Montag, 9. Dezember 2019

Energiemanager-Duell zur Wahl "Schnell 100 Prozent Erneuerbare!" - "Das ist der Morgenthauplan im Quadrat!"

Matthias Willenbacher (l.), Chef des Projektierers Juwi, will die erneuerbaren Energien bis 2020 auf 100 Prozent ausbauen. Fritz Vahrenholt, Aufsichtsratschef der RWE-Tochter Innogy, plädiert für 50 Prozent erneuerbare Energien bis 2050.
Carina Jahn; DPA
Matthias Willenbacher (l.), Chef des Projektierers Juwi, will die erneuerbaren Energien bis 2020 auf 100 Prozent ausbauen. Fritz Vahrenholt, Aufsichtsratschef der RWE-Tochter Innogy, plädiert für 50 Prozent erneuerbare Energien bis 2050.

Der eine gibt Vollgas, der andere bremst: In Sachen Energiewende gibt es kaum erbittertere Widersacher als Juwi-Chef Matthias Willenbacher und RWE-Innogy-Aufseher Fritz Vahrenholt. Kurz vor der Wahl treten sie zum Wortduell bei manager magazin online an - und schenken sich nichts.

mm: Herr Willenbacher, Sie fordern die Bundeskanzlerin in einem Buch auf, bis 2020 vollständig auf erneuerbare Energien umzusteigen. Warum soll Angela Merkel ein Buch mit einer derart steilen These lesen?

Willenbacher: Wir stehen in der Energiepolitik am Scheideweg. Es geht darum, ob wir das System mit großen und ineffizienten Kraftwerken beibehalten wollen oder wir auf ein dezentrales System mit erneuerbarer Energien umsteigen. Das ist umweltfreundlich, bezahlbar und mit vorhandenen Technologien möglich. Wir können vollständig auf den Import von Erdöl, Erdgas, und Steinkohle verzichten, was uns derzeit jährlich 100 Milliarden Euro kostet - Tendenz stark steigend..

mm: Herr Professor Vahrenholt, nehmen wir Herrn Willenbacher beim Wort. Er will das bis zum Jahr 2020 schaffen. Ist das gut oder gefährlich?

Vahrenholt: Das ist hochgradig gefährlich, weil es nicht funktionieren wird. Selbst das Konzept der Bundesregierung, das bis 2020 52.000 Megawatt Fotovoltaik und 48.000 Megawatt Windkraft vorsieht, wird nicht funktionieren. Denn wir hätten dann 100.000 Megawatt Höchstleistung aus erneuerbaren Energien bei einer Höchstabnahme von 80.000 Megawatt. Schon jetzt kommt uns der Strom an wind- und sonnenreichen Tagen aus den Ohren.

mm: Der weitere Ausbau stößt zudem auf Proteste…

Vahrenholt: Um die Strommenge eines Steinkohlekraftwerks wie Hamburg-Moorburg durch Windkraftanlagen zu erzeugen, müssten Sie die Fläche der Stadt Hamburg im Abstand von 300 Metern vollpflastern. Dann hätten wir immer noch keine gesicherte Leistung. Wenn flächendeckend Windkraftanlagen mit 200 Meter Höhe gebaut werden, können sie den Rotmilan und andere gefährdete Vögel in Deutschland vergessen. Als jemand der die Windenergie in Deutschland maßgeblich nach vorne gebracht hat sage, ich: Durch ein unbegrenztes Zupflastern der Landschafts- und Naturräume wird die Akzeptanz der Erneuerbaren leiden.

Willenbacher: Wir brauchen nicht mehr als 25.000 Windräder in ganz Deutschland. Direkt an unserem Firmengebäude stehen 27 Windkraftanlagen, jede ist 200 Meter hoch. Die nächste steht 600 Meter von meiner Terrasse entfernt. Besucher stören sich daran kaum und schätzen, dass die Anlagen 100 Meter hoch und einen bis anderthalb Kilometer entfernt sind.

Vahrenholt: Schauen Sie sich doch einmal die Videos aus dem Soonwald an, wo Wald zerstört wurde mit Windkraftanlagen und sich die Bürger heulend um die Bäume geklammert haben.

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung