Streik bei Exxon und Total Frankreich will Raffinerie-Arbeiter zwangsverpflichten

In Frankreich herrscht Alarmstimmung für Autofahrer. Seit Tagen ist der Sprit knapp, weil Arbeiter von Raffinerien und Tanklagern streiken. Sie fordern 10 Prozent mehr Lohn. Jetzt hat die Regierung in Paris genug. Sie will das Personal zum Dienst verpflichten.
Im Streik: Mitarbeiter von Esso haben an den Tanklagern des Energiekonzerns ihre Arbeit niedergelegt, sodass der Sprit im Land knapp geworden ist

Im Streik: Mitarbeiter von Esso haben an den Tanklagern des Energiekonzerns ihre Arbeit niedergelegt, sodass der Sprit im Land knapp geworden ist

Foto: NICOLAS TUCAT / AFP

Seit Tagen ist der Sprit in Frankreich knapp, weil Arbeiter an französischen Raffinerien und Tanklagern streiken. Jetzt will Frankreichs Regierung hart durchgreifen und Personal zum Dienst verpflichten. Premierministerin Élisabeth Borne (61) sagte am Dienstagnachmittag in der Nationalversammlung, sie habe die zuständigen lokalen Behörden um ein Verfahren gebeten, um notwendiges Personal an den Lagerstätten vom Unternehmen Exxon zum Dienst zu verpflichten. Die Aktie  von Exxon gab am Dienstag leicht nach.

Bei dem Konzern hatte es am Montagabend im Lohnstreit eine Einigung mit einem Teil der Gewerkschaften gegeben. Die anderen Gewerkschaften hatten erneut zum Streik aufgerufen. Auch bei Total streikten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kampf um einen höheren Lohn am Dienstag weiter.

Mit Blick auf den Energiekonzern TotalEnergies mahnte Borne zu weiteren Verhandlungen. Die Gewerkschaft CGT fordert 10 Prozent mehr Gehalt von dem Energieunternehmen, das im ersten Halbjahr 2022 einen Gewinn von 10,6 Milliarden Dollar eingefahren hatte.

"Die Situation ist für unsere Mitbürger (...) schwierig und an manchen Orten sogar unerträglich", sagte Borne. An Frankreichs Zapfsäulen ist der Sprit angesichts seit Tagen anhaltender Streiks an Raffinerien örtlich knapp, teils gibt es lange Schlangen. Bei fast einem Drittel der Tankstellen fehlte am Montagabend mindestens ein Kraftstoff, wie Energieministerin Agnès Pannier-Runacher (48) dem Sender France Info sagte.

Sie appellierte an die Autofahrerinnen und Autofahrer, keine Kanister aufzufüllen. Dadurch werde die Knappheit noch weiter verstärkt. In mehreren Départements wurde eine Abgabe-Höchstgrenze von 30 Litern Treibstoff verhängt. Eine Krankenschwestern-Gewerkschaft forderte, bevorzugt mit Benzin versorgt zu werden. Etwa 45 Prozent der Franzosen haben einer Umfrage zufolge keinen ausreichenden Zugang zu öffentlichen Transportmitteln. Auf dem Land beträgt der Anteil bis zu 70 Prozent.

dri/dpa-afxp, afp

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