Schwere Vorwürfe gegen Ölriesen Exxon prognostizierte Klimawandel präziser als die Nasa

Der Ölkonzern ExxonMobil wusste schon sehr lange von der Bedrohung durch die globale Erderwärmung – und hat die Gefahren dennoch jahrelang heruntergespielt. Dabei waren die unternehmensinternen Prognosen sogar präziser als die der Nasa, wie eine Studie nun herausfand.
Geheimhaltung: Bereits 2019 protestierten Aktivisten in New York, weil ExxonMobile die Öffentlichkeit getäuscht haben soll

Geheimhaltung: Bereits 2019 protestierten Aktivisten in New York, weil ExxonMobile die Öffentlichkeit getäuscht haben soll

Foto: Justin Lane/ EPA-EFE/ REX

Klimaforscher der Harvard University und des Potsdam-Instituts für Klimaforschung (PIK) machen dem Ölkonzern ExxonMobil schwere Vorwürfe. Das US-Unternehmen habe die globale Erderwärmung als Folge des Ausstoßes von Treibhausgasen seit Ende der 1970er Jahre genau vorhergesagt, schreiben die Forscher in einem Artikel  im Fachjournal "Science". Zugleich habe das Unternehmen diesen Zusammenhang jahrzehntelang systematisch heruntergespielt.

Dass Exxon, seit 2017 geleitet von Darren Woods (57), schon lange von der Bedrohung durch die globale Erwärmung wusste, war bereits grundsätzlich bekannt. Die Klimaforscher werteten nun die dem Unternehmen intern vorliegenden Daten und darauf basierenden Prognosen von 1977 bis 2003 aus – das Ergebnis nannten sie "verblüffend".

Die Exxon-Experten waren der Klimaforschung offenbar weit voraus: "Wir stellen fest, dass die meisten ihrer Projektionen eine Erwärmung vorhersagen, die mit späteren Beobachtungen übereinstimmt", heißt es in dem Bericht. "Ihre Vorhersagen stimmten auch mit denen unabhängiger akademischer und staatlicher Modelle überein und waren mindestens so gut wie diese."

Prognosen weitreichender als vom Pionier der Klimaforscher

Die Prognosen waren demnach deutlich besser als die, die der Nasa-Wissenschaftlers James Hansen (81) 1988 dem US-Kongress vorlegte. Hansen gilt als Pionier der modernen Klimaforschung und warnte in den 1980er Jahren als einer der ersten vor den Gefahren der globalen Erwärmung.

"Eine Exxon-Projektion sagte sogar schon 1977 korrekt voraus, dass die Nutzung fossiler Brennstoffe ein 'kohlendioxidinduziertes Superinterglazial' verursachen würde", erklärte Stefan Rahmstorf vom PIK, Co-Autor der Studie. "Das ist eine Warmzeit, die nicht nur viel wärmer ist als alles in der Geschichte der menschlichen Zivilisation, sondern sogar wärmer als die letzte Warmzeit vor 125.000 Jahren."

Die Analysen von Exxon hätten auch "genau vorausgesagt, wann die vom Menschen verursachte globale Erwärmung zum ersten Mal in den Messdaten festgestellt werden würde". Sie berechneten demnach sogar recht präzise ein "Kohlenstoffbudget" für eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad.

Exxon soll eigenen Erkenntnissen widersprochen haben

In öffentlichen Erklärungen habe das Unternehmen "seinen eigenen wissenschaftlichen Daten" jedoch systematisch widersprochen, kritisieren die Forscher. ExxonMobil habe "Unsicherheiten übertrieben, Klimamodelle kritisiert, den Mythos globaler Abkühlung verbreitet und Unwissenheit darüber vorgetäuscht, wann – oder ob – die vom Menschen verursachte globale Erwärmung messbar sein würde", erklärte der Hauptautor der Studie, Geoffrey Supran von der Harvard University.

Heute ist der Klimawandel bereits so weit fortgeschritten, dass Forscher die Erde eindeutig auf dem Weg zu der zuvor genannten Rekordwarmzeit sehen – mit all ihren katastrophalen Folgen. ExxonMobil könne daher mit Recht der "bewussten Klimavergehen" beschuldigt werden, schloss Supran.

dri/afp

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