Energiekonzern Uniper Größter Importeur von russischem Gas ruft Staat um Hilfe

Nachdem die Gaslieferungen aus Russland drastisch gesunken sind, gerät der Energiekonzern Uniper in finanzielle Bedrängnis. Finanzchefin Tuomela kassiert die Prognose – die Aktie stürzt zweistellig ab. Der Konzern spricht nun mit der Bundesregierung über Stabilisierungsmaßnahmen.

"Ausmaß und Dauer nicht abzusehen": Uniper-Finanzchefin Tiina Tuomela

"Ausmaß und Dauer nicht abzusehen": Uniper-Finanzchefin Tiina Tuomela

Foto: Tomi Parkkonen / Uniper

Der Energiekonzern Uniper ruft wegen der Gaskrise nach Hilfe vom Staat. Der Versorger nahm am Mittwochabend seine Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2022 mit Blick auf das bereinigte Ebit sowie den bereinigten Überschuss zurück.

Die Geschäftsentwicklung habe sich durch den Krieg in der Ukraine und die in der Folge stark reduzierten Gaslieferungen aus Russland spürbar verschlechtert, sagte Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach (60). "Daher sprechen wir jetzt mit der Bundesregierung erneut über Stabilisierungsmaßnahmen, für die eine Reihe von Instrumenten infrage kommen wie zum Beispiel Garantie- und Sicherheitsleistungen, Erhöhung der aktuellen Kreditfazilität bis hin zu Beteiligungen in Form von Eigenkapital."

Uniper, eine Tochter des finnischen Fortum-Konzerns, ist Deutschlands größter Importeur von russischem Erdgas. Die Düsseldorfer spielen auch mit ihren Gasspeichern eine wichtige Rolle bei der Absicherung der Versorgung Deutschlands im Winter und bei den Bemühungen der Bundesregierung, Deutschland unabhängig von russischen Gaslieferungen zu machen.

"Uniper erhält seit 14. Juni lediglich 40 Prozent seiner vertraglich zugesicherten Gasmengen von Gazprom", erklärte Finanzchefin Tiina Tuomela (56). Das Unternehmen müsse daher "Stand heute" davon ausgehen, dass das bereinigte Ebit und der bereinigte Jahresüberschuss für das 1. Halbjahr 2022 deutlich unter Vorjahr liegen werden. "Dies ist eindeutig eine Folge der Gaslieferbeschränkungen durch Gazprom, deren Ausmaß und Dauer aktuell nicht abzusehen sind." Daher nehme Uniper die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr zurück und gebe bis auf Weiteres keinen neuen Ausblick.

Börsenwert halbiert

Die im MDax notierte Aktie  des Unternehmens brach am Donnerstag ein. Im frühen Handel verlor das Papier knapp 23 Prozent, konnte die Verluste zuletzt aber auf rund 17 Prozent reduzieren. Mit rund 14 Euro kostet die Aktie so wenig wie seit 2017 nicht mehr. Seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste auf nunmehr fast 70 Prozent. Die Marktkapitalisierung sank in dem Zeitraum um zehn Milliarden Euro auf rund fünf Milliarden Euro. Auch die Fortum-Aktie  verlor rund 6 Prozent.

Uniper müsse jetzt um eine Rettung durch den deutschen Steuerzahler bitten, kommentierte ein Händler. Die Warnung verdeutliche, wie kritisch, wenn nicht gar gefährlich die gegenwärtige Situation sei, sollte die Feststellung und Bekanntgabe der Gasmangellage durch die Bundesnetzagentur nicht bald erfolgen. Uniper geht davon aus, dass in diesem Fall die derzeitigen Belastungen dann teilweise an die Kunden weitergegeben werden können. Derzeit ist dies noch nicht möglich.

Mehr als 50 Prozent der langfristigen Lieferverträge habe Uniper mit Russland abgeschlossen – eine Quelle, die nun austrockne, verdeutlichte Analyst Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler die Situation. Alberto Gandolfi von der US-Investmentbank Goldman Sachs rechnet vor, dass die zusätzlichen Ersatzkäufe am Markt Uniper potenziell rund 500 Millionen Euro für einen vollen Monat kosten könnten.

Uniper habe bereits Ende letzten Jahres durch die gestiegenen Preise einen deutlich höheren Liquiditätsbedarf gehabt, sagte Maubach, der Chef des Kraftwerksriesen . "Um diesem zu begegnen, hatten wir bereits unsere Kreditlinien erweitert und unter anderem eine Fazilität der staatlichen KfW in Höhe von zwei Milliarden Euro erhalten, die wir bis heute nicht in Anspruch genommen haben." Uniper prüfe derzeit, wie die Liquidität der Gesellschaft weiter gesichert werden könne.

hr/Reuters, dpa-afx
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