Russischer Versorger Gazprom hat ein Drittel mehr Gas als im Vorjahr geliefert

Seit Wochen wird dem russischen Versorger Gazprom vorgeworfen, er missbrauche seine Marktmacht, um die Gaspreise in die Höhe zu treiben. Nun hat das Unternehmen seine Lieferdaten veröffentlicht.
Umstrittene Pipeline Nord Stream 2: Wann die Gas-Pipeline von Russland nach Deutschland (im Bild die russische Verdichterstation in Slavyanskaya) in Betrieb geht, ist nach wie vor offen

Umstrittene Pipeline Nord Stream 2: Wann die Gas-Pipeline von Russland nach Deutschland (im Bild die russische Verdichterstation in Slavyanskaya) in Betrieb geht, ist nach wie vor offen

Foto: Peter Kovalev / imago images/ITAR-TASS

Der russische Energieriese Gazprom hat in den ersten neuneinhalb Monaten dieses Jahres nach eigener Aussage mehr Gas ins Ausland geliefert. Allein nach Deutschland sei die Menge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28,2 Prozent gestiegen, teilte das Unternehmen am Montag in St. Petersburg mit.

Insgesamt 152,2 Milliarden Kubikmeter Gas wurden demnach in Länder außerhalb der früheren Sowjetrepubliken exportiert. Das seien 17,6 Milliarden Kubikmeter (13,1 Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum.

Gazprom veröffentlichte seine Zahlen inmitten der Diskussion über stark gestiegene Gaspreise. Russland hatte zuletzt mehrfach Vorwürfe des Westens zurückgewiesen, es missbrauche seine Marktmacht, um die Preise in die Höhe zu treiben. Der Grünen-Co-Chef Robert Habeck (52) sagte am Sonntag in der ARD: "Wir sind abhängig von Russland, Russland drosselt die Gaszufuhr. Die Speicher sind nicht voll und die Nachfrage ist hoch."

Gas in Deutschland rund ein Drittel teurer als vor einem Jahr

Russland begründet die hohe Nachfrage nach Gas unter anderen mit dem vergangenen Winter, der kälter war als sonst, und der besser laufenden Konjunktur nach Einbrüchen wegen der Corona-Pandemie. Gazprom zufolge wurde von Januar bis Mitte September 16,6 Prozent mehr Gas für den russischen Markt bereitgestellt. Insgesamt seien in dem Zeitraum 399,4 Milliarden Kubikmeter Gas gefördert worden.

Die hohen Gaspreise sorgen seit Wochen für Schlagzeilen: So werden die Gaskosten für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Oktober in Deutschland nach Angaben des Vergleichsportals Verivox bei durchschnittlich 1402 Euro pro Jahr liegen – ein Plus von rund 28 Prozent binnen einem Jahr. In Großbritannien zogen die Gaspreise gar um bis zu 250 Prozent an.

Für die hohen Preissteigerungen gibt es mehrere Ursachen. In China beispielsweise boomt die Wirtschaft nach der Corona-Krise wieder, dafür wird viel Energie benötigt. Zudem war der Winter 2020/21 in der Tat ungewöhnlich kalt, was den Gasverbrauch in die Höhe trieb und die Speicher leerte.

mg/dpa-afx
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