Mittwoch, 24. April 2019

Großbritanniens bizarre Atom-Pläne Das teuerste Kraftwerk seit es Elektronen gibt

Bestehendes Atomkraftwerk Hinkley Point: Der benachbarte Neubau soll mindestens 31 Milliarden Euro kosten.

3. Teil: Bei Atomausstieg werden 22 Milliarden Pfund für EdF fällig

Das Problem hatte sich bereits 2014 angedeutet, doch EdF baute weiter. Das macht nun alles womöglich nur noch schlimmer.

Die Kritik an Hinkley Point wächst derweil. "Diese Subventionen verschlagen einem den Atem", sagte Energie-Experte Dominic Whittome der "Times". "Die Regierung wusste nicht, was sie tat. Es ist der schlechteste Deal, den ich je gesehen habe."

Hinzu kommt noch ein weiterer Sicherheits-Fallschirm für EdF: Falls die britische Regierung das Atomkraftwerk von dem Jahr 2060 vom Netz nehmen sollte, hat der französische Konzern Kompensationszahlungen von bis zu 22 Milliarden Pfund zusichern lassen, wie der "Guardian" jüngst enthüllte.

Fundamentaler Umbruch in der Energiewirtschaft

Dabei ist die Energiewirtschaft mitten in einem fundamentalen Umbruch. Erneuerbare Energien werden rasant billiger, Speicher ebenfalls. Zudem digitalisiert sich die Branche, was die Kombination verschiedener Energieträger ermöglicht, so dass unflexible Großkraftwerke im Stil von Hinkley bald womöglich gar nicht mehr nötig sind.

Doch um die ökonomisch beste Zukunftslösung geht es London offenbar gar nicht unbedingt. "Die Regierung unterstützt den Bau des Atomkraftwerks mehr aus politischen, denn aus wirtschaftlichen Gründen", urteilt die "Financial Times".

Großbritanniens Premierminister David Cameron und Frankreichs Präsident François Hollande hallten trotz allem Ärger unbeirrt an ihrem Prestigeprojekt fest. Wenn das Vorhaben EdF zur Strecke zu bringen drohe, so Hollande, werde der französische Staat den Konzern eben mit frischem Kapital retten.

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