Nach Wartungsarbeiten Gaslieferung durch Pipeline Nord Stream 1 wieder aufgenommen

Durchatmen in Deutschland: Seit heute Morgen fließt wieder russisches Gas durch die Pipeline Nord Stream 1. Derzeit allerdings noch weniger als die maximale Kapazität.
Gas fließt wieder: An den Empfangspunkten im vorpommerschen Lubmin kommt wieder russisches Gas an

Gas fließt wieder: An den Empfangspunkten im vorpommerschen Lubmin kommt wieder russisches Gas an

Foto: JOHN MACDOUGALL / AFP

Durch die Gaspipeline Nord Stream 1 fließt wieder Gas nach Deutschland. Nach einer zehntägigen Wartungspause registrierte der in Kassel ansässige Netzwerkbetreiber Gascade am Donnerstagmorgen vorläufigen Daten zufolge erste Gasflüsse an den Eingangspunkten von Nord Stream 1 in das deutsche Netzwerk. Der Betreiber Nord Stream 1 bestätigte, dass die Gaslieferungen wieder aufgenommen wurden. Die Liefermenge ist nach Angaben des Betreibers und der Bundesnetzagentur in etwa so hoch wie vor der Wartung, also bei etwa 40 Prozent der maximalen Kapazität.

Die Pipeline war am 11. Juli für eine routinemäßige Wartung von zehn Tagen außer Betrieb gegangen. Die Spannung war groß, ob Russland am Donnerstag tatsächlich den Gashahn aufdreht und welche Menge fließen wird. Die Unsicherheit über die Gaslieferungen aus Russland wird allerdings anhalten, denn das durch die Pipeline geleitete Volumen kann sich täglich ändern. Klar wird das meist erst einen Tag vorher durch die Buchungen der Transportkapazität beim Betreiber Gascade, die sogenannten Nominierungen. Dieser hatte am Mittwoch bereits angekündigt, dass das Gas wohl wieder fließen würde.

Liefermenge hat große Auswirkungen auf die Gaspreise

Russland hatte schon vor der Wartung die Gaslieferungen über Nord Stream 1 gekürzt, und zwar auf ein Volumen von 40 Prozent. Die russische Regierung hatte dafür technische Probleme und das Fehlen einer in Reparatur befindlichen Turbine von Siemens Energy als Gründe genannt. Der russische Staatskonzern Gazprom hatte deshalb höhere Gewalt für Lieferausfälle verantwortlich gemacht.

Die Verdichterturbine wurde in Kanada repariert und wegen der westlichen Sanktionen lange Zeit nicht an Russland ausgeliefert. Zuletzt hatte Kanada entschieden, die Turbine an Deutschland zu übergeben. Am Sonntag soll sie mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht worden sein. Die Bundesregierung sieht in dem Verweis auf die Turbine einen Vorwand.

Die gekürzten Gasliefermengen haben auch den größten deutschen Gasimporteur Uniper in Bedrängnis gebracht. Mit der Bundesregierung und seinem finnischen Großaktionär Fortum verhandelt der Konzern gerade über ein Rettungspaket.

Die Liefermenge in den kommenden Monaten dürfte große Auswirkungen etwa auf die deutsche Wirtschaft, aber auch auf Privatkunden haben, da sie sich auf die Gaspreise niederschlägt. Sie dürfte auch ausschlaggebend dafür sein, wie weit Deutschland seine Gasspeicher noch vor der kalten Jahreszeit auffüllen kann und ob es zu einer Mangellage kommt.

mg/dpa-afx
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