Sonntag, 25. August 2019

Verlust nach neun Monaten Eon kommt nicht aus dem Tal der Tränen

Kein Lichtblick: Eon kann die Folgen der Energiewende und sinkende Großhandelspreise für Strom nicht kompensieren

Der größte deutsche Energieversorger Eon hat im dritten Quartal erneut einen dreistelligen Millionenverlust eingefahren. Nach neun Monaten steht damit ein Verlust unter dem Strich. Die im Ausland ausgebauten Geschäfte können das im Inland wegbrechende Geschäft nicht auffangen.

Düsseldorf - Der größte deutsche Energiekonzern Eon wartet weiter auf bessere Zeiten. Im dritten Quartal rutschte der Versorger wieder tief in die roten Zahlen. Unter dem Strich stand ein auf die Aktionäre entfallender Verlust von 835 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte. Vor einem Jahr musste Eon hier bereits einen Fehlbetrag in Höhe von 464 Millionen Euro wegstecken.

Der hohe Verlust im wegen der Ferien üblicherweise schwachen Sommerquartal fraß auch die Gewinne aus dem ersten Halbjahr auf. Nach neun Monaten steht nun ein Fehlbetrag von 14 Millionen Euro in den Büchern, nach 2,6 Milliarden Gewinn vor einem Jahr.

Eon leidet wie die gesamte Branche unter den Folgen der Energiewende. So stehen die Gewinne wegen sinkenden Großhandelspreisen für Strom unter Druck. Das können auch die mit hohen Investitionen ausgebauten Geschäfte in den Schwellenländern Brasilien, Russland und der Türkei nicht ausgleichen. Sie erwiesen sich zuletzt sogar wegen der Wirtschaftsschwäche in diesen Ländern als Belastung.

"Nachhaltiger Konzernüberschuss" sieht besser aus

Dennoch hielt der Vorstand an seiner Prognose für das Gesamtjahr fest. So soll das operative Ergebnis (Ebitda) zwischen 8,0 bis 8,6 Milliarden Euro landen, 2013 wies der Konzern noch 9,3 Milliarden Euro aus.

Der sogenannte nachhaltige Konzernüberschuss - aus dem der Konzern aus seiner Sicht zahlreiche Sonder- und Bewertungseffekte herausrechnet (zu finden im Zwischenbericht auf S. 17) und von dem bei Eon die Dividende abhängt - soll von 2,1 Milliarden auf 1,9 bis 1,5 Milliarden Euro sinken.

In den ersten neun Monaten sackte das operative Ergebnisse um sieben Prozent auf 6,6 Milliarden Euro ab. Auf vergleichbarer Basis - also ohne die Folgen von negativen Währungseffekten und im Vorjahr noch verbuchten Beiträge von inzwischen verkauften Aktivitäten - wäre ein leichter Zuwachs herausgekommen.

Das besagte nachhaltige Nettoergebnis lag um ein Viertel niedriger bei 1,4 Milliarden Euro. Der Umsatz ging um 9 Prozent auf 81,3 Milliarden Euro zurück. Die Zahlen waren allerdings besser als von den meisten Analysten erwartet - kurz nach Marktöffnung lag die Aktie leicht im Plus.

Schulden liegen bei 31 Milliarden

"Nach den ersten neun Monaten liegt das Ergebnis im Rahmen der angekündigten Erwartungen für das Gesamtjahr", sagte Finanzchef Klaus Schäfer. "Wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere Performance zu verbessern und unser Portfolio zu optimieren." Fortschritte habe es bei den Kosten gegeben. Das Ziel, 1,2 Milliarden Euro in diesem Jahr einzusparen, sei bereits geschafft. Zudem lag die Verschuldung mit 31 Milliarden Euro 1,2 Milliarden unter dem Vorjahreswert.

Seit Jahresbeginn lief es in der Stromerzeugung trotz des anhaltenden Drucks auf die Großhandelspreise wieder besser. Dank des Sparprogramms und einer deutlich gesunkenen Belastung aus der Atomsteuer, verbesserte die Sparte ihren operativen Gewinn um die Hälfte. Zuwächse gab es auch bei den erneuerbaren Energien und im Gasfördergeschäft.

Auslandsgeschäft kann die Rückgänge nicht ausgleichen

Die Fortschritte wurden aber weiter von den zahlreichen Sorgenfällen zunichte gemacht. So hat sich die Hoffnung, dass das Auslandsgeschäft die Rückgänge ausgleichen könnte, bislang nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Die Schwäche der Wirtschaft in den Schwellenländer trifft Eon nun doppelt - zum einen wird weniger Strom als erwartet nachgefragt, zum anderen verfällt die dortige Währung und drückt auf die Bilanz.

Deutschland-Sparte meldet ebenfalls Gewinneinbruch

Die Deutschland-Sparte meldete ebenfalls wieder einen Gewinneinbruch. Das liegt auch am Verkauf von drei Regionalversorgern, deren Erträge dem Konzern nun verloren gehen.

Den größten Rückgang wies aber die Energiehandelssparte aus. Dieses komplizierte Geschäft ist stark schwankungsanfällig. So hatte im vergangenen Jahr die Ausübung von Optionsrechten beim Handel von CO2-Zertifikaten noch hohe positive Effekte, die sich nun nicht wiederholt haben. Zudem fehlt der Beitrag des vor einem Jahr verkauften Gasgeschäfts in Ungarn.

rei/dpa-afx

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