Mittwoch, 26. Juni 2019

Versorger Eon und RWE teilen Strommarkt neu auf Eon will Innogy kaufen - Neuordnung am Energiemarkt

Innogy-Windpark vor der Küste von Nordwales

2. Teil: RWE wird Stromversorger, Eon wird Netzbetreiber

Damit wird RWE am Ende über erneuerbare und konventionelle Stromversorgung verfügen. Eon wird das Geschäft mit Energienetzen und Dienstleistungen rund um Energie kontrollieren. Die Stromnetze sind schon jetzt der verlässlichste Gewinnbringer von Eon, zuletzt steuerten sie rund 65 Prozent der Erträge bei.

Über einen Verkauf von Innogy ist in den vergangenen Monaten wiederholt spekuliert worden. Noch vor einer Aufsichtsratssitzung am vergangenen Dienstag hatte das Unternehmen versichert, es würden bei dem Treffen "keine wie auch immer gearteten Szenarien in Bezug auf einen Verkauf des Unternehmens behandelt". Innogy hat rund 44.000 Mitarbeiter und wurde an der Börse zuletzt mit knapp 20 Milliarden Euro bewertet.

Die Transaktion stößt unter einflussreichen kommunalen Aktionäre von RWE auf Vorbehalte. "Ich sehe den Deal skeptisch", sagte Guntram Pehlke, Chef der Dortmunder Stadtwerke DSW21, dem "Handelsblatt". Vor zwei Jahren sei Innogy erst geschaffen worden. "Jetzt soll es schon wieder zerschlagen werden. Der Grund erschließt sich mir nicht", sagte Pehlke, "Und ich mache mir Sorgen um die Standorte und Mitarbeiter."

Dortmund hält über DSW21 3,6 Prozent der Anteile. Insgesamt halten die kommunalen Aktionäre gut 20 Prozent und stellen vier Vertreter im RWE-Aufsichtsrat. Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern könnten sie den Deal blockieren. Bei den Teilen, die Eon übernehmen soll, arbeiten nach Pehlkes Worten Zehntausende Mitarbeiter. "Da gibt es bestimmt viele Doppelfunktionen. Speziell um den Standort Dortmund mache ich mir Sorgen."

Nach "Handelsblatt"-Informationen kommen die Aufsichtsräte der Energiekonzerne Eon und RWE noch am Sonntag zusammen, um über die geplante Transaktion zu beraten. Beschlüsse und die Vertragsunterzeichnung seien aber erst für Montag geplant, heißt es in mit der Transaktion vertrauten Kreisen Sprecher von Eon und RWE wollten auf Nachfrage dazu keine Stellungnahme abgeben.

Der bislang wichtigste Gewinnbringer von RWE steht seit geraumer Zeit unter Druck. Wegen andauernder Probleme auf dem britischen Markt musste Innogy die Gewinnprognose für 2017 kappen. Nach einem Absturz des Aktienkurses und zunehmender Kritik räumte Vorstandschef Peter Terium seinen Posten. Der Aufsichtsrat um den Mehrheitseigentümer RWE mahnte Kostendiszplin und eine focussierte Investitionsstrategie an. Seitdem führt Personalvorstand Uwe Tigges kommissarisch den Vorstand.

Innogy-Finanzvorstand Bernhard Günther war am Sonntag vergangener Woche Opfer einer Säureattacke geworden. Unbekannte hatten ihn angegriffen und zu Boden geworfen. Sie schütteten ihm Säure ins Gesicht und verschwanden. Günther erlitt schwerste Verletzungen und schwebte zeitweise in Lebensgefahr.

cr/dpa/rtr/afp

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