Jenseits der Sanktionen Milliarden-Deals trotz Krim-Krise
Russisches Gas für Europa: Das Gas-Pipeline-Projekt South-Stream kommt mit großen Schritten voran
Foto: Petr David Josek/ ASSOCIATED PRESSHamburg - Während die Politik in Europa zu Wochenbeginn im Krim-Konflikt mit ersten Sanktionen gegen Russland härtere Saiten aufzieht, zeigen sich Unternehmen davon noch vergleichsweise unbeeindruckt - vorerst jedenfalls.
So steigt mitten in der Krim-Krise der russische Öl-Riese Rosneft mit 13 Prozent beim italienischen Reifenhersteller Pirelli ein - und wird damit zum wichtigsten Aktionär. Nach Informationen einer mit der Angelegenheit vertrauten Person zahlt der russische Branchenprimus mehr als 500 Millionen Euro in bar und übernimmt zusätzlich Schulden in Höhe von rund 250 Millionen.
Die italienischen Banken Intesa und Unicredit, die ebenfalls zu den neuen Eignern zählen, machten den Deal am Montag öffentlich. Demnach hält Rosneft die Hälfte an einer neuen Dachgesellschaft, der 26,2 Prozent an Pirelli gehören. Weiterer Holdinggesellschafter ist neben den beiden Geldhäusern eine Investmentfirma des Pirelli-Verwaltungsratsvorsitzenden Marco Tronchetti Provera.
Intesa teilte mit, Rosneft solle Pirelli unter anderem dabei helfen, die Geschäfte in Russland zu stärken. Dort hatte der Reifenproduzent zuletzt mit Problemen zu kämpfen. Das Land ist für ihn ein wichtiger Wachstumsmarkt.
Milliardenschwere Gas-Pipeline für russisches Gas kommt voran
Die Transaktion ist die dritte große russischer Investoren in Westeuropa binnen weniger Tage. Erst am Sonntag hatte der Energieversorger RWE den Verkauf seiner Öl- und Gasfördertochter Dea für gut fünf Milliarden Euro einschließlich Schulden an eine Käufergruppe unter der Führung eines russischen Milliardärs angekündigt.
Weder Pirelli noch RWE gingen auf die zunehmenden internationalen Spannungen wegen des geplanten Anschlusses der ukrainischen Halbinsel Krim an Russland ein. Ein RWE-Sprecher sagte lediglich, das Unternehmen habe wie bei solch großen Geschäften üblich die Bundesregierung informiert, die sich nicht dagegen ausgesprochen habe.
Doch auch im Erdgasgeschäft sollen die Milliarden zwischen europäischen und russischen Firmen fließen. So meldete der englischsprachige Dienst von Reuters am vergangenen Freitag: Der italienische Spezialist Saipem wird im Zuge des Gas-Pipeline-Projekts South-Stream für rund zwei Milliarden Euro einen ersten Abschnitt der Pipeline im Schwarzen Meer verlegen, teilte der russsische Konzern Gasprom mit.
Die Gesamtkosten für die Pipeline, die die Abhängigkeit Russlands von den bisherigen Transitländern Weißrussland und Ukraine verringern soll, belaufen sich auf rund 20 Milliarden Euro. Hinter dem Projekt South-Stream stehen Gasprom, der französische Energiekonzern EDF, der italienische Versorger Eni , sowie die BASF-Tochter Wintershall.