Mittwoch, 17. Juli 2019

EDF plant neue Meiler als Gelddruckmaschinen Frankreichs Atomindustrie will Subventions-Orgie von Macron

Baustelle des Atomkraftwerks Flamanville in Nordwest-Frankreich

Der französische Energieversorger EDF hofft auf massive Subventionen für seine Atomkraft-Aktivitäten unter dem neuen Präsidenten Emmanuel Macron. EDF wolle die Regierung davon überzeugen, staatliche Beihilfen für neue AKW nach britischem Vorbild in Frankreich einzuführen, sagte Finanzchef Xavier Girre am Dienstagabend.

Der mehrheitlich dem französischen Staat gehörende Versorger baut gerade zwei Atommeiler in Großbritannien und hat dazu mit der britischen Regierung vereinbart, den Strom für die Dauer von 35 Jahren zu einem festgelegten, inflationsindexierten Preis verkaufen zu können. Sollte der Marktpreis über dem Subventionsniveau liegen, gibt EDF die Differenz an die britische Regierung ab. Liegt der Marktpreis darunter, stockt ihn die Regierung auf.

Tatsächlich garantiert die britische Regierung EDF einen Preis von 9,25 Pence (mehr als elf Eurocent) pro Kilowattstunde. Das ist fast dreimal so hoch wie der Marktpreis für Elektrizität. Binnen 35 Jahren dürften sich die Subventionen für das Kraftwerk laut der Unternehmensberatung Energy Brainpool auf 108,6 Milliarden Euro summieren (inflationsbereinigt: 53,7 Milliarden Euro).

Sogar kleine Solaranlagen auf Privathäusern produzieren Strom billiger als das britische Kraftwerk. Erste Offshore-Windparks kommen inzwischen gänzlich ohne Subventionen aus.

Die Regierung in London war aber auch aus verteidigungspolitischen Gründen bereit, die hohen Mehrkosten zu tragen. Atomkraftwerke sind Bestandteil des Nuklearkreislaufs, in dem auch Material für Kernwaffen gewonnen wird.

Girre sagte zudem, die Signale aus Macrons Wahlkampfteam, den Anteil an Atomstrom im französischen Strommix möglicherweise nicht so schnell wie zuletzt diskutiert abzuschmelzen, wären für EDF positiv. Aus dem Umfeld von Macrons Team hatte es vor der Wahl geheißen, es bleibe zwar das Ziel, den Anteil von Atomstrom auf 50 Prozent zu begrenzen. Allerdings könnte der Zeitplan gestreckt werden.

Derzeit kommt der Atomstrom auf etwa 75 Prozent. Bislang ist das Jahr 2025 als Datum für eine Verringerung auf 50 Prozent angepeilt. Der Insider hatte zudem gesagt, Macron erwäge Beihilfen für Atommeiler nach britischem Vorbild.

Die Nachrichten hatten bei EDF zu einem Kurssprung von rund 8 Prozent geführt. Der Konzern, der ohnehin unter Schulden ächzt, könnte zur Abschaltung von mehr als einem Dutzend seiner 58 Reaktoren gezwungen sein, sollte die Reduzierung schon 2025 kommen.

Maue Geschäfte in Italien und das schwächere britische Pfund brockten EDF im ersten Quartal einen Umsatzrückgang von 1,5 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro ein. Der Konzern bekräftigte aber seine Ziele für das Gesamtjahr.

nis/rtr

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