Montag, 21. Oktober 2019

Neue Serie zu Innovationen für Klimaschutz Wie sich Sonne und Wind speichern lassen

Peter Schmidt (l-r), Geschäftsführer der EWE Gasspeicher GmbH, Ulrich Schubert vom Center for Energy and Environmental Chemistry Jena und Ralf Riekenberg, Leiter des brine4power-Projektes, zeigen am 22.11.2017 in Berlin das Funktionsmodell der weltweit größten Batterie

Wenn es einen Erfolg in Deutschlands Ringen um den Klimaschutz gibt, dann ist es die Energiewende. Die Kraftwerksindustrie sorgt zwar immer noch für das Gros des CO2-Ausstoßes im Land. Doch immerhin hat sie ihre Emissionen seit 1990 um ein Drittel oder 155 Millionen Tonnen pro Jahr gesenkt - und damit fast so viel Treibhausgase eingespart wie alle anderen Sektoren zusammen. Inzwischen tragen erneuerbare Energien wie Wind und Sonne in manchen Monaten schon mehr als die Hälfte zur Stromproduktion bei.

Nun wachsen allerdings die Zweifel, wie sich diese Story fortschreiben lässt. Theoretisch könnten die Erneuerbaren auch den gesamten Strombedarf decken, und so heißt auch das politische Ziel - nur liefern sie die Energie nicht regelmäßig zur richtigen Zeit. "Wir haben noch keine einzige Idee entwickelt, wie wir Energie speichern können", beklagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im ARD-Interview.

In dieser Frage ist der CSU-Politiker, der sich als Klima-Vorkämpfer neu erfindet, allerdings etwas behind the curve. Denn an Ideen mangelt es keineswegs, nur stoßen sie zumeist auf wirtschaftliche oder politische Hindernisse.

In Ostfriesland kündigte der regionale Stromversorger EWE schon vor zwei Jahren "die größte Batterie der Welt" an. Zwei unterirdische Kavernen, in denen heute Erdgas gelagert wird, sollen mit einer Salzlösung gefüllt werden, die mit von der Universität Jena entwickeltem biologisch abbaubaren Plastik als Elektrolyt funktioniert und den Strom durch eine Membran zwischen der Minuspol- und der Pluspol-Höhle transportiert. Tests verliefen erfolgreich, technisch ist die Sache klar.

Ende 2018 erklärte Projektentwickler Timo di Nardo trotzdem, das sei "eine Nummer zu groß" und "muss ja irgendwie bezahlt werden". EWE hält zwar an dem Vorhaben im Prinzip fest, aber nicht mehr am Zeitplan bis 2025. Mit Gasspeichern lässt sich Geld verdienen, mit Stromspeichern auf absehbare Zeit nicht.

So bleibt vorerst eine Pilotanlage des Fraunhofer-Insituts in Pfinztal bei Karlsruhe die größte derartige Redox-Flow-Batterie im Land. Immerhin zwei Megawatt ließen sich dort für zehn Stunden speichern, in riesigen Tanks mit 600.000 Litern Vanadium-Elektrolytlösung. Doch auch dort sah ein Institutssprecher als Zwischenfazit "keine Sache, von der man sagt, alles läuft super". Beispielsweise wurde Vanadium während des Baus unerwartet viel teurer.

Eon Börsen-Chart zeigen probierte ein ähnliches Gerät auf der Nordseeinsel Pellworm in Zusammenspiel mit Windrädern, Sonnenkollektoren und einem "Smart Grid" der angeschlossenen Haushalte aus. Die Batterie erzielte "moderate Erlöse" - aber bei weitem nicht genug, um die Investitionskosten wieder hereinzuholen. In den 2030er Jahren könnte es etwas werden, schätzt der Konzern.

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