Sonntag, 21. April 2019

Was der Eon/RWE-Deal und die Groko-Pläne für die Energiebranche bedeuten "Milliarden werden in den Wind geschrieben"

RWE und Eon: "Deutschland ist mit Bravour in die Welt der erneuerbaren Energien gestartet und hat ab 2012 dramatisch nachgelassen. Nun werden wir links und rechts von anderen Ländern überholt"

4. Teil: Datenfarmen mit Ökostrom: Google und Apple unter Zugzwang

mm.de: Welche Unternehmen nutzen diese Sonderverträge?

Paskert: Der größte Deal bisher: Der norwegische Aluminiumkonzern Hydro bezieht Strom aus einem Windpark mit circa 670 Megawatt Leistung, der von General Electric und Macquarie gebaut wurde. Der erzeugt jedes Jahr 1,6 Terawattstunden Strom. Damit könnte man rund 450.000 Haushalte versorgen. Der Vertrag gilt über 19 Jahre. Oder nehmen Sie Unternehmen wie Google Börsen-Chart zeigen oder Apple Börsen-Chart zeigen , die ihre Datenzentren mit Ökostrom versorgen wollen. Die stehen unter enormem Druck der NGOs, denn Sie müssen nachweisen, dass sie nicht nur klimaneutral durch Regenwaldaufforstung in Brasilien sind. Die NGOs fordern inzwischen , dass die Unternehmen in den Regionen des Verbrauchs grüne Energie selbst nutzen. Ein weiteres Beispiel sind die Automobilkonzerne: Die können nicht guten Gewissens ein Elektroautowerk mit Kohlestrom betreiben. In Schweden ist gerade eine Batteriefabrik in Planung, die komplett mit regenerativem Strom betrieben wird. Das ist ein weltweiter Run.

mm.de: Wie wichtig ist das Großkundengeschäft für Encavis?

Paskert: Der Umsatzanteil beträgt erst gut 5 Prozent. Das ist für uns ein neues Feld, wir müssen uns erst einmal Kunden suchen. Bisher hatte ich keine Kunden, sondern nur Zusagen für eine Vergütung. Der Netzbetreiber überwies das Geld auf unser Konto, eine Produktvermarktung fand nicht statt. Aber jetzt ändert sich das alles. Mit dem irischen Staatsfonds als Co-Investor öffnen wir gerade den Solarmarkt in Irland.

Für Anlagen dort können wir einen regulierten Tarif bekommen, denn das Parlament will zur Jahresmitte eine Art EEG verabschieden. Alternativ verkaufen wir den Strom an einen industriellen Abnehmer. Der bekommt dann Strom zu einem festgelegten Preis und ein grünes Zertifikat, für den regenerativ erzeugten Strom. Das erhält er nicht, wenn die Anlage in einem regulierten, also subventionierten Tarif ist .

mm.de: Braucht man das EEG hier zu Lande überhaupt noch?

Paskert: Es war ohnehin nur als Anschubhilfe gedacht und hat sich dann leider verselbständigt. Jeder konnte seine Rendite aus dem üppig gefüllten Topf ziehen. Das geht langsam zu Ende, wie man an den Auktionsergebnissen ablesen kann. Da schreien natürlich sehr viele. Aber das ist eine ganz normale industrielle Entwicklung.

mm.de: Könnte das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode beerdigt werden?

Paskert: Für kleinere Anlagen dürfte das schwer werden. Bei großen Offshore-Parks kommen wir ja bereits ohne EEG aus. Der baden-württembergische Stromkonzern EnBW hat für 2023 Gebote ohne Förderung abgegeben. Andere denken sogar über negative Preise nach, um den Zuschlag zu bekommen. Das heißt: Für die Anlagen auf See ist der Fördermechanismus nicht mehr zwingend notwendig. Auch beim Hausbesitzer, der eine Solaranlage auf dem Dach und einen Speicher im Keller hat, kann man angesichts des Preisverfalls bei Solarmodulen und Batteriespeichern die Förderung reduzieren.

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