Vom Fuselfelsen zur Insel der Glückseligen Windkraft macht Helgoland reich

Grün ist das Land, rot ist die Kant, weiß ist der Sand - das sind die Farben Helgoland (einem Gedicht zufolge). Schwarz sind neuerdings die Zahlen im Haushalt - dank Steuereinnahmen aus der Windkraft

Grün ist das Land, rot ist die Kant, weiß ist der Sand - das sind die Farben Helgoland (einem Gedicht zufolge). Schwarz sind neuerdings die Zahlen im Haushalt - dank Steuereinnahmen aus der Windkraft

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Helgoland und die Windkraft - das war bisher keine reine Erfolgsgeschichte: Viele Bewohner der Nordseeinsel ärgert, dass das größte Hotel auf Jahre von Offshore-Arbeitern besetzt ist. Zudem sind die neuen Windparks von der Insel aus bei klarem Wetter zu sehen, anders als von vielen erhofft.

Doch nun sieht es so aus, als könnten sich die Insulaner doch noch mit der Windenergie anfreunden. Denn es zeichnet sich ab, dass die Gewerbesteuereinnahmen der 1500-Einwohner-Gemeinde dank der Rotoren viel stärker steigen als erwartet.

Diese schnellen jüngsten Prognosen zufolge auf 15 Millionen Euro empor, wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet . Bevor die Energieunternehmen ihre Windkraftanlagen bauten, flossen lediglich 800.000 Euro pro Jahr in die Kassen.

Goldene Wasserhähne soll es nicht geben

Zuletzt sind jedoch gleich drei große Offshore-Parks ans Netz gegangen. Vor der Insel sind RWE, Eon und Wind MW (Blackstone) aktiv.

Aufgrund des starken Windes produzierten die Anlagen besonders viel Elektrizität, die mit festen Fördersätzen gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz bezahlt wird. Helgoland profitiert dem Bericht zufolge auch davon, dass die vor Sylt gelegenen Windparks (unter anderem von Vattenfall) ebenfalls steuerlich über die kleine Felseninsel abgerechnet werden.

Dank der sprudelnden Einnahmen hat Helgoland derzeit keine Haushaltssorgen mehr. Für 2015 rechnet die Gemeinde mit einem Überschuss von sechs Millionen Euro. Vor kurzem hatte sie noch ein Minus von drei Millionen Euro erwartet. Den Mehreinnahmen stehen indes höhere Abgaben an den Kreis Pinneberg und das Land Schleswig-Holstein entgegen.

Goldene Wasserhähne werde es auf Helgoland aber nicht geben, sagte Bürgermeister Jörg Singer dem "Abendblatt". Er baut mit dem zusätzlichen Geld vor allem die Verbindlichkeiten ab. Die Insel hatte sich stark verschuldet, um den Ausbau der Windkraft zu ermöglichen. So wurden die Hafenanlagen modernisiert.

Das habe sich gelohnt, sagt der Bürgermeister. "Die Wirtschaftskraft auf der Insel ist gestiegen", sagte Singer. Windkraft-Arbeiter aus ganz Europa lassen ihr Geld auf der Insel, die lange als "Fuselfelsen" verschrien war. Den Namen bekam Helgoland vor Jahrzehnten wegen der vielen Tagestouristen, die damals auf der Insel billige, weil zollfreie alkoholische Getränke kauften.

Dieses Image könnte die Insel jetzt endgültig abstreifen - der neuen Rolle als Energie-Standort sei Dank.