Gasimporteur EnBW-Tochter VNG beantragt Staatshilfe

Die hohen Gaspreise bringen auch den Gasimporteur VNG ins Wanken. Die Tochter des Energiekonzerns EnBW bittet wie zuvor Uniper nun den Staat um Hilfe. Die Aktien von EnBW brechen ein.
Speicherstandort von VNG in Bad Lauchstädt: Das Unternehmen braucht die Hilfe des Staates

Speicherstandort von VNG in Bad Lauchstädt: Das Unternehmen braucht die Hilfe des Staates

Foto: Jan Woitas / dpa

Der angeschlagene ostdeutsche Gaskonzern VNG braucht wegen der explodierenden Energiepreise Hilfe vom Staat. Das Unternehmen hat beim Bundeswirtschaftsministerium einen Antrag auf Stabilisierungsmaßnahmen gestellt, teilte der Mutterkonzern EnBW am Freitag mit. "Die Maßnahmen zielen darauf ab, das derzeitige Auflaufen erheblicher Verluste aus der Ersatzbeschaffung von Erdgas aufzufangen und eine Fortführung der Geschäftstätigkeit zu ermöglichen." Die Aktien von EnBW  brachen nach der Mitteilung um rund 9 Prozent ein.

VNG habe zwei Verträge, die von russischen Lieferausfällen betroffen seien. Der größere Vertrag von beiden umfasse einen Gasbezug von rund 65 Terawattstunden im Jahr mit einem inländischen Vorlieferanten, der Importeur der entsprechenden Gasmengen sei. Dieser Vertrag werde seit Mitte Mai nicht mehr durchgängig bedient. Die Kosten der Ersatzbeschaffung habe VNG im August bei historisch hohen Gaspreisen anders als zuvor erwartet zu erheblichen Teilen tragen müssen. Mit Unterstützung der Bundesregierung sei nach Möglichkeiten gesucht worden, eine abschließende Einigung herbeizuführen. "Diese erscheint jedoch kurzfristig und für VNG wirtschaftlich tragfähig nicht erreichbar. Die daraus absehbare finanzielle Belastung wäre für VNG nicht tragbar."

Die Leipziger Verbundnetzgas AG (VNG) ist der drittgrößte deutsche Gasimporteur und stand 2021 für rund ein Fünftel des deutschen Gasbedarfs. Nach Angaben von EnBW ist VNG systemrelevant für die Versorgungssicherheit in Deutschland und spielt gerade in Sachsen und Ostdeutschland eine bedeutende Rolle. Die VNG-Gruppe versorgt demnach rund 400 Stadtwerke und Industriebetriebe mit Gas. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen mit rund 1500 Beschäftigten einen Umsatz von rund 19 Milliarden Euro. Der Karlsruher Versorger EnBW hält rund 74 Prozent an dem Leipziger Unternehmen.

VNG rechnet mit Milliardenverlust

Das Unternehmen hatte bereits einen Antrag auf Gelder aus der sogenannten Gasumlage gestellt und sich auch KfW-Kredite gesichert. Grund für den neuerlichen Schritt sei, dass wegen nicht erfüllter Lieferverpflichtungen von Vorlieferanten Gas zu "erheblich höheren Preisen an den Energiemärkten beschafft" werden müsse. "Bis zum Beginn des russischen Angriffskrieges war VNG eine kerngesunde Unternehmensgruppe", hieß es weiter. Den Verlust dieses Jahr bezifferte das Unternehmen auf circa eine Milliarde Euro. Dieser würde auch nicht durch die ab Oktober greifende Gasumlage aufgefangen.

Russland hat die Gaslieferungen nach Deutschland in den vergangenen Monaten immer weiter zurückgefahren. Über die große Versorgungsleitung Nord Stream 1 kommt nach angeblichen Wartungsarbeiten seit vergangener Woche gar nichts mehr. Ersatz wird nun aus anderen Quellen beschafft, um die Gasspeicher für den Winter zu füllen und Industriebetriebe, Kraftwerke und Haushalte mit dem Brennstoff zu versorgen. Die Gaspreise sind wegen des knappen Angebots und der hohen Nachfrage drastisch gestiegen.

Zuvor hatte bereits Uniper um die Hilfe des Staates gebeten. Das milliardenschwere Hilfspaket sieht unter anderem einen Einstieg des Staates bei Uniper mit einem Anteil von 30 Prozent vor. Die Gasimporteure müssen wegen des Stopps der russischen Lieferungen Gas am Markt zu horrenden Preisen kaufen, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen.

Der Mutterkonzern von VNG, die EnBW, gehört zu einem Großteil dem Staat. Konzernchef Frank Mastiaux (58) hatte noch vor Kurzem im Interview mit dem manager magazin gesagt , dass das Unternehmen ebenfalls Kreditlinien zur Verfügung stelle. Allerdings seit die Situation bei VNG nicht direkt zu vergleichen: "VNG bezieht nur etwa 20 Prozent des Gasvolumens aus Russland", sagte Mastiaux. Doch offenbar reichte auch diese Menge aus, um den Importeur an den Rand der Pleite zu drängen.

mg/Reuters, AFP, dpa-afx
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