Putins Erfüllungsgehilfe Gazprom macht rund 42 Milliarden Euro Gewinn

Die stark gestiegenen Öl- und Gaspreise bescheren dem russischen Staatskonzern weiter Milliardengewinne. Gazprom-Chef und Putin-Scherge Alexei Miller eine Rekorddividende ausschütten – größter Nutznießer ist der russische Staat. Die Lieferung über die Pipeline Nord Stream 1 ist wie angekündigt unterbrochen.
Milliarden für den Staat: Gazprom-CEO Alexej Miller will seinem Freund Wladimir Putin finanziell unter die Arme greifen

Milliarden für den Staat: Gazprom-CEO Alexej Miller will seinem Freund Wladimir Putin finanziell unter die Arme greifen

Foto: Valery Sharifulin / IMAGO / ITAR-TASS

Der staatlich kontrollierte russische Gaskonzern Gazprom hat nach eigenen Angaben trotz der westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Krieges einen Rekordgewinn im ersten Halbjahr erwirtschaftet. Unter dem Strich stand ein Ergebnis von 2,5 Billionen Rubel (umgerechnet 41,63 Milliarden Euro), wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Zudem will Gazprom nun eine Zwischendividende zahlen. Die Aussicht auf die Ausschüttung ließ die Aktie um rund 30 Prozent auf 275 Rubel in die Höhe springen.

Im Juni hatten die Aktionäre von Gazprom auf der Hauptversammlung die Pläne zur Zahlung einer Rekorddividende auf der Grundlage der Ergebnisse von 2021 abgelehnt. Die Anzahl der Gegenstimmen entspricht dabei in etwa der Anzahl der Aktien, die der russische Staat am Konzern hält. Dadurch hat der Konzern erstmals seit 1998 die Aktionäre nicht bedient. Die Aktie brach daraufhin um mehr als 30 Prozent ein.

Ursprünglich sollten die Aktionäre für das abgelaufene Jahr 52,53 Rubel je Aktie erhalten. Das wäre die höchste Ausschüttung in der Firmengeschichte gewesen. Für das erste Halbjahr will Gazprom 51,03 Rubel pro Anteilsschein zahlen. Das wären rund 20 Milliarden Euro. Etwa die Hälfte davon geht an den russischen Staat, er besitzt gut 50 Prozent der Gazprom-Anteile. Die Aktionäre müssen dem Vorschlag am 30. September noch zustimmen.

2021 erzielte Gazprom dank kräftig gestiegener Preise für Öl und Gas einen Rekordgewinn von 2,09 Billionen Rubel (rund 27,5 Milliarden Euro). Gazprom hat nach den westlichen Sanktionen Gaslieferungen an mehrere EU-Länder beschränkt oder sogar gestoppt. Auch nach Deutschland hat der Konzern seine Lieferungen zurückgefahren.

Gaslieferung über Nord Stream 1 gestoppt

Am Mittwoch hat Gazprom wie angekündigt seine Gaslieferung über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 erneut vollständig gestoppt worden. Laut Website der Nord Stream AG floss in der Stunde von 3 bis 4 Uhr keine nennenswerte Menge mehr. Bereits in der Stunde davor war die Menge demnach gesunken.

Der Staatskonzern hatte zuvor mitgeteilt, dass die Lieferungen über die zuletzt wichtigste Route nach Deutschland für russisches Gas wegen Wartungsarbeiten vorübergehend eingestellt werden. Demnach sollen die Lieferungen am frühen Samstagmorgen wieder aufgenommen werden. Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller (51), hatte gesagt, die Wartungsarbeiten seien technisch nicht nachvollziehbar. Zuletzt kamen über die Pipeline nur noch etwa 20 Prozent der maximal möglichen Menge. Nach Aussage Gazproms gibt es auch dafür technische Gründe, was unter anderem die Bundesregierung anzweifelt.

Bereits im Juli war die Gaslieferung durch Nord Stream 1 mehrere Tage lang eingestellt worden – damals allerdings wegen alljährlicher Wartungsarbeiten, die die Nord Stream AG als Betreibergesellschaft langfristig angekündigt hatte.

mg/Reuters
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