Erneuerbare Energien Ökostromanteil steigt im ersten Halbjahr auf 49 Prozent

Kerstin Andreae, Chefin des Energieverbands BDEW, fordert angesichts der hohen Abhängigkeit von russischem Gas einen schnelleren Ausbau von Energie aus Wind und Sonne. Immerhin holen erneuerbare Energien auf. Im ersten Halbjahr machten sie die Hälfte des inländischen Stromverbrauchs aus.

Die Energiekrise macht den Ausbau der Windenergie notwendiger denn je: BDEW-Chefin Kerstin Andreae sieht den größten Hemmschuh in fehlenden Flächen

Die Energiekrise macht den Ausbau der Windenergie notwendiger denn je: BDEW-Chefin Kerstin Andreae sieht den größten Hemmschuh in fehlenden Flächen

Foto: IMAGO/Anja Cord / IMAGO/Cord

Erneuerbare Energien holen auf: Kräftiger Wind im Winter und viel Sonne im Frühling haben den Ökostromanteil in Deutschland so weit steigen lassen, dass erneuerbare Energien im ersten Halbjahr 49 Prozent des Stromverbrauches deckten. Das ergeben vorläufige Berechnungen des Branchenverbandes BDEW und des Stuttgarter Forschungsinstitutes ZSW ergaben. Im Vorjahreszeitraum war der Anteil noch mehr als 6 Prozentpunkte geringer. Mit Abstand wichtigste Ökostromquelle sind demnach Windräder an Land, deren Anteil von 17 auf 21 Prozent stieg. Solaranlagen legten von 10 auf 12 Prozent zu, wie aus den am Dienstag veröffentlichten Zahlen hervorgeht.

"Zu verdanken sind diese Zuwächse vor allem einem windreichen Jahresbeginn im Januar und Februar und zahlreichen Sonnenstunden in Mai und Juni", führten die beiden Verbände aus. Bei Windenergie auf See und Biomasse gab es den Angaben zufolge ebenfalls leichte Zuwächse. Die Stromproduktion aus Wasserkraft dagegen ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück.

Der Stromverbrauch in Deutschland insgesamt sank innerhalb eines Jahres um 2 Milliarden Kilowattstunden auf voraussichtlich rund 281 Milliarden. Mit Sonne, Wind und anderen erneuerbaren Quellen wurden 139 Milliarden Kilowattstunden erzeugt, während konventionelle Energieträger auf 159 Milliarden Kilowattstunden kamen. Zahlen zu den genauen Anteilen von Kohle, Gas und Atomkraft liegen noch nicht vor. Die Differenz zwischen den insgesamt erzeugten 298 Milliarden und den verbrauchten 281 Milliarden Kilowattstunden wurde exportiert.

BDEW-Chefin Kerstin Andreae (53) forderte mehr Anstrengungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien und verwies auf die aktuelle Gasknappheit wegen ausbleibender russischer Importe. "Die sinkenden Gasflüsse aus Russland haben die Energieversorgung in Deutschland in eine Ausnahmesituation gebracht", erklärte sie. Insbesondere beim Ausbau der Windenergie an Land bestehe nun dringender Handlungsbedarf. "Der größte Hemmschuh sind hier noch immer fehlende Flächen."

Bei Solarstrom warnte ZSW-Chef Frithjof Staiß vor einer starken Abhängigkeit von chinesischen Herstellern von Photovoltaikanlagen. Diese stelle "in erhebliches Risiko für die Realisierung der ambitionierten, für den Klimaschutz und die Energiesicherheit in Deutschland aber zwingend zu erreichenden Ausbauziele dar".

dri/dpa-afx, afp
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