Mehr Dividende Eon bereitet Kunden auf weiter steigende Strom- und Gaspreise vor

Eon-Chef Birnbaum erwartet weiter steigende Preise für Strom und Gas. Auf russisches Gas werde Deutschland auch nicht so schnell verzichten können. An der Beteiligung der Gaspipeline Nord Stream 1 will der Konzern festhalten.
Energiekonzern: Russisches Gas wird weiter gebraucht, sagt Vorstandschef Birnbaum

Energiekonzern: Russisches Gas wird weiter gebraucht, sagt Vorstandschef Birnbaum

Foto: Thilo Schmuelgen / REUTERS

Deutschlands größter Energieversorger Eon unterstützt die Haltung der Bundesregierung, trotz des Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht auf Energielieferungen aus Russland zu verzichten. "Es ist vielleicht schmerzhaft und unbequem, aber kurzfristig geht es nicht ohne russisches Gas", sagte Eon-Vorstandschef Leonhard Birnbaum (55) am Mittwoch in Essen. "Zumindest nicht ohne schwere Konsequenzen für die europäische Wirtschaft."

In den nächsten zwei bis drei Jahren gehe es darum, unter den gegebenen Umständen eine größtmögliche Stabilität der Versorgung zu gewährleisten. Langfristig führe kein Weg daran vorbei, die Energieabhängigkeit von Russland grundlegend zu beenden. Wenn aber der Industrie- und Wirtschaftsstandort nicht gefährdet werden solle, dürfe man sich keine moralisch überhöhten Positionen leisten. Die von der Politik zuletzt wiederholt ins Spiel gebrachte Laufzeitverlängerung verbliebener Atomkraftwerke ist für Eon kein Thema.

Beteiligung an Nord Stream 1 soll nicht sinken

Der Dax-Konzern ist in Russland nicht direkt exponiert. Und von den europäischen Ablegern russischer Handelsgesellschaften bezieht Eon laut Birnbaum Gas im "niedrigen einstelligen Prozentbereich" des Beschaffungsportfolios. Der Einkauf neuer Mengen sei seit Kriegsbeginn gestoppt. Die Eon-Führung sieht vor allem Risiken für die Rohstoffmärkte und damit einhergehende Kredit- und Liquiditätsrisiken sowie Bewertungsrisiken bei Kapitalanlagen.

Dazu zählt bei dem Essener Konzern auch die Beteiligung an der Nord Stream AG. Eon ist mit 15,5 Prozent an der Pipeline Nord Stream 1 beteiligt und profitiert bisher von Zinserträgen auf das investierte Kapital. Die Beteiligung ist ein Baustein des Pensionsvermögens. Birnbaum schloss einen Abbau der Beteiligung zum jetzigen Zeitpunkt in einer Telefonkonferenz mit Journalisten am Mittwoch aus.

Eon bereitet Kunden auf steigende Strom- und Gaspreise vor

Birnbaum erwartet wegen der stark gestiegenen Beschaffungskosten an den Großhandelsmärkten höhere Preise für Strom- und Gaskunden. Die zum 1. Juli beschlossene Aussetzung der EEG-Umlage werde Eon "selbstverständlich" umsetzen. Wie hoch die Erhöhung ausfallen wird, könne man noch nicht sagen. Birnbaum betonte, dass Eon aufgrund der Absicherung bei der Beschaffung die Erhöhungen nur schrittweise mit der Zeit weitergeben müsse. Birnbaum sprach sich für eine Senkung von Steuern und Abgaben vor allem auf Strom, aber auch auf Gas aus. Eon beliefert in Europa mehr als 50 Millionen Privat- und Geschäftskunden mit Strom und Gas, allein 14 Millionen davon in Deutschland.

Dividende steigt leicht, Ausblick eher mau

Im vergangenen Geschäftsjahr wuchs der Konzernumsatz auch wegen der hohen Energiepreise um 27 Prozent auf knapp 77,4 Milliarden Euro. Der bereinigte Konzerngewinn erreichte 2,5 Milliarden Euro, mehr als anderthalbmal so viel wie 2020. Die Eigentümer sollen eine Dividende von 49 Cent je Aktie bekommen, 2 Cent mehr als 2020. Für das laufende Jahr rechnet der Energiekonzern mit einem bereinigten Konzerngewinn in Höhe von 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro. Damit würde Eon höchstens das Ergebnis von 2021 erreichen.

sio/dpa