Samstag, 23. November 2019

Wegen EU-Sanktionen Moskau stellt Rosneft nun doch Milliarden in Aussicht

Rosneft-Chef Setschin: Hochverschuldeter Energieriese

Brüssel kappt die Kapitalzufuhr für russische Energieriesen: Der hochverschuldete staatliche Ölkonzern Rosneft soll nun doch Hilfsmilliarden aus Moskau erhalten - nachdem der Kreml das erste Gesuch abgeschmettert hatte. 

Moskau - Russland stellt seinem von westlichen Sanktionen betroffenen Ölkonzern Rosneft Börsen-Chart zeigen milliardenschwere Staatshilfen in Aussicht. Die Regierung prüfe derzeit verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung, sagte Ministerpräsident Dmitri Medwedew der Zeitung "Wedomosti". Er verwies unter anderem darauf, dass der Staatskonzern einer der wichtigsten Steuerzahler sei.

Laut einem EU-Diplomaten dürfen europäische Firmen keine Kredite mehr an Rosneft vergeben. Auch das für die Öl-Pipelines zuständige Unternehmen Transneft sowie die Gazprom Börsen-Chart zeigen-Tochter Gazprom Neft würden mit den Strafmaßnahmen belegt, verlautete aus Brüssel.

Maßgabe für Sanktionen ist, dass die Firmen Vermögen von mehr als einer Billion russischen Rubel (20,81 Milliarden Euro) aufweisen und mindestens 50 Prozent des Umsatzes aus dem Verkauf oder Transport von Rohölprodukten oder Petroleum-Produkten stammt. Inkraft treten sollen die Sanktionen nach der Veröffentlichung im EU-Amtsblatt, was in der Nacht auf Dienstag geschehen soll.

Medwedew: "Nicht alles in einem Jahr"

Im August hatte ein Kreml-Vertreter gesagt, Rosneft-Chef Igor Setschin habe um Hilfe im Volumen von 1,5 Billionen Rubel (etwa 31 Milliarden Euro) gebeten, um die Folgen der wegen Russlands Ukraine-Politik erlassenen Sanktionen abzufangen. Zunächst sah es nicht so aus, dass die Regierung dem Gesuch nachkommt. Medwedew sagte "Wedomosti" mit Blick auf die Summe, es müsse "nicht alles in einem Jahr" gemacht werden.

Rosneft ist hochverschuldet, nachdem es 2013 den Zukauf der britisch-russischen Ölfirma TNK-BP im Volumen von umgerechnet etwa 42,5 Milliarden Euro finanzierte. Bis 2014 muss Rosneft knapp 9,2 Milliarden Euro zurückzahlen, weitere 13 Milliarden Euro kommen 2015 hinzu.

Mehrere von den westlichen Sanktionen betroffene russische Unternehmen wie etwa die VTB Bank haben bereits Zusagen erhalten, Staatsfonds anzapfen zu dürfen. USA und EU haben im Zuge der Ukraine-Krise in den vergangenen Monaten eine Reihe von Strafmaßnahmen gegen Russland verhängt, weitere könnten unmittelbar folgen. Sie werfen der Regierung in Moskau vor, den Konflikt im Osten der Ukraine, wo prorussische Separatisten mehrere Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht haben, direkt anzufachen. Russland weist die Vorwürfe zurück.

ts/rtr

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