Quartalsverlust Gamesa verhagelt Siemens Energy die Bilanz

Siemens Energy rutscht durch die schlechten Ergebnisse der Windkrafttochter Gamesa tief in die roten Zahlen. Vorstand Jochen Eickholt soll jetzt aufräumen bei der Tochter in Spanien. Doch wirklich durchgreifen kann die Mutter nicht.
Windturbinenblätter von Siemens Gamesa in Hull, Nordostengland

Windturbinenblätter von Siemens Gamesa in Hull, Nordostengland

Foto: PAUL ELLIS / AFP

Der Energietechnikkonzern Siemens Energy ist im ersten Quartal seines Geschäftsjahres wegen der Einbußen seiner spanischen Windenergietochter Siemens Gamesa in die roten Zahlen gerutscht. Von Oktober bis Ende Dezember habe Siemens Energy einen Nettoverlust von 240 Millionen Euro eingefahren, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Im Vorjahreszeitraum sei noch ein Gewinn von 99 Millionen Euro erzielt worden. Es bleibe aber dabei, dass der Konzern im Gesamtjahr sein Ergebnis deutlich verbessern werde. Siemens Energy hatte bereits im Januar nach einer erneuten Gewinnwarnung von Gamesa vorläufige Quartalszahlen vorgelegt und seine Umsatz- und Renditeerwartungen für das Geschäftsjahr 2022 eingedampft.

Während das Geschäft mit Gas- und Dampfkraftwerken deutlich zulegen konnte, fuhr Gamesa hohe Verluste ein. Die Tochter kämpft mit Lieferengpässen und steigenden Rohstoffkosten. Dies drückte das angepasste Ebita von Siemens Energy im Quartal ins Minus auf einen Fehlbetrag von 57 Millionen Euro.

Siemens-Energy-Chef Christian Bruch (52) schickt nun seinen bisherigen Vorstandskollegen Jochen Eickholt nach Spanien. Der 60-Jährige soll Anfang März den Chefposten bei Gamesa von Andreas Nauen übernehmen. Durchgreifen kann Bruch bei der Tochter nicht, da Siemens Energy nur rund zwei Drittel der Anteile hält. Insidern zufolge lotet Siemens Energy Möglichkeiten aus, um die restlichen Anteile zu erwerben.

Die Zuwächse von Gas und Power zeigten, dass die Sparte auf dem richtigen Weg sei, sagte Bruch am Mittwoch. Die erneute Gewinnwarnung von Gamesa sei dagegen ein Rückschlag und für alle Aktionäre enttäuschend. "Als Mehrheitsaktionär werden wir SGRE weiter dabei unterstützen, den Turnaround im Onshore-Geschäft auch in einem schwierigen Marktumfeld zu erreichen."

Die Lieferkettenproblematik ist nicht nur für Gamesa ein Bremsklotz. Der Konzern gehe von anhaltenden Beeinträchtigungen der globalen Lieferketten aus, hieß es. Auch die Corona-Pandemie sei weiter ein Unsicherheitsfaktor. "Deshalb können Engpässe bei Materialien und Komponenten und/oder fehlende Frachtkapazitäten weiterhin unsere Geschäftsaktivitäten belasten."

rei/Reuters