Montag, 22. April 2019

Knapp am Total-Stromausfall vorbeigeschrammt Europas Stromnetz stand kurz vor Blackout

Vergangene Woche drohte europaweiter Blackout

Europa scheint in der vergangenen Woche nur knapp einem kompletten Stromausfall entgangen zu sein. Wie nun bekannt wurde, meldete die Energie-Regulierungskommission (CRE)am vergangenen Wochenende, dass am Donnerstag, den 10. Januar um 21 Uhr die Stromfrequenz in Europas Stromnetz auf deutlich unter 50 Hertz abgesunken war, dem europäischen Standardwert. Liegt die Frequenz unter 50 Hertz müsse mit erheblichen Einschnitten gerechnet werden bis hin zum Blackout, schreibt die Behörde, die über das europäische Stromnetz wacht, in einer Pressemitteilung.

Laut Telepolis bezieht sich die CRE auf den französischen Übertragungsnetzbetreiber RTE, der am Donnerstag um 21.02 Uhr alle industriellen Großverbraucher aufgefordert hatte, ihren Stromverbrauch unter 1500 Megawatt zu drosseln. Die CRE bedankte sich in ihrer Mitteilung bei den Produzenten. Dank deren Reaktionsfähigkeit hätten sie dazu beigetragen, die Stromversorgung in Frankreich und ganz Europa zu gewährleisten.

RTE ist zusammen mit seinen europäischen Partnern dafür verantwortlich, ein Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und -verbrauch herzustellen. Die CRE forderte das Unternehmen nun auf, nach den Ursachen für den Abfall der Stromversorgung zu suchen.

Laut der österreichischen Zeitung "Der Standard" lag die Stromnetzfrequenz an dem besagten Donnerstag bei 49,8 Hertz.Dem Blatt zufolge löste laut dem österreichischen Übertragungsnetzbetreiber APG "ein Datenfehler an einem Netzregler" im Gebiet des deutschen Unternehmens TenneT den Störfall aus. TenneT betreibt das komplette Hochspannungsübertragungsnetz in den Niederlanden und einen großen Teil des Stromnetzes in Deutschlands. Auch in Deutschland reagierten die Stromproduzenten. Laut RWE ließ das Unternehmen an dem besagten Abend zwei Pumpspeicherkraftwerke in Herdecke und Vianden (Luxemburg) unvermittelt anlaufen, nachdem der Frequenzabfall bemerkt wurde.

In einer Pressemitteilung von RWE heißt es, der rasche Lastabwurf in Frankreich habe in Kombination mit der raschen Einspeisung aus den beiden Pumpspeicherkraftwerken den gewünschten Effekt erzielt. Gegen 22:30 Uhr hätte die Netzfrequenz wieder bei 50 Herz gelegen. Die Suche nach den Ursachen des plötzlichen Frequenzabfalls liefe seitdem europaweit.

Zuvor hatte ein Experte dem "Standard" zufolge vermutet, dass der Stromhandel mit einer Verkettung unglücklicher Umstände den Beinah-Zusammenbruch verursacht haben könnte. So gingen Kraftwerke manchmal zu früh vom Netz, während andere sich zu langsam aufschalteten. Dann käme beispielsweise ein unvorhergesehener Kraftwerksausfall - wie in der vergangenen Woche in Spanien - hinzu und die Stromversorgung trenne nicht mehr viel vom Blackout, der bei 48 Hertz einsetzt.

Laut dem Experten scheine zwar zwischen 49,8 und 48 Hertz noch eine ausreichende Spanne zu liegen, da jedoch die Kurve exponentiell verlaufe, könne es innerhalb weniger Sekunden zum Komplettausfall kommen.


Lesen Sie auch:
Warum das Elektroauto ein Feind der Energiewende ist
Volkswagen will Öko-Stromanbieter für Elektroautos werden



"Telepolis" erinnerte derweil daran, dass es zuletzt in Frankreich im Jahr 2017 zu einer brenzlichen Situation kam, als eine Kältewelle den Stromverbrauch auf Rekordhöhen jagte und dem Land und damit auch dem europäischen Netz ein Blackout drohte. Vor gut 12 Jahren mussten sogar schon einmal circa 10 Millionen Haushalte in Frankreich vom Netz genommen werden, um einen Totalzusammenbruch der Stromversorgung zu verhindern. Dieses Mal scheinen die industriellen Produzenten sowie die Stromproduzenten offenbar Schlimmeres verhindert zu haben.

Update am 24.1.2019

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung