Neuer EDF-Chef Wie Frankreich das Atom-Comeback plant

Der designierte neue Vorstandschef des staatlichen EDF-Konzerns stellt dem Parlament seine Pläne vor. Er glaubt, dass die abgeschalteten Kraftwerke schon im Winter wieder laufen. Und stellt massive Gewinne in Aussicht.
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Der designierte Vorstandsvorsitzende des französischen Atomkonzerns EDF plant ein schnelleres Atom-Comeback als erwartet. Luc Rémont (53), der erst vergangenen Monat von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron (44) für den CEO-Posten vorgeschlagen worden war, rechnet schon für den Winter damit, die vom Netzbetreiber gesetzten Ziele für die Stromeinspeisung erfüllen zu können.

Seinen ersten Auftritt als designierter Chef des maroden, überwiegend staatlichen KonzernsEDF wird Rémont an diesem Mittwoch haben. Der frühere Schneider-Electric-Manager wird vor beiden Kammern des Parlaments erscheinen, die ihn formal ernennen müssen, und seine Pläne skizzieren. In den vergangenen Monaten war EDF stark in die Kritik geraten, weil der Konzern wegen Materialmängeln, verschleppten Reparaturen und Missmanagement etwa die Hälfte seiner 56 Atomkraftwerke vom Netz nehmen musste. Wirtschaftlich war das Unternehmen dadurch in arge Probleme geraten – und hatte gleichzeitig das Chaos in Europas Energiemarkt verschärft.

Im Vorfeld der Anhörung beantwortete Rémont bereits die Fragen der Abgeordneten in einem schriftlichen Dokument, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. EDF lehnte eine Stellungnahme ab.

In dem Dokument erläutert Rémont seine Strategie, die EDF-Kernkraftwerksflotte rechtzeitig für den Winter fit zu machen. "Seien Sie versichert, dass die Sicherstellung einer maximalen Verfügbarkeit der Produktion für diesen und die kommenden Winter meine oberste Priorität ist", schrieb er.

Zum Teil waren die Reaktoren wegen Korrosionsschäden abgeschaltet worden, um Sicherheitsrisiken zu umgehen. Die Reparaturarbeiten würden zufriedenstellend verlaufen, so Rémont. Bei vier der von Problemen betroffenen Reaktoren – Chinon B3, Bugey 4, Cattenom 4, Tricastin 3 – seien die Arbeiten bereits abgeschlossen. Die Wartungsarbeiten an anderen Reaktoren würden ebenfalls fortgesetzt. Eine große Zahl der betroffenen Reaktoren werde voraussichtlich in den nächsten Wochen wieder anlaufen.

Es sei sein Ziel, die vom Netzbetreiber RTE geäußerte Erwartung zu erfüllen, schrieb Rémont. Ab dem 1. Dezember 2022 solle die Leistung der Kernkraftwerke zwischen 38 und 40 Gigawatt liegen; ab dem 1. Januar 2023 zwischen 45 und 50 Gigawatt. Zum Vergleich: Aktuell liegt die Produktion von Atomstrom auf dem niedrigsten Niveau seit 30 Jahren, bei rund 32,5 Gigawatt. Nach wie vor ist fast die Hälfte der theoretisch verfügbaren Produktionskapazität abgeschaltet.

Mehrere Analysten hatten zuletzt Zweifel daran geäußert, ob EDF in der Lage ist, seinen Wartungsplan einzuhalten. Verkompliziert wurde die technisch schwierige Lage in den zusätzlich noch durch einen Streik, der die Arbeiten an einigen Reaktoren verzögerte.

EDF ist dabei, vollständig verstaatlicht zu werden. Der Staat befindet sich gerade in einem Prozess die 16 Prozent der Unternehmensanteile aufzukaufen, die ihm noch nicht gehören. Macrons Regierung ist bereit, dafür insgesamt rund zehn Milliarden Euro hinzulegen. Rémont war vorzeitig als Nachfolger des seit 2015 amtierenden CEO Jean-Bernard Lévy (67) bestimmt worden, der in diesem Jahr eine Reihe von Gewinnwarnungen herausgeben musste.

Insgesamt erwartet EDF in diesem Jahr durch den Ausfall der Atomkraftwerke Remont 29 Milliarden Euro weniger Einnahmen. Schon 2023 aber soll es besser werden. Rémont prognostiziert, dass EDF im Jahr 2023 einen hohen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erzielen werde.

lhy/Reuters
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