"Big Oil"-Konzerne Wohin mit den Rekordgewinnen?

Während viele Branchen unter hohem Kostendruck leiden, geht es den "Big Oil"-Konzernen blendend. Im zweiten Quartal stiegen die Gewinne besonders stark. Doch statt in die Energiewende zu investieren, fließen nun 30 Milliarden Dollar in den Rückkauf eigener Aktien – und künftig wird noch mehr an die Aktionäre ausgekehrt.
Sprudelnde Gewinne: Die fünf größten westlichen Ölkonzerne Exxon Mobil, BP, Total, Shell und Chevron

Sprudelnde Gewinne: Die fünf größten westlichen Ölkonzerne Exxon Mobil, BP, Total, Shell und Chevron

Foto: Jim Tanner / REUTERS

"Exxon hat dieses Jahr mehr Geld verdient als Gott" diese Aussage des amerikanischen Präsidenten Joe Biden (79) vor zwei Monaten ließ aufhorchen. Und schaut man aktuell auf die Quartalsgewinne der fünf größten westlichen Ölkonzerne, gehen einem tatsächlich die Vergleiche aus: Gut 62 Milliarden Dollar verdienten die Unternehmen allein im zweiten Quartal. Die weltweit gestiegenen Energiepreise hatten für die höchsten Profite seit Jahren gesorgt.

Den größten Sprung  machte dabei ExxonMobile mit einer Jahressteigerung des Quartalsgewinns von 4,7 auf 17,9 Milliarden Dollar. Für Chevron ging es nach 3,1 Milliarden Dollar im zweiten Quartal 2021 auf nun 11,6 Milliarden Euro hoch. Auch Shell mit rund 18 Milliarden Dollar, BP mit 9,3 Milliarden Euro und Total mit 5,7 Milliarden Euro verdienten deutlich mehr als im Vorjahresquartal.

Ihre Aktionäre beglücken die Ölriesen daraufhin mit Dividenden und Aktienrückkäufen im Rekordwert von 30 Milliarden Dollar. Und die Konzerne wollen noch mehr Geld auskehren: Allein ExxonMobile bis Ende nächsten Jahres etwa 30 Milliarden Dollar, der Wettbewerber Chevron will für weitere 15 Milliarden Dollar Anteilsscheine zurückkaufen.

Der Vorteil: Damit entfallen dann mehr Gewinn und Dividende auf weniger Anteilsscheine. Umgekehrt bleibt weniger Geld für Investitionen in neue Technologien und neue Projekte. Der Grund für die Scheu der Konzerne: Sie müssen die Auswirkungen von Rezession und Klimawandel auf die zukünftige Nachfrage nach fossilen Brennstoffen abwägen. So hatte die Internationale Energieagentur (IEA) im vergangenen Jahr erklärt, dass Investoren keine neuen Öl-, Gas- und Kohleprojekte finanzieren sollten, wenn die Welt bis Mitte des Jahrhunderts eine emissionsfreie Wirtschaft erreichen will.

Angesichts aller globalen Unsicherheiten sei es jetzt nicht die Zeit, die Disziplin zu verlieren – so äußerte sich BP-Chef Bernard Looney (52) gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, nachdem er den höchsten Gewinn von BP seit 14 Jahren gemeldet hatte. Die Zurückhaltung bei den Ausgaben könnte die Energieversorgungskrise also noch verschärfen. So lag die Öl- und Gasförderung der fünf Konzerne in den ersten sechs Monaten des Jahres 14,6 Millionen Barrel Öl-Äquivalent pro Tag (boe/d) und damit etwa 10 Prozent unter dem Niveau vor der Covid-19-Pandemie.

Nur wenig Ausgaben für den Umbau von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern

In früheren Boomzeiten, etwa Anfang der 2000er-Jahre, hatte "Big Oil" die sprudelnden Gewinne noch genutzt, um Investitionen schnell und kräftig zu erhöhen. Nach vielen mageren Jahren bleiben sie nun vorsichtig, steigern lieber die Werthaltigkeit der Unternehmen und schütten Geld an die Anteilseigner aus. Vor der Pandemie lagen die vierteljährlichen Gewinnausschüttungen an die Aktionäre zwischen 16 und 20 Milliarden Dollar – mindestens ein Drittel unter dem aktuellen Niveau.

Zwar haben einige Unternehmen zuletzt ihre Ausgabenpläne für das laufende Jahr leicht erhöht, doch bleiben sie dabei innerhalb der früheren Zielspannen. Der Großteil der zusätzlichen Gelder fließt in Projekte, die rasch mit der Produktion beginnen können, oder um die Starttermine für bereits laufende Projekte zu beschleunigen. Der französische Ölkonzern Total hat seine Ausgaben für das laufende Jahr um eine Milliarde auf 16 Milliarden Dollar erhöht. Laut Vorstandschef Patrick Pouyanné (59) sollen damit unter anderem die Felderweiterungen in Angola in Afrika beschleunigt werden.

Der britische Ölkonzern BP erhöht die Ausgaben in diesem Jahr um 500 Millionen Dollar, hauptsächlich um die kurzfristige Produktion im US-Erdgasbecken Hayensville und im Golf von Mexiko zu steigern. Das Ausgabenbudget des Konzerns für 2022 in Höhe von 14 bis 15 Milliarden Dollar bleibe jedoch unverändert. An dem Ziel, die Öl- und Gasförderung bis 2030 um 40 Prozent zu reduzieren, ändere das nichts. Konzernchef Looney hatte bei seinem Amtsantritt 2020 noch versprochen, BP möglichst schnell von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umzustellen. Kürzlich kündigte er an, mehr in Kohlenwasserstoffe zu investieren, um so zu einer stabileren Energiesicherheit beizutragen.

hr mit Nachrichtenagenturen
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