Energiewende-Schlussstrich ist Wunschdenken Warum Eons Probleme jetzt erst richtig losgehen

Eon-Windpark vor Dänemark: Die Zeiten dicker Gewinne mit Ökostrom sind vorbei

Eon-Windpark vor Dänemark: Die Zeiten dicker Gewinne mit Ökostrom sind vorbei

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Maersk, Eon und Co.: Diese Konzerne zerschlagen sich selbst

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Auf den ersten Blick ist die Botschaft von Eon-Chef Johannes Teyssen einleuchtend: Der 16-Milliarden-Euro-Verlust, den der Energiekonzern gerade für das Jahr 2016 gemeldet hat, ist ein Schlussstrich unter die Vergangenheit. Abschreibungen auf Atommeiler und konventionelle Kraftwerke aller Art in der Tochter Uniper haben Teyssen und sein scheidender Finanzchef Michael Sen in die Bilanz gepackt.

Die Schmerzen der Energiewende? Abgehakt! Nun startet das Unternehmen lustvoll in die grüne Zukunft, befreit von Altlasten und Krawatten. Zentraler O-Ton Teyssen: "Die Bilanz des Übergangsjahres 2016 ist eine Zäsur, die den Weg von Eon  in die neue Energiewelt freimacht."

Das klingt verheißungsvoll, doch tatsächlich steht das neue Eon erst am Anfang eines völlig ungewissen Wegs in die Zukunft. Der Abschied aus der alten Energiewelt war hart und extrem teuer. Was jetzt kommt, ist zwar spannend. Doch nicht nur für Uniper, sondern auch für Eon könnte es fürchterlich werden. Teyssens Optimismus ist verständlich, aus Sicht der Aktionäre allerdings eher fehl am Platz.

Der ganze Strommarkt befindet sich mitten in einem radikalen Umbruch - technisch, ökonomisch, politisch. Ein paar wichtige Beispiele:

  • Strom aus Wind- und Solaranlagen ist inzwischen extrem billig und benötigt viel weniger finanzielle und politische Unterstützung als noch vor fünf Jahren
  • Stromverbraucher erzeugen ihre Elektrizität verstärkt selbst, indem sie Solaranlagen oder Blockheizkraftwerke installieren
  • Batteriespeicher werden schnell günstiger. Allein in Deutschland sind bereits 50.000 derartige Geräte installiert
  • Neue Software hilft kleinen Stromverbrauchern und -Erzeugern dabei, sich zu vernetzen.

All diese Trends machen das Stromsystem vielschichtiger, dezentraler und unberechenbarer. Die künftige Rolle von Konzernen wie Eon in diesem Geflecht ist völlig unklar.

Vattenfall und ein Ölkonzern nehmen Eon in die Zange

Vorbei sind damit nicht nur die Zeiten, in denen die Stromversorger üppige Gewinne mit Großkraftwerken einfuhren. Schon wieder vorbei sind auch die Zeiten, in denen jeder, der ein Windrad oder eine Photovoltaikanlage aufstellt, dafür dicke Subventionsgewinne einstreichen kann.

Eon hat all diese Entwicklungen erkannt, und will jetzt in der neuen Energiewelt mitspielen. Minutenlang ratterten die Vorstände Leonard Birnbaum und Karsten Wildberger am Mittwoch Beispiele herunter, die das verdeutlichen sollten. Die erste Brennstoffzelle ihrer Art, besonders effiziente Blockheizkraftwerke für Unternehmen, Software-Lösungen fürs Carsharing mit Elektroautos, eine Solarstrom-Cloud für Hausbesitzer. Und so weiter und so fort.

Das Problem: All das machen andere auch und womöglich besser, weil sie sich stark auf einen Bereich konzentrieren. Ob ein Energiekonzern wie eine Ansammlung von Startups funktionieren kann, oder sich besser noch weiter aufspaltet, bleibt völlig ungeklärt. Ärgerlich für Investoren zudem, dass Eon kaum Zahlen zum Wachstum dieser kleinen Pflänzchen herausgibt. Es ist deshalb extrem schwer einzuschätzen, wie erfolgreich das "Potpourri" (Teyssen) ist.

Eons große Stärke ist keine sichere Bank mehr

Und das in Zeiten, da das vermeintlich sichere Geschäft mit Netzen und großen Ökostrom-Parks nicht mehr so viel Freude wie früher macht. Regulierungsbehörden dringen beispielsweise in vielen Ländern auf niedrigere Garantiezinsen bei den Netzen.

Eons Stärke bei großen Wind- und Solarkraftwerken ist ebenfalls keine sichere Bank mehr. Seit Offshore-Anlagen häufiger ausgeschrieben werden, sind die Preise in den Keller gerauscht. Der aggressivste Anbieter setzt sich im gnadenlosen Wettbewerb durch, und der hieß zuletzt selten Eon.

Nicht zu schlagen waren jüngst in Nord- und Ostsee Angebote des staatlichen Konkurrenten Vattenfall  sowie des Ölkonzerns (!) Shell , die offenbar um jeden Preis und auf Kosten der Rendite Marktanteile gewinnen wollen. Gerade einmal 5 Cent pro Kilowattstunde verlangt Vattenfall für Strom aus Windrädern auf See. Eons Vorzeige-Projekte in der Nordsee kalkulieren noch mit einem Vielfachen davon.

Bei Wind an Land ist die Lage noch unsicherer. Kein Wunder, dass Eon bisher nicht abschätzen mag, wieviele Anlagen im nächsten und übernächsten Jahr ans Netz gehen sollen.

Eon-Chef Johannes Teyssen hat oft betont, wie gern er die Fesseln der Vergangenheit ablegt und in die neue Energiewelt durchstartet. Mit ein paar Abschreibungen in Milliardenhöhe ist das allerdings bei weitem nicht getan.

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