Sonntag, 21. April 2019

Großbritanniens bizarre Atom-Pläne Das teuerste Kraftwerk seit es Elektronen gibt

Bestehendes Atomkraftwerk Hinkley Point: Der benachbarte Neubau soll mindestens 31 Milliarden Euro kosten.

2. Teil: EdF-Finanzvorstand schmeißt hin - der Bau sei zu riskant

Der EdF-Vorstand hat sich über Hinkley Point tief zerstritten, Finanzchef Thomas Piquemal suchte Anfang März gar das Weite. Das englische Atomprojekt könne den Konzern in Existenznöte treiben, warnte er. Auch die Gewerkschaften fürchten, dass sich EdF an dem Projekt verhebt - trotz der Mega-Subventionen.

Indizien dafür, dass der Bau von Hinkley Point einem Himmelfahrtskommando gleicht, gibt es zuhauf. Vergleichbare Reaktoren in Finnland (Olkiluoto) und Frankreich (Flamanville) erweisen sich derzeit als gigantische Geldgräber.

Olkiluoto hat den Kostenrahmen (drei Milliarden Euro) um 5,2 Milliarden Euro überschritten und hinkt dem Zeitplan um neun Jahre hinterher. Flamanville hat zwar "nur" eine Verspätung von sechs Jahren, doch das Budget von 3,3 Milliarden Euro ist bereits um 7,2 Milliarden überschritten.

Der Knackpunkt ist die Sicherheit

Knackpunkt ist in beiden Fällen das Thema Sicherheit. Die Erbauer wollen und müssen beweisen, dass ihre Anlagen so widerstandsfähig sind wie keine andere Atomkraftwerke auf der Welt. Ansonsten würden Regierungen und Bevölkerungen dem Bau nicht zustimmen, nachdem in Tschernobyl und Fukushima zwei Meiler explodierten.

Ausgerechnet daheim in Flamanville hat EdF - zu 85 Prozent in Staatsbesitz - aber nur noch Ärger. Es drohen weitere, jahrelange Verzögerungen, wenn sich der verwendete Stahl als ungeeignet herausstellt. Genau dies befürchtet aber die französische Atom-Sicherheitsbehörde. "Es dauert sehr lange, die Komponenten noch einmal zu bauen", sagte der stellvertretende Behördenleiter, Julien Collet, der "Financial Times".

Seite 2 von 3

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung