Mehrkosten für Gas Gasumlage beträgt 2,4 Cent pro Kilowattstunde

Haushalte und Unternehmen müssen im kommenden Winter mehr für Gas bezahlen. Die Gasumlage ab Oktober beträgt rund 2,4 Cent pro Kilowattstunde. Eine vierköpfige Familie wird fast 500 Euro Mehrkosten im Jahr tragen müssen - ohne Mehrwertsteuer.
Heizen wird teuer: Die neue Gasumlage soll Zusatzkosten weiterreichen – von Importeuren über Stadtwerke bis hin zu Haushalten und Unternehmen

Heizen wird teuer: Die neue Gasumlage soll Zusatzkosten weiterreichen – von Importeuren über Stadtwerke bis hin zu Haushalten und Unternehmen

Foto: Christoph Hardt / Future Image / IMAGO

Auf Gaskunden in Deutschland kommen ab Herbst deutliche Mehrkosten zu. Die Höhe der staatlichen Gasumlage für alle Verbraucher wird bei 2,419 Cent pro Kilowattstunde liegen, wie die Firma Trading Hub Europe, ein Gemeinschaftsunternehmen der Gas-Fernleitungsnetzbetreiber, am Montag in Ratingen mitteilte.

Das Konsortium legte die Berechnung am Montag vor. Damit kämen auf einen vierköpfigen Durchschnittshaushalt mit 20.000 Kilowattstunden Verbrauch rund 480 Euro Mehrbelastung im Jahr zu - ohne Mehrwertsteuer. Die Bundesregierung will allerdings in Brüssel verhindern, dass diese Mehrwertsteuer fällig wird.

Die Mehrkosten für die deutsche Industrie berechnete das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) auf rund 5,7 Milliarden Euro. Am stärksten betroffen seien energieintensive Grundstoffindustrien, erklärte IW-Energieexperte Thilo Schaefer am Montag. "Weil hier besonders viel Gas benötigt wird, auch als Rohstoff, wird die Gasumlage dort am härtesten zu spüren sein." Dazu zählten etwa die Chemie- und Metallindustrie und die Hersteller und Verarbeiter von Glas, Keramik, Steinen und Erden. "Alleine diese drei Branchen tragen mehr als die Hälfte der Mehrkosten", so Schaefer. Die deutsche Stahlindustrie rechnet für ihre Branche mit Zusatzkosten in Höhe von 500 Millionen Euro jährlich, wie die Wirtschaftsvereinigung Stahl am Montag erklärte.

Immobilienunternehmen fordern finanzielle Unterstützung vom Staat

Der Verband der Wohnungs- und Immobilienunternehmen hat wegen der Gasumlage eine Unterstützung von finanziell stark belasteten Wohnungsunternehmen und Mieterhaushalten gefordert. "Durch die Gasumlage verschärft sich die finanzielle Belastung sowohl bei den sozial orientierten Wohnungsunternehmen als auch bei den Mieterhaushalten", erklärte der Präsident des Verbandes GdW, Axel Gedaschko, am Montag in Berlin. Die Umlage komme zu den ohnehin steigenden Gaspreisen noch hinzu. Zunächst seien die Wohnungsunternehmen unmittelbar betroffen. "Denn sie müssen die stark steigenden Kosten durch deutlich höhere Zahlungen an die Versorger jetzt schon vorfinanzieren." Einige sozial orientierte Wohnungsunternehmen brächten die hohen Vorauszahlungen bereits in akute finanzielle Schwierigkeiten.

Umlage wird Gaskunden mit zeitlichem Verzug treffen

Die Umlage soll Importeuren wie Uniper helfen, die unter der Reduzierung der Gasliefermengen aus Russland leiden. Um ihre Lieferverpflichtungen etwa gegenüber Stadtwerken zu erfüllen, müssen sie an der Börse zu hohen Preisen Ersatz kaufen. Das Wirtschaftsministerium war zuletzt von einer Spanne von 1,5 bis 5 Cent je Kilowattstunde ausgegangen. Die Umlage gilt ab Anfang Oktober. Sie werde aber nicht unmittelbar auf den Rechnungen sichtbar werden, sondern mit etwas Zeitverzug, so das Ministerium. Es gebe aus Verbraucherschutzgründen Ankündigungsfristen im Energiewirtschaftsgesetz von vier bis sechs Wochen, die eingehalten werden müssten. Daher werde die Umlage wahrscheinlich erstmals im November/Dezember auf den Rechnungen auftauchen.

Gas-Importeure können Mehrkosten weitergeben

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat die ohnehin angespannte Lage auf den Energiemärkten laut Wirtschaftsministerium drastisch verschärft. Russland habe seit Mitte Juni seine Gasimportmengen nach Deutschland in unberechenbarer Weise reduziert, damit eine künstliche Energieknappheit geschaffen und die Preise in die Höhe getrieben. Dieser "externe Schock" treffe Deutschland besonders, das bislang stark von günstigem Gas aus Russland abhängig war. Viele Gaslieferungen aus Russland, die bisher vertraglich zugesichert waren, fielen weg. Gasimporteure aber haben Lieferpflichten gegenüber ihren Kunden, vor allem gegenüber Stadtwerken. Die Importeure können diesen Lieferpflichten nur gerecht werden, indem sie am sogenannten Spotmarkt einkaufen. Die dadurch entstandenen Mehrkosten konnten sie nicht weitergegeben werden. Besonders der Importeur Uniper hat darunter gelitten, der Bund hat daher mit dem Unternehmen ein milliardenschweres Rettungspaket vereinbart.

Finanzminister Christian Lindner (43, FDP) hat auf EU-Ebene um eine Ausnahme gebeten, damit Deutschland auf die geplante staatliche Gasumlage keine Mehrwertsteuer erheben muss. Bundeskanzler Olaf Scholz (64, SPD) hatte den Bürgerinnen und Bürgern angesichts der stark gestiegenen Energiepreise zusätzliche Entlastungen zugesichert. Es werde niemand allein gelassen.

dri, rei/dpa-afxp, rtr
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