Heidelberg Materials Größter deutscher Zementhersteller warnt vor Werksschließungen

Die hohen Energiepreise treffen auch den Baustoffkonzern. Heidelberg Materials muss laut dem Konzernchef Werke schließen, wenn die Preise nicht sinken. Er erwartet für 2023 Zusatzkosten in Milliardenhöhe.
Bald womöglich knapper Baustoff: Der größte deutsche Zementkonzern kann sich die Produktion wegen hoher Energiepreise bald nicht mehr leisten

Bald womöglich knapper Baustoff: Der größte deutsche Zementkonzern kann sich die Produktion wegen hoher Energiepreise bald nicht mehr leisten

Foto: Uwe Anspach/ picture alliance

Die explodierenden Energiepreise drücken immer mehr deutsche Unternehmen an die Wand: Der Baustoffkonzern Heidelberg Materials warnt vor Werksschließungen in Deutschland, falls die Energiepreise dauerhaft so hoch bleiben. "Wenn der Strompreis nachhaltig nicht runterkommt, dann ist es schon so, dass wir auch in Deutschland das eine oder andere Werk komplett vom Netz nehmen würden. Darauf haben wir uns vorbereitet", sagte Konzernchef Dominik von Achten (56) am Dienstag in Heidelberg.

Er forderte eine zeitweise Deckelung der Gas- und Energiepreise, um der gegenwärtigen "Mega-Spekulation" zu begegnen. Finanzchef Rene Aldach (43) sagte, das Unternehmen rechne im laufenden Jahr mit einer Milliarde Euro an zusätzlichen Energiekosten. Im vergangenen Jahr habe der bisher als HeidelbergCement bekannte Konzern 2,1 Milliarden Euro für Energie ausgegeben.

Die Aussicht auf die Zusatzkosten in Milliardenhöhe und mögliche Werksschließungen vergrault die Anleger. Die Aktien des Baustoffkonzernes  fallen bei Lang & Schwarz um 1,5 Prozent und sind damit zweitgrößter Dax-Verlierer.

Zuvor hatte bereits der Mannheimer Biosprit-Hersteller Cropenergies angekündigt, die Stilllegung von Anlagen zu prüfen. Düngemittel- und AdBlue-Großproduzent SKW hatte eine Anlage kürzlich für rund drei Wochen stillgelegt und auch der zweitgrößte Stahlhersteller der Welt ArcelorMittal hatte Anfang September wegen der hohen Energiepreise an mehreren Standorten teilweise den Betrieb eingestellt .

Heidelberg Materials ist mit mehr als 51.000 Beschäftigten in über 50 Ländern nach eigenen Angaben einer der weltweit größten integrierten Hersteller von Baustoffen und -lösungen und Marktführer bei Zement, Zuschlagstoffen und Transportbeton. Die Produkte und Dienstleistungen werden beim Bau von Häusern, Infrastruktur, Gewerbe- und Industrieanlagen eingesetzt.

Als größter deutscher Zementkonzern muss das Unternehmen den grünen Umbau vorantreiben. Die Zementindustrie verursacht weltweit rund 8 Prozent aller Kohlendioxidemissionen. Nachhaltigkeit-Vorständin Nicola Kimm (51) will den Konzern künftig zum Vorreiter bei der Weiterentwicklung von Technologien zur Carbon Capture, Utilisation and Storage (CCUS) machen, bei denen CO₂ abgeschieden und eingelagert wird.

dri/Reuters
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