Bröckelndes Firmenimperium Eon übernimmt das Kommando beim Ex-X-Man Batista

Brasiliens einstiger Shooting Star Eike Batista ist ins Trudeln geraten. Er gibt die Führung über den Energieversorger MPX seiner X-Gruppe ab, Eon übernimmt. Batistas Ausstieg bei MPX könnte der Anfang vom Ende seines Firmenimperiums sein. Und ein Problem für Eon.
Von Thomas Milz
Eike Batista: Brasiliens Starunternehmer und Milliardär unter Druck

Eike Batista: Brasiliens Starunternehmer und Milliardär unter Druck

Foto: ? Sergio Moraes / Reuters/ REUTERS

Sao Paulo - Den Anfang machte am Donnerstag vergangener Woche die Erklärung von Eon und MPX, dass sich Batista aus dem Aufsichtsrat des Energieunternehmens zurückziehen werde. Eine geplante Kapitalerhöhung von 1,2 Milliarden Reais wurde aufgrund des vergifteten Börsenklimas abgesagt, dafür sollen nun intern 800 Millionen Reais neues Kapital eingebracht werden. Eon  soll 366 Millionen Reais beisteuern, die staatliche Entwicklungsbank BNDES weitere 120 Millionen Reais. Die brasilianische Privatbank BTG, die die Umstrukturierung leitet, stellt den Rest. Batista, der bisher die Mehrheit an MPX hält, wird damit seinen Anteil auf vorerst 19 Prozent reduzieren.

Solange Batista über 15 Prozent an MPX halte, bleibe er gleichberechtigter Partner bei MPX, betonte der Interimschef des MPX-Verwaltungsrats und Eon-Vorstandsmitglied Jørgen Kildahl am Freitag gegenüber der Wirtschaftszeitung "Valor". Allerdings geht die stets gut informierte Zeitung davon aus, das Batista seinen Anteil in Kürze veräußern werde, um die auf der X-Gruppe lastenden Schulden bei brasilianischen Großbanken zu begleichen.

Wie hoch diese tatsächlich sind, wagt derzeit niemand zu schätzen. "Die große Sorge des Marktes ist gerade, genau festzustellen, wieviel Geld jede einzelne Bank Eikes Unternehmen geliehen hat," so ein anonymer Banker einer New Yorker Großbank gegenüber der Zeitung "Folha de S. Paulo". Die Spekulationen über anfaulende Kredite der X-Gruppe hatten zuletzt die Aktienkurse der brasilianischen Banken Itau und Bradesco gedrückt.

Das X steht in der Mathematik für eine unbekannte Variabel. Der deutschstämmige Batista betonte stets, dass bei ihm das X jedoch für die grenzenlose Vervielfachung der Marktwerte seiner Unternehmen und damit seines Privatbesitzes stünde. Batista setzte beim Aufbau seines Imperiums auf vermeintliche Synergieeffekte rund um das Herzstück, die Ölfirma OGX, die in den neuen Off-Shore-Feldern vor der brasilianischen Küste aktiv ist. An sie liefert der Plattformenbauer OSX die Fördergeräte, während als Operationsbasis für den Off-Shore-Betrieb der vom Logistikarm LLX gebaute Industriehafen "Açu" nördlich von Rio de Janeiro dienen soll.

Synergie verwandelt sich in fallende Dominosteine

Über den Hafen soll zudem ein Teil der Erzförderung des Bergwerkskonzerns MMX umgeschlagen werden. Ergänzt wurde die Konstruktion durch den Energiekonzern MPX, an dem sich schließlich die Düsseldorfer Eon beteiligte. Bis Mitte 2012 teilten Investoren Batistas Synergiephantasie und beflügelten damit die X-Aktienkurse, wodurch Batistas Privatvermögen auf dem Papier auf schwindelerregende 35 Milliarden Dollar kletterte. Nachdem OGX jedoch technische Probleme bei der Off-Shore-Förderung und damit niedrige Fördermengen einräumen musste, verwandelte sich die Synergie in fallende Dominosteine. Zwischen 30 und 90 Prozent ihres Marktwertes verloren die X-Unternehmen, Batistas Privatvermögen wird derzeit irgendwo bei zwei bis drei Milliarden Dollar verortet.

Die nun von der BTG-Bank erarbeitete Umstrukturierung soll laut "Valor" garantieren, dass die drückenden Schulden der Gruppe überhaupt noch bedient werden können. So sollen zuerst die beiden "Filetstücke" MPX und MMX veräußert werden. Während MPX das einzige der börsennotierten Unternehmen der X-Gruppe ist, das erfolgreich in die operative Phase eintreten konnte, hat der Bergwerkskonzern MMX immerhin den nahezu fertig gestellten Umschlaghafen "Sudeste" zu bieten.

Zudem verfügt MMX über einen Kooperationsvertrag mit dem Logistikunternehmen MRS, dessen Bahnlinien den Hafen mit den MMX-Minen verbindet. Konkurrenten wie die brasilianische Gerdau oder der Erzgigant ArcelorMittal werden als mögliche Käufer der MMX gehandelt, wobei ihr Augenmerk eher auf dem Hafen als auf den Minenlizenzen liegen dürfte; deren Erze gelten als minderwertig. Mit einem Teil- oder Komplettverkauf, der bis zu eine Milliarde Dollar in Batista klamme Kasse spülen könnte, sei innerhalb der nächsten zwei Monate zu rechnen, so der "Valor".

Seinen Anteil an der Ölfirma OGX werde Batista von derzeit 59 Prozent auf nur noch 4 Prozent reduzieren. Fraglich ist dabei, ob das angeschlagene Unternehmen überhaupt einen Käufer findet. OGX verfügt über Förderlizenzen im Wert von zwei Milliarden Dollar. Allerdings scheint OGX die Garantiezahlungen für kürzlich erworbene Förderlizenzen nicht aufbringen zu können. Verhandlungen über die Weitergabe der Lizenzen an die Konkurrenz sollen laufen.

Brasiliens Regierung sagt "No"

Zudem sollen auf OGX Verpflichtungen von rund 4,5 Milliarden Dollar lasten. "Es geht jetzt um das Überleben der OGX," kommentiert Roberto Altenhofen, Analyst von Empiricus Research, die Suche nach einem Käufer. Spekuliert wird über einen möglichen Einstieg der russischen Lukoil. Diese hatte jedoch in den vergangenen Monaten bereits ein angeblichen Interesse an der OGX verneint.

OGX selber versicherte vor einigen Tagen, dass die mittelfristigen Verpflichtungen des Unternehmens durch die jüngste Kapitalinjektion des malaysischen Staatsbetriebs Petronas gesichert seien. Gleichzeitig musste man eingestehen, die Förderung in einigen Off-Shore-Feldern wegen technischer Probleme und niedrigen Vorkommen demnächst einzustellen. Die Folge war ein weiterer Kurssturz. Nachdem in den letzten Tagen bereits die Ratingagentur Standard & Poor's OGX von "B-" auf "CCC" abgestuft hatte, zog Moody's nach (von B2 auf CAA2).

Auch Plattformenbauer OSX droht laut "Valor" das Aus. Ein Teil der 2,5 Milliarden Dollar Schulden könnte durch den Verkauf der von OGX stornierten Plattformen hereingeholt werden. Zudem könnte der Verkauf der Dockanlagen, in die in den letzten Jahren Milliardenbeträge investiert wurden, einige Hundert Millionen Dollar bringen. Allerdings kursieren bereits Gerüchte um einen von den Gläubigern geplanten Konkursantrag.

Die Zukunft des Logistikarms LLX hängt derweil davon ab, ob zahlungskräftige Investoren für die Fertigstellung des Megahafens "Açu" gefunden werden. Eigentlich sollte der Hafen bereits in die operative Phase eingetreten sein. Komplett in Betrieb gehen könnte er jedoch erst in 15 Jahren, unken Experten. Zudem ist das Projekt durch Probleme bei der Enteignung von Grundstücken sowie fragwürdige Umweltlizenzen belastet. Ein von Staatspräsidentin Dilma Rousseff ins Spiel gebrachter Einstieg der staatlichen Petrobras in das Hafenprojekt scheint derzeit unwahrscheinlich.

Angetreten, um der reichste Mann der Welt zu werden

Lediglich 100 Millionen Dollar könnte der Verkauf der CCX bringen, die über Kohleförderlizenzen in Kolumbien verfügt. Mehr ist angesichts niedriger Kohlepreise und der Konkurenz durch Schiefergas wohl nicht drin. Anders der Goldkonzern AUX, der über Förderlizenzen in Chile im Wert von rund einer Milliarde Dollar verfügt, allerdings bereits 1,4 Milliarden Dollar in das Projekt investiert hat.

Mit dem An- und Verkauf von Gold hatte Batista einst seine ersten Millionen gemacht. Angetreten war er damals, um der reichste Mann der Welt zu werden. Daraus wird wohl nichts mehr. Am Ende der Umstrukturierung könnte er aber immerhin noch zwischen einer und zwei Milliarden Dollar Vermögen retten, glaubt der "Valor". Damit steht er im Vergleich zu den Tausenden von Kleinanlegern, die ihr Geld in die X-Unternehmen steckten, immer noch gut da. Sofern die Umstrukturierung nach Plan verläuft.

Hilfe von Seiten der Regierung, die dem Finanzmagier über die letzten Jahre mit staatlichen Krediten jenseits der zehn Milliarden Reais Grenze versorgte, kann Batista derzeit nicht erwarten. Nachdem in den letzten Wochen Hunderttausende von Brasilianern für mehr soziale Gerechtigkeit auf die Straße gingen, kann es sich Staatspräsidentin Dilma Rousseff nicht leisten, Batista unter die Arme zu greifen.

Dies sei auch nicht nötig, so der Minister für Entwicklung, Industrie und Außenhandel, Fernando Pimentel, am Donnerstag. "Der Unternehmer verfügt über wertvolle Aktivposten, die er jetzt zum Verkauf anbietet um die Finanzierungslücken seiner Unternehmen zu stopfen." Gefragt ob Batista mit weiteren Krediten der Entwicklungsbank BNDES rechnen könne, war Pimentel äußerst einsilbig. "Nein, nein, nein." Die Bank habe an Batista bereits alle Kredite vergeben die zu vergeben waren.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.