Solarenergie in Skandinavien billiger als Kohlestrom Dänemark blamiert deutsche Ökostrom-Lobby

Solar-Haus in Dänemark (Entwurf): Kaltes Land als Sonnenenergie-Vorreiter

Solar-Haus in Dänemark (Entwurf): Kaltes Land als Sonnenenergie-Vorreiter

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Dänemark gilt als eine der weltweit führenden Windkraft-Nationen - was angesichts der regelmäßigen und steifen Meeresbrise leicht nachvollziehbar ist. Kein Wunder, dass die Skandinavier schon fast die Hälfte ihres Stromverbrauchs mit den Rotoren decken.

Nun aber macht das nordische, kalte Land auch bei der Sonnenenergie von sich reden. Bei einer staatlichen Ausschreibung für ein 50-Megawatt-Projekt hat ein Investor den Zuschlag erhalten, der Strom aus Photovoltaikanlagen für 5,38 Cent die Kilowattstunde erzeugen  und nach Deutschland liefern will.

Das ist ein extrem niedriger Preis, der sogar unter dem Wert liegt, den Branchenkenner für Strom aus neuen Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken ansetzen. "Skaleneffekte, unsere Erfahrung mit großen Projekten und die sinkenden Kosten für Photovoltaik-Technik" seien die Hauptgründe dafür, dass ein solcher Preis möglich sei, sagte der Chef des Ausschreibungs-Gewinners European Energy, Erik Andersen, gegenüber manager-magazin.de.

Doch das sind offenbar nicht die alleinigen Ursachen dafür, dass Dänemark Deutschland mal wieder zeigt, wie sich die Energiewende günstiger umsetzen lässt. Auch die vom Staat gesetzten Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass die Rechnung für die Stromkunden niedriger ausfällt.

Dänischer Offshore-Windstrom als Preisbrecher

In Deutschland bezuschussen die Stromverbraucher die erneuerbaren Energien jedes Jahr mit mehr als 20 Milliarden Euro. Der Großteil der Summe lässt sich auf die ehemals sehr hohen, festen Vergütungssätze für Ökostrom zurückführen, die über 20 Jahre ausgezahlt werden.

Doch obwohl diese Sätze für neue Anlagen stark abgesenkt und bei Großprojekten durch Ausschreibungen ersetzt wurden, sind die Kosten in der Bundesrepublik vergleichsweise immer noch recht hoch. Das zeigte sich zuletzt schon bei Offshore Wind. So gewann Versorger Vattenfall eine Ausschreibung für das Projekt "Kriegers Flak" in der dänischen Ostsee und wird Strom für bisher nicht gesehene 4,99 Cent pro Kilowattstunde liefern. In Deutschland kassieren Windparkbetreiber bis zu 19,4 Cent.

Selbst wenn es in Deutschland zu Ausschreibungen kommt, liegen die Gewinner-Gebote über dänischem Niveau. Zuletzt gewannen Solarparkbetreiber derartige Wettbewerbe in Deutschland mit Preisen, die um etwa zwei Cent pro Kilowattstunde - also knapp 40 Prozent - über den nun erzielten dänischen liegen. Entsprechend höher werden die Stromkunden über die EEG-Umlage belastet.

Wie kann das sein? Schließlich scheint die Sonne in vielen Teilen Dänemarks nicht intensiver als beispielsweise am Oberrhein oder in der Lausitz.

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Fachleute sehen eine Reihe von Vorteilen in dem skandinavischen Land. So genehmigten die dänischen Behörden Solarparks schneller und verlässlicher als in Deutschland, heißt es in Expertenkreisen. Auch arbeite die Verwaltung konstruktiver bei der Erschließung von Liegenschaften mit.

Nicht zuletzt dürfen die Anlagen auch auf Ackerflächen entstehen. In der Bundesrepublik ist der Bau dagegen weitgehend auf ehemalige Militär- oder Industriegebiete sowie die Randstreifen von Autobahnen und Bahnstrecken begrenzt. "In Deutschland sind die für Solarparks freigegebenen Flächen knapper als in Dänemark", sagt ein Sprecher des Berliner Thinktanks Agora Energiewende. "Daher sind die Pachtpreise für geeignete Flächen in der Regel höher."

Deutsche Verbraucher zahlen für dänischen Strom

Besonders pikant an der jüngsten Billig-Ausschreibung ist, dass sich auch deutsche Solarfirmen mit Projekten in Deutschland beworben haben - und nahezu chancenlos waren. Zu Geboten dies- und jenseits der Grenze aufgerufen hatte ausgerechnet die deutsche Bundesnetzagentur - im Rahmen der deutschen Ökostromförderung gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Brüssel hatte Deutschland verpflichtet, für einen Teil der EEG-Auktionen auch Projekte im Ausland zuzulassen. So stach European Energy aus Soborg bei Kopenhagen die deutschen Bieter aus. Die Firma wird künftig von deutschen Stromkunden vergütet.

Entsprechend laut beschwerte sich die deutsche Erneuerbare-Energien-Branche über die Dänemark-Schmach. "Solange grenzüberschreitende Ausschreibungen zu derartigen Wettbewerbsverzerrungen führen, sind sie nicht geeignet", teilte der kommissarische Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, Harald Uphoff, mit. So zahlten Anbieter in Dänemark weniger Steuern.

"In einer geöffneten Ausschreibung können nicht alle Standortbedingungen angeglichen werden", entschuldigte sich die Bundesnetzagentur. "Die Standorte mit den günstigsten Rahmenbedingungen setzen sich in Ausschreibungsverfahren durch." Genau dies hatte die EU erreichen wollen, damit die Preise für Ökostrom sinken.

Bester Bieter widerspricht Kritik

In Fachkreisen wird allerdings sogar gemunkelt, der dänische Bieter habe sich staatliche Flächen für seine Projekte gesichert und zahle für diese keine Pacht. Dem widerspricht allerdings Firmenchef Andersen: "Die Grundstücke sind in Privatbesitz, und deshalb werden wir überall Pacht bezahlen." Einige Flächen seien sogar gekauft worden.

Jedenfalls hat die deutsch-dänische Solarauktion mit dem Strompreis von 5,38 Cent pro Kilowattstunde erneut belegt, dass Solarenergie inzwischen auch in mitteleuropäischen Gefilden billig ist. Dies zeigt ein Vergleich mit den Kosten, die Fachleute des Freiburger Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) für verschiedene Energieträger ansetzen : Strom aus neuen Steinkohlekraftwerken kommt auf 6,3 bis 8 Cent pro Kilowattstunde, bei Gaskraftwerken rechnen sie mit 7,5 bis 9,8 Cent. Die US-Bank Lazard  und die britische Regierung  kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Der Betreiber des englischen Atomkraftwerks Hinkley Point, EDF, bekommt sogar mehr als 11 Cent pro Kilowattstunde. Einzig Braunkohle kann mit 3,8 bis 5,3 Cent mithalten, so lange die Preise für CO2-Verschmutzungrechte niedrig sind. Allerdings setzt sich der Preisverfall bei der Photovoltaik fort. In sonnigen Ländern wie Chile ist Solarstrom schon für weniger als 3 Cent die Kilowattstunde zu haben .

Bei dem Vergleich sollten "variable Stromerzeugungstechnologien allerdings anders bewertet werden als erneuerbare Energien" wie Windkraft und Solar, die schlechter regelbar seien, sagt ISE-Experte Christoph Kost. Die dänische Ausschreibung zeige dennoch, wie stark die Förderung für Solarenergie zurückgefahren worden ist und wie stark die Kosten gesunken sind. Dem weiteren Siegeszug der Solarenergie steht somit immer weniger im Weg.

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