Pleitewelle in der US-Ölindustrie beschleunigt sich Fracking-Land ist abgebrannt

Brennende Ölquelle in Wyoming: Das Wachstum der US-Fracking-Industrie ist außer Kontrolle geraten

Brennende Ölquelle in Wyoming: Das Wachstum der US-Fracking-Industrie ist außer Kontrolle geraten

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Der Öl- und Gasbranche in den USA geht es nicht eben prächtig. Doch zum Auftakt des wohl wichtigsten Branchentreffs in Houston, der Cera-Week, gab es erst mal gute Nachrichten. Bald könnte der Ölpreis wieder steigen, erklärte die Internationale Energie-Agentur (IEA).

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Nun ja, in fünf Jahren vielleicht, schränkte IEA-Chef Fatih Birol ein. Und das auch nur, wenn die Umstände es tatsächlich zulassen: Die Weltwirtschaft muss brummen und die Fördermengen dürfen nicht zu stark steigen. Und, und, und. Immerhin: Schon im kommenden Jahr ist die Talsohle laut Birol erreicht. "Dann sollte der Markt beginnen, sich wieder auszubalancieren."

Die vage Hoffnung auf Besserung kann allerdings nicht wirklich darüber hinwegtäuschen, wie dramatisch es derzeit um die Öl- und Gasindustrie bestellt ist, nicht zuletzt in den USA. Beinahe im Wochenrhythmus rutschen Firmen in die Pleite.

Konzerne reagieren mit Massenentlassungen

Konzerne, die auf dem Gebiet tätig sind, reagieren mit Massenentlassungen, wie zuletzt Schlumberger. Das Unternehmen hat 2015 25.000 Stellen abgebaut und damit jeden vierten Job.

Es ist nicht mehr viel geblieben von all der Herrlichkeit, die die Fracking-Industrie erschaffen hat. Pioniere wie George Mitchell - früher Verfechter der horizontalen Bohrung - und Harold Hamm - Gründer und Chef der Ölfirma Continental Resources - hatten der amerikanischen Öl- und Gasindustrie in den vergangenen sechs, sieben Jahren zu einem Comeback verholfen, das kaum jemand für möglich gehalten hätte.

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Landauf, landab erschlossen vor allem kleine Firmen Ölquellen, die zuvor als unwirtschaftlich galten. Fortschritte beim Hydraulic Fracturing (kurz: Fracking) senkten die Erschließungskosten. Der über lange Zeit hohe Ölpreis von um die 100 Dollar pro Fass tat sein übriges, um die Fracking-Industrie voranzutreiben.

Finanzierungsexperte: "Wir gehen davon aus, dass alles nur noch schlimmer wird"

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Auf diese Weise gelang es den USA, den rückläufigen Trend bei der Öl- und Gasproduktion umzukehren. Zunächst wurden die Vereinigten Staaten Selbstversorger beim Erdgas.

Und dank einer stark steigenden Förderung stieg das Land wieder zu einem der größten Ölproduzenten der Welt auf, auf Augenhöhe mit Saudi-Arabien und Russland.

Doch die Amerikaner wurden offenbar auch Opfer ihres eigenen Erfolges. Sie trugen erheblich zum Überangebot bei, das den Ölpreis auf zeitweise unter 30 Dollar pro Fass drückte.

Wert der Ölfelder verliert drastisch an Wert

Eine Zeitlang konnten sich viele Firmen mit Effizienzmaßnahmen über die Runden retten und die Banken hinhalten. Doch nun verlieren Geldgeber nach und nach die Geduld. Mindestens 67 US-Öl- und Gasfirmen haben 2015 Insolvenz angemeldet. Laut der Beratungsfirma Gavin/Solmonese waren dies 379 Prozent mehr als 2014 .

Und mit einem Insolvenzverfahren ist noch lange nicht alles gut, wie der Fall Quicksilver Resources zeigt. Nach zehn Monaten schlugen die Verwalter die Förderstätten der hochverschuldeten Rohstofffirma für 245 Millionen Dollar los. Der Preis betrug damit nur ein Fünftel des Betrages, den die Firma zum Zeitpunkt der Pleite selbst in ihren Büchern angesetzt hatte.

"Die Lage sieht ziemlich mies aus", sagte Energie-Finanzierungsexperte Buddy Clark von der Kanzlei Haynes and Boone aus Houston gegenüber dem US-Sender CNN. "Und wir gehen davon aus, dass alles nur noch schlimmer wird."

Der unerschütterliche Optimismus von Siemens-Chef Joe Kaeser

Etwa 175 US-Ölfirmen - jede dritte - könnte in diesem Jahr in die Pleite schlittern, erwartet die Unternehmensberatung Deloitte . Die betroffenen Firmen vereinen 150 Milliarden Dollar Schulden auf sich.

Ganze Regionen wie North Dakota oder eben Texas leiden schon jetzt unter der geplatzten Blase. Arbeitersiedlungen mutieren zu Geisterstädten, Immobilienpreise fallen.

Angesichts solcher Dimensionen warnen manche Beobachter bereits vor Gefahren einer Schuldenkrise im Rohstoffsektor  - ausgelöst durch den Ölpreisverfall. Ein Drittel der Hochzinsanleihen stammten aus dem Rohstoffsektor, sagt Blackrock-Chefstratege Jeffrey Rosenberg. "Je länger die Phase der Unsicherheit andauert, desto größer ist das Potenzial dafür, dass der Ölpreisverfall die allgemeine Wirtschaft mit hinunter zieht."

Dresser-Rand-Kauf zum ungünstigsten Zeitpunkt

In Deutschland scheint das Thema relativ weit weg. Dabei spürt Siemens-Chef Joe Kaeser die Auswirkungen der Krise wie kaum ein zweiter. Vor anderthalb Jahren kaufte der Münchener Technologiekonzern den US-Ölfeldausrüster Dresser Rand für sagenhafte sieben Milliarden Euro, Kaesers erster großer Deal. Damals war der Ölpreis noch nicht abgestürzt. Inzwischen ist der Gewinn bei Dresser erodiert, das Unternehmen muss ebenfalls Stellen streichen.

Auch in diesem Jahr will Kaeser wieder bei der Cera-Week in Houston reden. Ob er noch so optimistisch ist wie vor einem Jahr? "Mein Bauchgefühl sagt mir, dass der Preis wieder über 85 Dollar liegen wird, wenn wir die Integration von Dresser-Rand abgeschlossen haben", gab sich Kaeser hoffnungsvoll und redete damit offenbar über das Jahr 2019. Dann will Siemens die vollen Synergien aus dem Deal heben.

In drei Jahren wäre demnach in der Ölindustrie alles wieder gut. So zuversichtlich ist allerdings noch nicht einmal IEA-Chef Fatih Birol, der Überbringer der guten Nachricht von Houston.

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