Exxon und Chevron mit Verlusten Die schwarze Woche der Ölindustrie

Die Pandemie hat den Ölpreis einbrechen lassen. Nach BP melden nun auch die US-Riesen ExxonMobil und Chevron Verluste. Total erleidet einen Gewinneinbruch. Und Besserung ist kaum in Sicht.
Horrorjahr: Die globale Ölindustrie – hier eine Raffinerie von ExxonMobil – leidet unter der Pandemie

Horrorjahr: Die globale Ölindustrie – hier eine Raffinerie von ExxonMobil – leidet unter der Pandemie

Foto: Gerald Herbert/ AP

Mit desaströsen Geschäftszahlen beenden die beiden größten US-Ölmultis eine schwarze Woche für die globale Ölindustrie. Im dritten Quartal erlitten ExxonMobil und Chevron hohe Verluste und mussten weitere heftige Geschäftseinbußen verkraften. US-Branchenführer Exxon verfehlte in den drei Monaten bis Ende September mit minus 680 Millionen US-Dollar (582 Mio Euro) abermals deutlich die Gewinnzone, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Vor einem Jahr hatte Exxon noch 3,2 Milliarden Dollar verdient, doch seit der Corona-Krise macht der texanische Konzern nur noch Minus – es war bereits der dritte Quartalsverlust in Folge. Und die weiteren Aussichten sind eher düster.

Die Auswirkungen der Pandemie reißen die gesamte Ölbranche mit sich. Auch Chevron, die Nummer zwei in den USA, meldete am Freitag Verluste, der französische Total-Konzern einen Gewinneinbruch um mehr als 90 Prozent. Der britische Riese BP hatte bereits im Laufe der Woche Zahlen vorgelegt – und nach dem Rekordverlust im zweiten Quartal abermals ein Minus vermeldet. Rivale Shell schaffte es zwar, nach einem Milliardenverlust im abgelaufenen Quartal wieder einen kleinen Gewinn zu schreiben – der betrug allerdings nur ein Bruchteil von dem, was vor der Krise üblich war.

Der teils drastische Einbruch der Wirtschaft in fast allen Volkswirtschaften der Welt drückt massiv auf die Nachfrage. Die Folge: Der Ölpreis ist seit Jahresbeginn um fast die Hälfte eingebrochen. Zwar hatte er sich zuletzt seit dem Kollaps im April wieder erholt. Doch angesichts der steigenden Infektionszahlen in Europa und den USA gehen Marktbeobachter inzwischen von einem weiteren Nachfrageschock in Europa aus. "Es wird klar, jetzt da Europa in die zweite Welle schlittert, dass die Erholung nicht so linear verlaufen wird, wie der Markt es eingepreist hat", erklärt etwa Rohstoffanalyst Jeffrey Halley vom Analysehaus Oanda.

Die Folgen für die Konzerne sind deutlich. Auch wenn sich die Nachfrage nach Öl zuletzt ein Stück weit erholt habe, leide die Weltwirtschaft weiter stark unter den Folgen der Pandemie, sagte auch Exxon-Konzernchef Darren Woods (55). Exxons Umsatz ging im Jahresvergleich um 29 Prozent auf 46,2 Milliarden zurück. Zudem warnte das Unternehmen vor möglichen Abschreibungen im Volumen von 25 bis 30 Milliarden Dollar. Im Gasgeschäft bestehe die Gefahr einer erheblichen Korrektur von Vermögenswerten. Der Konzern kündigte an, zwar weiter eine Dividende zu zahlen – erstmals seit 1982 dabei aber auf eine Erhöhung zu verzichten. Bei den Anlegern kam das nicht gut an. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um mehr als 50 Prozent gesunken.

Angesichts der schwierigen Lage will Woods außerdem weiter die Kosten reduzieren. Die Investitionen in Ausrüstung sowie Erkundungs- und Förderprojekte wurden im bisherigen Jahresverlauf um 6 Milliarden auf 16,6 Milliarden Dollar gekürzt. Im kommenden Jahr sollen sie von ursprünglich geplanten 23 Milliarden Dollar auf 16 bis 19 Milliarden sinken. Am Vortag erst hatte Exxon den Abbau von rund 1900 US-Jobs angekündigt und gewarnt, dass die weltweite Mitarbeiterzahl bis Ende 2022 um rund 15 Prozent reduziert werden könnte. Der Konzern hatte Ende 2019 inklusive freier Angestellter etwa 88.000 Beschäftigte.

Ähnlich hart erwischte es den zweitgrößten US-Ölkonzern Chevron. Dort fiel im vergangenen Quartal ein Minus von 207 Millionen Dollar an. Zum Vergleich: Vor einem Jahr hatte noch ein Nettogewinn von 2,6 Milliarden Dollar zu Buche gestanden. Insgesamt brachen die Erlöse um gut 30 Prozent auf 24,5 Milliarden Dollar ein. Auch Chevron stemmt sich mit drastischen Kostensenkungen gegen die Krise – die Ausrüstungsinvestitionen gingen um 48 und die Betriebsausgaben um 12 Prozent zurück. Der Konzern ist dabei, 10 bis 15 Prozent seiner 45.000 Mitarbeiter zu entlassen.

Bereits im Laufe der Woche hatten die europäischen Riesen BP und Shell ihre Zahlen vorgelegt. BP meldete dabei nach den sagenhaften 16,8 Milliarden Dollar Rekordverlust im zweiten Quartal auch dieses Mal ein Minus: Unterm Strich blieben 450 Millionen US-Dollar Nettoverlust. Bei Shell blieb nach einem Milliardenverlust im Vorquartal zwar ein Gewinn von 955 Millionen Dollar, das war jedoch immer noch 80 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die gesunkene Nachfrage nach Öl in Folge der weltweiten Wirtschaftskrise machen auch dem französischen Konzern zu schaffen. Der Nettogewinn brach im dritten Quartal um 93 Prozent auf 202 Millionen Dollar ein, wie Total am Freitag mitteilte. Total schraubt die Investitionsziele nach unten, um die Belastungen aus der Corona-Krise abzufedern. 2020 sollen nur 13 Milliarden Dollar investiert werden, eine Milliarde weniger als geplant.

lhy/Reuters, dpa
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