Montag, 26. August 2019

Was der Eon/RWE-Deal und die Groko-Pläne für die Energiebranche bedeuten "Milliarden werden in den Wind geschrieben"

RWE und Eon: "Deutschland ist mit Bravour in die Welt der erneuerbaren Energien gestartet und hat ab 2012 dramatisch nachgelassen. Nun werden wir links und rechts von anderen Ländern überholt"

3. Teil: "Umstellung von Festvergütung auf Ausschreibungen war überfällig"

mm.de: Bürgergenossenschaften haben es künftig bei Ausschreibungen für Wind-Onshore schwerer. Der Gesetzgeber hat verfügt, dass die sich nur bewerben dürfen, wenn sie für ihre Projekte auch Genehmigungen vorweisen. Das brauchten sie kurioserweise zuvor nicht. Eine überfällige Maßnahme?

Paskert: Die frühere Regelung war gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Hinter den so genannten Bürgerwindparks verbargen sich oft ganz normale private Anbieter, die dann manchmal sämtliche Projekte in einer Ausschreibung gewonnen haben, ohne dass transparent wurde, wer eigentlich dahintersteckt.

mm.de: Haben sich die Ausschreibungen generell bewährt?

Paskert: Es war überfällig, dass von der Festvergütung auf Ausschreibungen umgestellt wurde. Bei Photovoltaik-Anlagen gab es innerhalb eines Jahres Preissenkungen von 30 Prozent. In den Ausschreibungen des Jahres 2017 betrug der Durchschnittspreis 6 Cents pro Kilowattstunde, bei der Auktion in diesem Februar waren es nur noch knapp über 4 Cents . Damit war Photovoltaik erstmals auch günstiger als Wind. Das zeigt, welches Kostensparpotenzial darin steckt.

mm.de: Das sind ja erst einmal nur Gebote.

Paskert: Ja, aber für diese Projekte muss man sich vorher eine Finanzierung sichern, das ist also alles andere als ein Schuss ins Blaue. Die Projekte müssen natürlich rentabel sein. Es ist unglaublich: Wie viel Potenzial haben wir liegengelassen, als es die festen Tarife gab, also keinerlei Anreiz bestand, sich wirtschaftlich zu verhalten? Wir kommen mit erneuerbaren Energien mittlerweile in Größenordnungen, die vom Stromgroßhandelspreis nicht mehr weit weg sind. Der liegt momentan bei umgerechnet 3 Cents pro Kilowattstunde. Keiner konnte sich vorstellen, dass die Lücke, die zuvor riesig war, jemals geschlossen werden würde. Aber sie schließt sich. Dadurch eröffnen sich komplett neue Geschäftsmodelle, auch für uns.

mm.de: Zum Beispiel?

Paskert: Wir meiden zunehmend regulierte Tarife und bieten bilaterale Stromabnahmeverträge an. Wir bauen also eine Anlage und kontrahieren sie fest über 10 bis 20 Jahre mit einem einzigen Industriekunden - ohne Förderung. Diese so genannten Power Purchase Agreements - kurz: PPA - sind im Ausland bereits bewährte Praxis und kommen jetzt verstärkt auch hier zu Lande. Der Vorteil für den Kunden: Er hat über sehr lange Zeiträume einen festen Strompreis.

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