Samstag, 7. Dezember 2019

Energieversorger geben sich gelassen Keine Blackout-Gefahr durch Elektroauto-Boom

Die beliebtesten E-Autos in Deutschland: Diese Elektroautos wurden 2018 am häufigsten zugelassen
Renault

Gehen mit dem Elektroauto-Boom bei uns bald die Lichter aus? "Blackout-Gefahr durch Elektroautos", "Wie Elektroautos die Stromversorgung gefährden"- Schlagzeilen wie diese, kursierten des Öfteren im vergangenen Jahr. Es war vor allem eine Studie der TU München und der Unternehmensberatung Oliver Wyman, die diese Spekulationen nährte.

Richtig ist: Ob daheim in der eigenen Garage oder an öffentlichen Ladestationen - die Stromer saugen in kurzer Zeit viel Energie. Ist das Netz den Anforderungen nicht gewachsen, könnte es zu Problemen kommen. Richtig ist auch: Die Lichter in deutschen Städten brennen immer noch. Und mit 48.000 neu zugelassenen Elektroautos im ersten Halbjahr in Deutschland geht der Boom hierzulande jetzt erst richtig los.

Der Energiekonzern EnBW würde solche Szenarien ohnehin als Schwarzmalerei bezeichnen. "Der Strombedarf ist aus heutiger Sicht keine Herausforderung für die Elektromobilität", erklärt ein Sprecher am Montag. Für eine Million E-Autos würden rund 0,4 Prozent Strom zusätzlich benötigt - bei einem durchschnittlichen Verbrauch pro Fahrzeug von 20 Kilowattstunden je 100 Kilometer und 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung, rechnet der Konzern vor.

EnBW widerspricht damit Aussagen des FDP-Politikers Hans-Ulrich Rülke, der einen schnellen Ausbau der Ladeinfrastruktur in Interviews als unrealistisch bezeichnet hat und bei einem schnellen Zuwachs an Ladestationen eine Überlastung der Stromnetze prognostiziert.

Auch hier widerspricht EnBW. So seien schon mit der heutigen Netzstruktur etwa 13 Millionen Elektroautos machbar. Das entspreche einem Anteil von 30 Prozent aller Autos in Deutschland. Allerdings seien in Ballungsgebieten bei konzentrierten Zuwächsen lokale Engpässe möglich, räumt der Konzern ein. Der Energieversorger Eon argumentierte im Mai nach virtuellen Stresstests seines Netzes in die gleiche Richtung.

Von diesen 30 Prozent ist die Republik mit aktuell gerade mal 200.000 registrierten Elektroautos noch weit entfernt. Ohne einen Ausbau der Netze könnte es bei dieser Größe allerdings zu Engpässen bei der Versorgung kommen, prognostizierte seinerzeit die Studie der TU München . Was die Wissenschaftler auch konstatierten: Bei einer intelligenten Verteilung der Ladevorgänge müsse das Stromnetz gar nicht ausgebaut werden. Selbst bei einer E-Autoquote von 100 Prozent.

Intelligente Lösungen können Netze entlasten oder sogar stärken

Konkret ist damit gemeint, dass die Ladevorgänge von Elektroautos "zeitlich flexibel" seien und es vor allem darum geht, Ladespitzen zu vermeiden und die zweifelsohne steigende Zahl der Ladevorgänge intelligent zu verteilen.

In manchen Ländern, wo die Zahl der Elektroautos relativ schneller wächst als hierzulande, wird genau in diese Richtung gedacht. Schweden will 2045 Null-Emissionsland sein - also kein Kohledioxid mehr in die Luft pusten. Ein ehrgeiziges Ziel, für das bis Ende nächsten Jahrzehnts auch 2,5 Millionen Elektroautos zusätzlich auf die Straßen zu bringen wären, sagen Experten.

Denn konkurrierende neue Verbraucher wie neue Wohnviertel oder U-Bahnen, die auch ans Netz angeschlossen werden müssen, könnten den Elektroauto-Boom schnell zum Erliegen bringen, weil der Netzausbau nicht Schritt halte. Die Überlegung ist, dass Fahrzeughalter Anreize bekommen sollen, während der Stoßzeiten keinen Strom zu laden. Im Gegenteil sollen sie wenn nötig in diesen Zeiten sogar Strom ins lokale Netz abgeben, um Spitzenlasten auszugleichen.

Power Circle, der Interessenverband der schwedischen Energiewirtschaft, ist dabei überzeugt: Wenn in Zukunft genügend Elektroautos angeschlossen sind und bereit seien, ihre Batterien mit dem Stromnetz zu teilen, würden mehr Elektrofahrzeuge das Kapazitätsproblem sogar verringern, anstatt es zu verschärfen.

mit dpa

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