Eurelectric Eon-Chef Teyssen führt Branchenverband

Johannes Teyssen ist künftig oberster Vertreter der europäischen Energiebranche. Der Verband Eurelectric hat den Eon-Chef zu seinem neuen Präsidenten gekürt - und damit einen vehementen Fürsprecher höherer CO2-Preise.
Eurelectric-Präsident Teyssen: "Eine Abweichung vom optimalen Pfad der Energiepolitik würde Europa bis 2050 3,9 Billionen Euro kosten"

Eurelectric-Präsident Teyssen: "Eine Abweichung vom optimalen Pfad der Energiepolitik würde Europa bis 2050 3,9 Billionen Euro kosten"

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Bologna - Der Chef von Deutschlands größtem Energiekonzern Eon, Johannes Teyssen, ist künftig auch oberster Vertreter der Branche auf europäischer Ebene in Brüssel. Teyssen sei bei der Jahreskonferenz der Interessenvertretung der europäischen Elektrizitätswirtschaft, Eurelectric, in Bologna zum Präsidenten gewählt worden, teilte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) am Montag in Berlin mit.

Der Zusammenschluss umfasst derzeit über 30 Vollmitglieder der Branche aus 32 europäischen Ländern. Die Wahl sei ein wichtiges Zeichen für die Bedeutung der deutschen Energiewirtschaft beim Umbau der Energieinfrastruktur in Europa, sagte BDEW-Chefin Hildegard Müller. Die deutsche Energiewende habe schon jetzt spürbare Auswirkungen auch auf Europa.

Zu Teyssens Stellvertretern wurden der Chef des portugiesischen Versorgers EDP , António Luís Guerra Nunes Mexia, und Henri Proglio vom französischen Staatskonzern EdF  gewählt. Sein Vorgänger war Fulvio Conti, Chef des italienischen Versorgers Enel .

Teyssen wirbt für höhere CO2-Preise

Teyssen forderte in seiner Antrittspressekonferenz eine Stärkung des europäischen Binnenmarkts für Energie. Die Politik solle sich weitgehend aus dem Markt heraushalten, aber die Bedingungen für fairen Wettbewerb verschiedener Technologien und Investitionen in CO2-arme Energieerzeugung herstellen.

Damit knüpfte der Chef von Eon  an verschiedene öffentliche Äußerungen zur Energiewende und Klimaschutzpolitik an. Teyssen hatte sich mehrmals in politischen Gegensatz zu manchen Wettbewerbern gebracht, indem er höhere Preise für CO2-Zertifikate oder notfalls eine Steuer auf CO2-Emissionen forderte.

Andernfalls werde schmutziger Kohlestrom gegenüber Gaskraftwerken, in die Eon besonders viel investiert hat, bevorzugt. Im Interview mit dem manager magazin hatte Teyssen den europäischen CO2-Markt als "Witz, über den die ganze Welt lacht" gebrandmarkt. Die europäischen Industrieverbände sind in ihrer Haltung jedoch gespalten.

Angesichts eines Überangebotes haben Analysten ihre Prognosen für die Entwicklung der Preise von Emissionszertifikaten den sechsten Monat in Folge gesenkt. Für 2013 sagten die Experten einen Durchschnittspreis von 4,24 Euro je Tonne ausgestoßenes CO2 voraus. Dies ist rund 12 Prozent weniger als bei der vorangegangenen Umfrage Ende April. Aktuell notieren die Verschmutzungszertifikate bei 3,87 Euro. Die EU-Kommission wollte den Preisverfall durch eine vorübergehende Verknappung ("Backloading") aufhalten, scheiterte damit aber am Widerstand des Europäischen Parlaments.

ak/dpa-afx/rtr
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