Energiewende Kohle löst Windkraft als wichtigste Stromquelle wieder ab

Betreiber von Kohlekraftwerken wie RWE oder Uniper haben im ersten Halbjahr 35 Prozent mehr Strom ins Netz eingespeist. Damit hat die umstrittene Kohle die Windkraft als wichtigste Quelle für Stromerzeugung abgelöst.
Umstrittene Kohlekraftwerke: Weil der Wind im Frühjahr nicht wie erwartet wehte, haben Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke im ersten Halbjahr deutlich mehr Strom ins Netz eingespeist

Umstrittene Kohlekraftwerke: Weil der Wind im Frühjahr nicht wie erwartet wehte, haben Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke im ersten Halbjahr deutlich mehr Strom ins Netz eingespeist

Foto: Harry Laub / imagebroker / IMAGO

Kohle hat als Energieträger für die Stromproduktion im ersten Halbjahr 2021 die Windkraft wieder vom ersten Platz verdrängt. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der gesamten in Deutschland erzeugten Strommenge von 258,9 Terawattstunden stammten in diesem Zeitraum aus konventionellen Quellen wie Kohle, Erdgas oder Kernenergie, berichtet das Statistische Bundesamt am Montag. Das war gut ein Fünftel (20,9 Prozent) mehr als ein Jahr zuvor. Der Anteil erneuerbarer Energien wie Wind, Solarenergie und Biogas sank dagegen zum Vorjahreszeitraum um 11,7 Prozent auf 44 Prozent.

Windarmes Frühjahr senkt Windkraftanteil deutlich

Wegen des windarmen Frühjahrs sei der Anteil der Windenergie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut ein Fünftel (21 Prozent) gesunken, erklärten die Statistiker. Dadurch sank der Anteil der Windkraft an der ins Netz eingespeisten Menge von 29,1 Prozent auf 22,1 Prozent. Die Einspeisung von 57,1 Terawattstunden Windstrom war der niedrigste Wert für ein erstes Halbjahr seit 2018.

Gefüllt wurde die Lücke nach Angaben des Bundesamtes vor allem durch eine höhere Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken, die politisch umstritten sind. Sie steuerten mit 70,2 Terawattstunden gut ein Drittel (35,5 Prozent) mehr bei als vor Jahresfrist. Kohle machte damit in den ersten sechs Monaten 27,1 Prozent der eingespeisten Strommenge aus, nach 20,8 Prozent ein Jahr zuvor.

Nach Kohle und Windkraft war Erdgas im ersten Halbjahr des laufenden Jahres mit einem Anteil von 14,4 Prozent kurz vor der Kernenergie (12,4 Prozent) der drittwichtigste Energieträger für die Stromproduktion in Deutschland.

Die Verbrennung fossiler Rohstoffe wie Kohle ist wegen des Klimawandels zunehmend umstritten. Laut bisheriger Gesetzeslage soll Deutschland spätestens 2038 ganz auf die Kohlekraft verzichten. Klimaschützer und insbesondere die Grünen im Wahlkampf fordern einen früheren Ausstieg aus der Kohle.

Die Bundesregierung hat den Weg Deutschlands zu Klimaneutralität bis Mitte des Jahrhunderts im Klimaschutzgesetz verankert. Demnach soll der Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 verringert werden, bis 2040 um mindestens 88 Prozent. 2045 soll Europas größte Volkswirtschaft Klimaneutralität erreichen, also nur noch so viele Treibhausgase ausstoßen, wie wieder gebunden werden können.

rei/dpa-afx/Reuters
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