuletzt arg gemangelt. In den Jahren 2002 bis 2011 lagen die Windstromerlöse im Schnitt nur bei 86 Prozent der erwarteten Höhe, hat der Bundesverband Windenergie ermittelt. Und auch seither bläst der Wind etwa 5 bis 15 Prozent schwächer als im langjährigen Mittel, wie das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) feststellt.

Enttäuschte Hoffnung: Anbieter wie Prokon haben Investoren für die Windkraft begeistert - und dann nicht die versprochene Rendite geliefert. Eine Ursache: Schwache Windjahre
Die Flaute hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Anleger in den vergangenen Jahren deutlich weniger Geld verdient haben als erhofft. Statt 5 bis 10 Prozent betrug die Rendite laut BWE eher 2,5 Prozent. In vier von fünf geprüften Jahresabschlüssen lagen die Erlöse zwischen 2002 und 2011 unter den Versprechungen. In einigen Fällen verloren Anleger sogar große Teile ihres eingesetzten Kapitals.

Oft haben Fondsgesellschaften Investoren mit optimistischen Verkaufsprospekten in die Irre geführt. Und doch zeigen die ernüchternden Erfahrungen: Bis heute lässt sich kaum sicher vorhersagen, wieviel Strom die Windenergie über ein ganzes Jahr beitragen kann - das Wetter ist schlicht zu unberechenbar. Nicht auszuschließen ist zudem, dass ausgerechnet der Klimawandel, den die Windenergie abmildern soll, langjährige Windmuster ändert.

Risikofaktor: Branchenüblich. Externe Faktoren wie Wetter oder Rohstoffpreise gehören zum Geschäft der Energieindustrie. Das Risiko wird für die Windbranche aber umso größer, je stärker sich die Technik am Markt orientieren muss. Immerhin werden die Rotoren effizienter und beuten auch schwache Winde besser aus.

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