Energiekrise Frankreich würde zuerst Energie für Unternehmen rationieren

Auch in Frankreich spitzt sich die Energiekrise zu. Etwa die Hälfte der für die Stromerzeugung im Land zentralen Atomreaktoren ist ausgefallen. Nun könnte es zur Rationierung von Energie für Unternehmen kommen.
Fordert Energiesparpläne von Unternehmen: Frankreichs Premierministerin Élisabeth Borne

Fordert Energiesparpläne von Unternehmen: Frankreichs Premierministerin Élisabeth Borne

Foto: LUDOVIC MARIN / AFP

Frankreichs Regierungschefin Élisabeth Borne (61) hat Unternehmen im Land vor Energiekürzungen gewarnt. "Sollten wir zu einer Rationierung kommen, wären Unternehmen die ersten Betroffenen", sagte Borne am Montag in Paris bei einem Treffen des Arbeitgeberverbands Medef. Darauf müsse man sich leider vorbereiten.

Die Premierministerin rief die Betriebe auf, im September eigene Energiesparpläne zu erstellen. "Wenn wir gemeinsam handeln, können wir das Risiko der Knappheit überwinden. Aber wenn nicht jeder seinen Teil beiträgt oder alle ungünstigen Hypothesen eintreten, wären wir veranlasst, Senkungen des Verbrauchs aufzuerlegen."

Bereits Mitte Juli hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (44) einen Plan zum Energiesparen angekündigt. Die Regierung will, dass die öffentliche Verwaltung und Betriebe mit gutem Beispiel vorangehen. Auch die Bevölkerung ist angehalten, ihren Energieverbrauch zu senken.

Sorgen vor Energieknappheit im Winter kommen auch daher, dass derzeit nur etwa die Hälfte der für die Stromerzeugung 56 französischen Atomkraftwerke in Betrieb sind. Einerseits geht es hier um geplante Instandsetzungsarbeiten, von denen wegen der Corona-Pandemie zuvor einige verschoben werden mussten. Andererseits sind auch Meiler außer Betrieb, weil dort Untersuchungen zur Bildung von Rissen laufen, nachdem der Stromkonzern EDF zu Jahresbeginn Mängel festgestellt hatte.

Renaissance der Atomkraft auf der Kippe?

EDF musste angesichts der außer Betrieb genommenen Meiler seine voraussichtliche Stromproduktion für dieses Jahr bereits nach unten korrigieren. Voraussichtlich werden in diesem Jahr den Angaben nach etwa 280 bis 300 Terawattstunden produziert. Wenn alle Kraftwerke laufen, liegt die Kapazität bei 430 Terawattstunden.

Grundsätzlich hatte Frankreich eine Renaissance der Atomkraft mit dem Bau von acht neuen Kraftwerken bis 2050 geplant. Der Stromkonzern EDF soll in diesem Zuge wieder komplett verstaatlicht werden. Zugleich sollen aber auch erneuerbare Energien ausgebaut werden.

hr/dpa-afx

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