Gas nur gegen Rubel Gas-Kompromiss bleibt brüchig

Seit Freitag akzeptiert Russland Gaszahlungen nur noch in Rubel. Käufer wie Deutschland können weiterhin in Euro zahlen, doch die Gazprom-Tochter Gazprombank tauscht die Zahlungen umgehend in Rubel um. Wer die Risiken des Umtausches trägt, bleibt unklar. Und offen bleibt auch, ob der Gashahn in Kürze zugedreht wird.
Gas strömt weiter - vorerst: Am Freitag werden 108,4 Millionen Kubikmeter Gas durch das Leitungssystem gepumpt. Doch ob der Umtausch-Kompromiss trägt, ist fraglich

Gas strömt weiter - vorerst: Am Freitag werden 108,4 Millionen Kubikmeter Gas durch das Leitungssystem gepumpt. Doch ob der Umtausch-Kompromiss trägt, ist fraglich

Foto: Stefan Sauer / dpa

Der russische Diktator Wladimir Putin will sich Gaszahlungen seit heute nur noch in Rubel bezahlen lassen. Ein entsprechendes Dekret des Präsidenten trat am Freitag in Kraft. Europäische Gaskunden wie zum Beispiel die Bundesrepublik bestehen aber darauf, ihre Gasimporte wie vertraglich vereinbart weiterhin in Euro zu zahlen. Der bislang geltende Kompromiss sieht vor, dass die Gazprom-Tochter Gazprombank die erhaltene Euro-Zahlung umgehend in Rubel umtauscht und dann an Gazprom weiterleitet. Dieser Kompromiss sorgt dafür, dass die Gaslieferungen zunächst weitergehen: Am Freitag würden 108,4 Millionen Kubikmeter Gas durch das Leitungssystem gepumpt, sagte der Sprecher des Energieriesen Gazprom, Sergej Kuprijanow, der Agentur Interfax zufolge. Das entspricht fast der vertraglich möglichen maximalen Auslastung pro Tag.

Doch es blieb auch am Freitag offen, ob die Lösung mit der Gazprombank als Intermediär langfristig wirklich trägt. Die Bank ist bisher nicht von den westlichen Sanktionen betroffen. Die Bank konvertiert den Euro-Betrag in Rubel, kauft die Währung an der Moskauer Börse und überweist das Geld dann an Gazprom. Formal gehören die Rubel bis dahin dem westlichen Kunden. Unklar ist, ob durch die unterschiedlichen Wechselkurse sowie Konvertierung und Transaktionen Gebühren entstehen und wer diese gegebenenfalls bezahlt.

Analysten in Moskau gehen davon aus, dass das System erst im April und Mai zur vollen Wirkung kommt. Experten vermuten, dass durch das Dekret Putins eher die russische Währung Rubel gestützt werden soll, als dass den europäischen Kunden der Gashahn zugedreht wird. "Es ist eine Warnung Putins an den Westen, die Sanktionen nicht weiter zu verschärfen", erklärt Jeffrey Schott von der Denkfabrik Peterson Institute of International Economics.

Schließlich ist Gas Putins wichtigstes Druckmittel, da Europa auf die Lieferungen angewiesen ist. Allein Deutschland bezieht noch immer rund 40 Prozent seines Bedarfs aus Russland. Jedoch hat der Kreml-Chef wiederum auch keinen alternativen Markt, in den er sein Gas liefern könnte. Und mit den Einnahmen aus den Gaslieferungen finanziert er den Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Ein Ziel hat Putin damit jedenfalls schon erreicht: Der russische Rubel wurde durch sein Dekret und die diversen anderen Stabilisierungsmaßnahmen kräftig gestützt. Die Landeswährung verlor seit dem Einmarsch in die Ukraine im Vergleich zu Dollar und Euro fast die Hälfte an Wert. Inzwischen wurde der Rubelverfall nicht nur gestoppt, sondern die Verluste sogar fast vollständig wettgemacht.

Sollten die westlichen Bündnispartner den Rubel-Umtausch langfristig akzeptieren, tragen sie zur Stärkung der russischen Währung bei - und unterlaufen damit die Sanktionen, die sie selbst gegen Russland gerichtet haben. Die Glaubwürdigkeit der westlichen Staaten würde darunter leiden, Putin wäre ein weiterer Nadelstich gegen den Westen gelungen. Nach Einschätzungen einiger Beobachter sei es nun nur noch eine Frage der Zeit, bis der Westen seine Gasimporte aus Russland komplett einstellen muss.

mg/Reuters, dpa-afx