Preisexplosion bei Holzpellets Das müssen Sie beim Umstieg auf Holzpellets beachten

Durch die explodierenden Energiepreise werden Heizungen mit Holzpellets immer beliebter. Doch auch bei den Pellets gibt es enorme Preissteigerungen, Engpässe – und Betrugsmaschen. Zudem ist das Heizen mit Holzpellets aktuell nicht günstiger als Heizen mit Öl. Was Sie zum Thema Holzpellets wissen müssen.

Holzpellets werden in der Regel aus Hobel- und Sägespänen gepresst

Holzpellets werden in der Regel aus Hobel- und Sägespänen gepresst

Foto: Jens Büttner / dpa / picture alliance

Öl-Embargo gegen Russland, Lieferstopp durch die Gaspipeline Nord Stream 1 – die Nachrichten brachten Martin Bremker (53) ins Grübeln. Sein Leben lang hat er mit Gas geheizt. Nun erleben die Gaspreise in Deutschland einen rasanten Anstieg. Nahezu täglich ein neuer Rekordwert. Um im Winter dennoch heizen zu können, stieg Bremker auf die alternative Heizmethode mit Holzpellets um. Die Pellet-Zentralheizung kostete 35.000 Euro, die die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bezuschusst hat. Eine mächtige Investition: Sie war dreimal so teuer wie Öl- oder Gasheizungen.

Um Brennstoff für seine neue Heizung zu beschaffen, fuhr Bremker zum Baumarkt. Doch die Holzpellets waren ausverkauft. Auch im benachbarten Ort gab es keine mehr. Erst eine Woche später konnte er seine Heizung wirklich nutzen, da die Produkte erst dann nachgeliefert wurden. Er deckte sich mit einer großen Menge Pellets ein, um nicht so schnell wieder vor leeren Regalen stehen zu müssen.

Das ist kein Einzelfall. Viele Verbraucher steigen derzeit von Gas und Öl auf Holz um. Manche machen sogar extra dafür einen Kettensägeführerschein. Die Nachfrage danach ist bei der Dekra im ersten Halbjahr 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund ein Drittel gestiegen. Wer einen solchen Führerschein vorweisen kann und vom zuständigen Forstamt außerdem die Erlaubnis bekommen hat, einen gefällten Baum zu verwerten, kann seine Holz-Beschaffungskosten damit deutlich drücken.

Mit den aus Holzabfällen, also aus Hobel- und Sägespänen gepressten Pellets zu heizen, wird immer beliebter. 2021 gab es laut dem Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband 570.000 Pelletheizungen deutschlandweit. Die Brennholznachfrage bei den Förstereien, Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbesitzern explodiert", bestätigt der Bund Deutscher Forstleute (BDF). Die Tendenz: steigend.

Der Wunsch vieler Deutscher, beim Thema Heizen möglichst unabhängig von Gas und Öl zu sein, hat zu einer regelrechten Bonanza auf dem Holz- und Pellet-Markt geführt. Dies machen sich auch Betrüger zunutze: Kunden werden mittels vermeintlich günstiger Preise auf gefälschte Internetseiten geführt und dort um Vorkasse oder Anzahlung gebeten – für Brennholz, das es gar nicht gibt. Das Geld ist dann weg.

Preise und Nachfrage nach Pellets auf Rekordhoch gestiegen - Preisvorteil gegenüber Heizöl auf Null geschrumpft

Von günstigen Einkaufspreisen kann auch längst keine Rede mehr sein. Die Inflation hat auch den Rohstoff Holz erfasst. Die Pellet-Preise sind im August um 86 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Dies gab das Statistische Bundesamt am Donnerstag bekannt. Die Preise zogen damit mehr als zehnmal so stark an wie die Verbraucherpreise insgesamt.

Der Preis für Holzpellets lag im August bei rund 400 Euro pro Tonne, das entspricht umgerechnet einem Preis von 13,66 Cent je Kilowattstunde, wie das Deutsche Pelletinstitut (DEPI) ermittelt hat. Das sei im August noch ein Vorteil von rund zehn Prozent gegenüber Öl und von 20 Prozent gegenüber Gas gewesen. Doch seitdem ist der Pelletpreis weiter gestiegen, und zwar schneller als der Ölpreis.

Das Ergebnis: Im September ist der Preisvorteil von Pellets gegenüber Heizöl auf Null geschrumpft, wie aus Daten des DEPI hervorgeht. Heizen mit Holzpellets ist also aktuell nicht günstiger ist als das Heizen mit Heizöl - ein Novum. Das DEPI betont zwar, dass im langfristigen Durchschnitt Holzpellets immer noch einen deutlichen Preisvorteil gegenüber Öl und Gas böten. Doch das gilt nur dann, wenn der Pellet-Preis vom aktuellen September Rekordhoch wieder zurückkommt und nicht schneller steigt als der Ölpreis. Seit Juni ist der Preisvorteil von 40 Prozent auf Null zusammengeschmolzen.

Die Preisrallye hat laut DEPI verschiedene Ursachen. Zahlreiche Neukunden, die Öl- und Gasheizungen im Zuge energetischer Sanierungen durch Pellet-Heizungen ersetzt haben. Hinzu kommen Lieferengpässe sowie zusätzliche Engpässe, die durch Hamsterkäufe und das Horten großer Mengen an Pellets entstehen. Holz ist damit das neue Sonnenblumenöl: Die Unruhe an den Energiemärkten trifft den Pelletmarkt in nicht vorhersehbarem Ausmaß.

Das Heizen mit Holz ist besonders für Hausbesitzer interessant, die bereits über ein gut gedämmtes Haus verfügen. Für andere dürfte es wirtschaftlicher sein, zunächst in verbesserte Dämmung zu investieren, als von Gas auf Holz umzusteigen.

Auf lange Sicht müssten aber laut dem Geschäftsführer des Deutschen Energie- und Pelletverbands (DEPV), Martin Bentele, genügend Holzreste zur Verfügung stehen: "Holz ist ein nachwachsender und heimischer Rohstoff, dessen Vorrat in den deutschen Wäldern höher ist als in jedem anderen EU-Lan, sagt Bentele.

Die massiv gestiegene Nachfrage nach Holzpellets könnte aber zu einem weiteren Problem führen: "Wenn Pellets aus Abfallprodukten in den Sägewerken hergestellt werden, ist das in Ordnung. Nicht aber, wenn ganze Baumstämme direkt zu Pellets verarbeitet werden", sagt Stefan Materne vom Energieteam der Verbraucherzentrale. Wenn Pellets nicht mehr nur aus den Sägespänen bei der Holzverarbeitung gefertigt werden, sondern aus Übersee nach Deutschland geliefert werden oder wertvolle Holzstämme direkt zu Pellets verarbeitet werden, dann leide auch die Klimabilanz und der Ruf der Pellets als nachhaltiger Energieträger. Verbraucher sollten daher beim Kauf von Pellets nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Herkunft des Brennstoffes achten.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.